Typokunde

Schusterjungen und Hurenkinder

Ist die erste Zeile eines Absatzes zugleich die letzte Zeile einer Seite, so nennt man das "Schusterjunge".

Steht die letzte Zeile eines Absatzes als erste Zeile auf einer Seite, so nennt man das "Hurenkind".

Schusterjunge
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In der Typografie gelten Schusterjungen und Hurenkinder als gravierende Fehler, die unbedingt vermieden werden müssen. Sie ergeben ein unschönes Schriftbild und stören den Lesefluss. Man eliminiert sie durch Ändern der Laufweite, des Zeilendurchschusses oder des Umbruchs.

Hilft das nichts, muss der Text entweder gekürzt oder erweitert werden. Synonyme Begriffe mit mehr oder weniger Buchstaben können auch helfen.

In verschiedenen Satzprogrammen wie "Word" oder "Indesign" gibt es eine "Absatzkontrolle", die solche unschönen Umbrüche zwar vermeidet, das führt aber oft zu leeren Zeilen am Ende oder Anfang einer Seite. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die entsprechenden Änderungen manuell vorzunehmen. Das bedeutet also, jede Seite eines Buches muss vom Setzer/Designer/Autor auf solche Umbrüche untersucht werden.

Majuskeln, Gemeine und Kapitälchen

Majuskeln sind GROSSBUCHSTABEN.

Kleinbuchstaben heißen "Minuskeln" - in der offiziellen Typografiesprache. Inoffiziell werden sie aber auch "Gemeine" genannt. Gemein steht bei diesem Begriff für "gewöhnlich, häufig vorkommend, einfach ...".

Kapitälchen sind Großbuchstaben, deren Höhe so groß ist wie die der Kleinbuchstaben - innerhalb eines Fließtextes. Kapitälchen sind aber nicht einfach kleine Großbuchstaben, sondern haben innerhalb ihrer Schriftfamilie (normal, fett, kursiv etc.) einen eigenen Schriftschnitt (Form, Breite, Stärke, Lage).

Typokunde – Serifen und Grotesk

Serifen, das sind die kleinen "Füßchen" (französisch: Füßchen) einer Schrift. End-, An- und Abstriche. Wie zum Beispiel hier.

Times
Die meisten Bücher mit viel Text sind aus einer Serifenschrift gesetzt, weil die Füßchen die Lesbarkeit erhöhen. Sie führen das Auge sozusagen.

Eine Grotesk-Schrift, auch "Sans-Serif" (französisch: ohne Serifen) genannt, hat keine Füßchen. Zu sehen hier.

Frutiger

Interessant ist hier auch, dass beide Schriftarten in derselben Größe gesetzt sind: 24 Punkt. Trotzdem ist der Größenunterschied zu erkennen. Das liegt am Schriftschnitt, der unter anderem Stärke, Laufweite und Lage einer Schrift bestimmt. Der Begrif "Schnitt" stammt aus der Zeit des Bleisatzes, wo die Stahlvorlagen für die Bleilettern "geschnitten" wurden. Durch den Fotosatz hat der Begriff seine eigentliche Bedeutung verloren, wird aber weiter benutzt.

Umfangreiche Textmengen sollte man tunlichst nicht mit einer Groteskschrift setzen. Weil diese eben nicht so gut zu lesen ist wie eine Serifenschrift.

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