Pflichtlektüre!
Es gibt Autoren, die so narzistisch sind, dass sie an Büchern anderer kein Interesse haben. (Ich vermute nichts anderes als Angst dahinter – Angst, zu erkennen, dass andere besser schreiben.)
Dazu kann ich nur sagen: das ist ein Fehler. Ein eklatanter Fehler sogar. Denn für einen Autor gibt es nichts Besseres als Anschauungsmaterial.
Und so empfehle ich:
“Die Wand” Marlenhaushofer
“Dienstags bei Morrie” Mitch Albom
“Paradies” A. L.Kennedy
“Lügen über meinen Vater” John Burnside
“Steppenwolf” Hermann Hesse
“Narziss und Goldmund” Hermann Hesse
“Wie ein einziger Tag” Nicholas Sparks
“Der Fänger im Roggen” D. J. Salinger
(Liste wird fortgesetzt)











Hi, liebe Renate,
ja, ja, solche Listen …
Ich finde deine Liste inhaltsgeprägt. Mich interessieren z.B. beim Roman mehr die Feinheiten des Stils. Da kann man dem neo-romantischen Hermann Hesse einiges vorwerfen, wie z.B. die Unausgeglichenheit der Komposition bei “Narziss und Goldmund” und der romantisierende Stil beim “Steppenwolf”. “Die Wand” ist ja vom Stil her auch eher konventionell geschrieben.
Wenn mich angehende Autoren fragen, was sie lesen sollten, verstumme ich erst immer und nach der Schreckenspause empfehle ich postmoderne Romane, da ich meine, im Zeitalter der Medien sollte der Autor/die Autorin im Roman das Medium Roman reflektieren. Die Geschichte sollte sich als etwas Kunstgemachtes (ein Artefakt) zu erkennen geben und nicht der Illusion Vorshub leisten, dass sie eine Abbildung der Wirklichkeit sei. Und das gelingt Spitzenautoren wie Jan Kjaerstad z.B., ohne dass der Unterhaltungswert leidet (einen der frühen Autoren, dem das gelang war Semprun mit “Algarabia”).
Wer für mich auf diese Liste gehörte, wäre Murakami bes. mit “Kafka am Strand”, ein Buch mit wunderbar gelungenen Verfremdungseffekten – ich spekuliere darauf, dass er in den nächsten Jahren den Nobelpreis für Lit. bekommen wird.
So, das war meine unmaßgebliche Meinung. Mir ist klar, dass man an jeder Liste herumkriteln kann, aber das Gute ist, über solche Listen kommt man ins Gespräch über Literatur. Wie wir jetzt.
Herzliche Grüße von
Klausbernd und den Buchfeen Siri und Selma
Dina lässt auch lieb grüßen und der Jürgen, der gerade bei eitel Sonnenschein wieder weiterradelt
Lieber Klausbernd + liebe Buchfeen,
vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Kommentar!
ja, über Bücher lässt sich genauso streiten wie über andere Dinge des Lebens. Für mich ist die Wand der ultimative Lesegenuss, weil Marlen Haushofer so eine klare und “einfach” scheinende Sprache hat. Aber ich weiß, dass es viel schwieriger ist, einfach zu schreiben als kompliziert.
In diesem Zuammenhang sehe ich es wie du (ich hoffe, dich diesbezüglich richtig verstanden zu haben), mich interessiert erst in zweiter Linie der Inhalt eines Buches. Unabdingbar wichtig für ein “gutes” Buch ist für mich der Schreibstil.
Bücher mit einem Schreibstil, dem man anmerkt, dass der Autor sich ständig auf die Schulter klopft, weil ihm wieder ein ganz besonders guter (weil verschwurbelter Satz oder Gedanke) gelungen ist, landen bei mir sehr schnell auf dem “marketplace” von amazon.
Das Schärfste, was ich je erlebt habe, war ein Buch, das ich vor Jahren geschenkt bekommen habe. Ich glaube, der Autor hieß Politicki. Dieser Typ hat doch tatsächlich andauernd Wörter geschwärzt (freiwillig, nicht per Gerichtsbeschluss). Vorzugsweise hat er das gemacht, wenn er über Sex schrieb.
