Mir ist vorhin ein Artikel von vor zwei Jahren in die Hände gefallen, den ich gern nochmal nach vorn hole:

In einem Thread einer Autorengruppe bei Facebook habe ich vor einiger Zeit einen Kommentar hinterlassen. Er bezog sich auf die auffallend vielen Fehler in den einzelnen Beiträgen und Kommentaren dieser Gruppe. Es handelte sich nicht um Flüchtigkeits- oder Tippfehler, die beim Schreiben im Internet leicht passieren, sondern ganz eindeutig um mangelnde Kenntnis von Rechtschreibung und Grammatik. So wurde zum Beispiel sehr oft “das” mit “dass” verwechselt – inklusive vergessenem Komma, das vor “dass” grundsätzlich zu setzen ist.

Also ich schrieb in dem Kommentar, dass ich von “kompetenten” Autoren grundsätzlich umfassende Kenntnis von Rechtschreibung und Grammatik erwarte, und dass ich diese Kenntnisse in besagter Autorengruppe oft schmerzlich vermisse. Oh, oh … das fanden die Autoren aber gar nicht nett. Nein, sie wurden teilweise richtig pampig. Einige meinten, Fehler auszumerzen sei Sache des Lektors.

Abgesehen davon, dass viele selbstpublizierende Autoren sich die Kosten für einen Lektor gern sparen, irren sie sich diesbezüglich. Fehler auszumerzen, ist nicht Aufgabe des Lektors, sondern die des Korrektors.

Ein Lektor ist dazu da, das Manuskript zu prüfen und zu verbessern. In dieser Funktion achte ich auf: Die Struktur des gesamten Textes. Die Ausdrucks- und Erzählweise. Die Logik der Handlung. Die Spannung. Die Dialoge – gute Dialoge sind eine hohe Kunst! Eventuelle nah beieinander liegende Wortwiederholungen. Durchgängig dieselben/korrekte Namen der Protagonisten. Zuviele Adjektive. Korrekte/passende Verben. – Es gibt sehr viel zu beachten bei der Lektoratsarbeit …

lektorat

Stolpert der Lektor über Rechtschreib- oder Grammatikfehler, korrigiert er die natürlich auch, aber das passiert mehr oder weniger nebenbei. Denn für ein Manuskript mit so wenigen Fehlern wie möglich ist in erster Linie der Autor zuständig. Leider muss ich feststellen, dass die Rechtschreib- und Grammatikschwäche in Deutschland auffallend zunimmt. Woran das liegt? Das wüsste ich auch gern! Ich vermute allerdings eine allgemeine Gleichgültigkeit der Sprache grundsätzlich gegenüber. “Hauptsache, ich werde verstanden”, so sagen viele. Mit dieser laschen Einstellung verkümmert die schöne und vielfältige Sprache im Land der “Dichter und Denker” leider immer mehr.

In meiner Funktion als Lektorin “richte” ich mittlerweile nur noch Texte, die nicht schlampig geschrieben sind, sondern denen ich ansehe, dass der Autor sich Mühe und sein Bestes gegeben hat. Dass er sich nach dem Setzen des letzten Punkts nicht zufrieden zurückgelehnt hat, sondern mit dem zweiten und wichtigen Arbeitsgang begonnen hat: mit der kritischen Überarbeitung seines Manuskriptes. Hat er dazu keine Lust, habe ich wiederum keine Lust, mich mit seinem Text zu beschäftigen. Denn ich sehe es nicht als meine Aufgabe, bequemen Autoren das Leben zu erleichtern, sondern aus einem guten Text einen besseren zu machen.

Für die Überarbeitung meiner eigenen Texte benötige ich mindestens so viel Zeit wie für das Schreiben. Viele Autoren macht diese Arbeit keinen Spaß. Mir hingegen schon. Grund: Die Hauptarbeit ist erledigt. Nun kommt der entspannende Teil. Mit Muße und Bereitschaft zur selbstkritischen Betrachtung mein Werk zu lesen, Wörter, Sätze, Absätze und Kapitel zu verändern, zu streichen und/oder umzustellen, bereitet mir das allergrößte Vergnügen. Und das ist bestimmt mit ein Grund, warum mir meine Arbeit als Lektorin so viel Freude macht.

P. S.: In diesem Zusammenhang vielleicht interessant für den einen oder anderen: Für das Lektorat einer Normseite (1.500 Anschläge – entsprechend der Empfehlung der VG Wort) benötige ich mindestens zehn Minuten. Meistens deutlich mehr; realistisch sind oft nicht mehr als drei bis vier Normseiten pro Stunde. Das gilt auch für Manuskripte von Autoren, die gut schreiben können und ihr Manuskript sorgfältig überarbeitet haben.
Das nur mal so als kleine Hintergrundinformation …

Lektorat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.