Er hatte sich aber noch einen “Gag” ausgedacht. Er setzte dauernd so eine Art Fußnote. Sinngemäßes Beispiel: “Otto ließ sich jeden Abend voll laufen, in seiner Lieblingskneipe*.”
Wie Ottos Lieblingskneipe dann hieß und wo sie sich befand, erfuhr der geneigte Leser dann hinten im Buch, in der Sternchen/Fußnotenliste.
Liebe Grüße
Renate
P. S.: Danke für die Buchhinweise. Werde gleich mal amazon einen Besuch abstatten. Ich liebe es nämlich, Bücher zu kaufen. ;-)
P. S.: “Kafka am Strand” ist bestellt. Hab ins Buch reingeschaut – gefällt mir!
Murakami ist spannend. In dieser Hinsicht auch “Die gefährliche Geliebte”. Und die Geschichte um das Buch, fast so spannend wie der Roman. Daran ist das literarische Quartett gescheitert, eine tolle Buchwerbung, oder?
Bei der Besprechung des Buchs in der Sendung Das literarische Quartett kam es zum Eklat, als Marcel Reich-Ranicki seiner Kollegin Sigrid Löffler bei der Besprechung des Buchs vorwarf, sie verreiße erotische Literatur grundsätzlich. Frau Löffler erklärte, dass Murakami, der immerhin als kommender Nobelpreisträger gelte, hier einen schlechten und oberflächlichen Roman geschrieben habe, der sich durch ein hohes Ausmaß an Vulgarität auszeichne. Im Anschluss an diese öffentliche Auseinandersetzung verließ Frau Löffler die Sendereihe. Ende der Sendung.
Ich bin wirklich gespannt auf die Lektüre, liebe Dina. Denn was ich bei “Inside” gelesen habe, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Kluge Gedanken, in wunderbar einfach und klarer Sprache zu Papier gebracht. Aber es kommt ja aufs ganze Buch an … ich werde berichten
Was das “Quartett” betrifft, so halte ich von derartigen Zirkeln relativ wenig. Mich interessiert nicht die Meinung von Experten, sondern “normalen” Menschen/Lesern.
Und was des Menschen Lieblingsbeschäftigung angeht, so fällt mir auf, dass für viele Sex und Erotik immer noch ein Tabu ist. Liegt an der jeweiligen verklemmmten Einstellung dazu – vermute ich. Was dann im stillen Kämmerlein passiert, weiß niemand. Denn dass man sexuelle Bedürfnisse nicht einfach ausknipsen kann, beweisen ja die vielen Zölibats-Brüder, die sich an Kindern vergehen …
Also jemandem, der sich über Fehler anderer derart aufregen kann, sollte es doch wenigstens ein bisschen peinlich sein, aus J. D. Salinger D. J. Salinger zu machen.
Ich rege mich nicht über Tippfehler auf, sondern über mangelnde Kenntnis von Rechtschreibung und Grammatik.
Bücher lesen heisst Eintauchen in die Welt des Autors, sich dort verlieren. Es öffnet für die Ansichten, Erfahrungen, die Liebe und den Schmerz anderer. Man ist für eine Weile nicht mehr allein. Figuren erscheinen, Landschaften, Schicksale werden mit einem Mal nicht mehr so fremd. Erinnern wir uns an unsere Kindheit, an unser erstes Buch, das wahrscheinlich vorgelesen wurde, aber wir haben die Bilder gesehen und uns die Geschichten ganz genau vorstellen können. Wir waren glücklich. Später haben wir uns die Bücher, die wir lesen, selbst ausgesucht, waren manchmal enttäuscht, meistens aber zufrieden, in wenigen Fällen berührt oder glücklich, allein schon durch die Lektüre, ob es Karl May war, Hermann Hesse oder eines der vielen Bücher zeitgenössischer Autoren. Menschen, die keine Bücher lesen, verschenken viele Gelegenheiten. Selbst unter den widrigsten Umständen kann es trösten, in das Leben anderer einzutauchen. Bücher verknüpfen uns mit unserer Kultur. Was uns anrührt, bringt etwas in uns zum Schwingen, das vielleicht streckenweise ungehört war. Jetzt klingt es wieder. Wie eine ununterbrochene Melodie des Lebens.
Wie gefühlvoll und treffend beschrieben, lieber Professor Ludwig. Dem gibt es nichts hinzuzufügen
Herzliche Grüße
Ihre Renate Blaes