Lektorieren macht mir Freude. Das liegt unter anderem daran, dass ich nicht jedes Manuskript lektoriere, sondern nur die guten. Damit meine ich die gut geschriebenen. Schlechte Manuskripte zu lektorieren, wäre Sisyphusarbeit, also für die Katz. Deshalb lektoriere ich nur Manuskripte, die meine (engagierte und ambitionierte) Arbeit auch verdienen.

Computer
Zuerst lektoriere ich am Computer. Dabei schaue ich im ersten Durchlauf schwerpunktmäßig auf Formulierungen und die logische Abfolge, also auf einen stimmigen “Plot”, darunter versteht man “Erzählkunst”. Rechtschreibfehler werden dabei natürlich auch korrigiert – das liegt auf der Hand.

Rechtschreibprogramm
Danach kommt die Rechtschreibprüfung mit dem “Duden-Korrektor”, der ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich zuverlässig. Die Lektorin muss das Manuskript im dritten Durchlauf deshalb nochmal SEHR AUFMERKSAM lesen, und das macht sie (ich) nicht am Computer, sondern auf dem ausgedruckten Manuskript, das vom Autor bereits gelesen wurde, also in der aktuellen Ausführung. Darauf bestehe ich!

Manuskript – ausgedruckt
Bei diesem letzten Durchgang finde ich noch jede Menge Fehler, die ich auf dem Bildschirm übersehen habe, (und die der Autor selbst auf dem ausgedruckten Manuskript übersehen hat!). Warum das so ist, weiß ich nicht, Gehirnwissenschaftler hätten bestimmt eine Erklärung dafür. Warum man beim Korrekturlesen grundsätzlich Fehler übersieht, liegt übrigens daran, dass es dem Gehirn nicht darauf ankommt, einen fehlerfreien Text zu lesen, sondern den Text zu “verstehen”. Deshalb liest das Auge auch nicht Wort für Wort, sondern erfasst ganze Sätze mit einem Blick. Deshalb sollen Texte auch nicht breiter als ungefähr 12 Zentimeter sein, weil das Auge dann “springen” muss – aber das nur nebenbei.

Doris Luser
Zur Zeit beschäftige ich mich mit der Endkorrektor des Manuskriptes von Doris Luser. Die pferdebegeisterte Österreicherin lebte fünf Jahre in Lybien und hat ein spannendes Buch über diese Zeit geschrieben. Da macht das Lektorat umso mehr Spaß. Ich habe gelacht bei meiner Arbeit, geweint allerdings auch …

Blick

Heute ist wunderbares Wetter und so sitze ich mit dem Manuskript nicht an meinem Schreibtisch, sondern auf der Terrasse. Mit Blick auf den Ammersee und Kloster Andechs. Das sind die Freuden des Freiberufler-Lebens … für die ich sehr dankbar bin.

Pelzige Naturgewalt
Gestern Abend übrigens lektorierte ich auch – an meinem Schreibtisch. Allerdings wurde die Arbeit durch eine pelzige Naturgewalt erheblich behindert …

Lili

So sieht übrigens eine mehrfach gelesene Seite aus … nachdem sie in ausgedruckter Form redigiert wurde. Und zwar durchgängig durchs gesamte Manuskript.

Manuskript

Es gibt kaum eine Seite, auf der keine Korrekturen stattfinden – nach zwei Durchläufen von mir + einer Prüfung durch den Autor, in diesem Fall der Autorin! Man sieht: Lektorieren macht zwar Freude, bedeutet aber auch viel Arbeit. Arbeit, derer sich viele Autoren nicht bewusst sind, und auf die viele Autoren deshalb verzichten. Was ein (sehr großer) Fehler ist!

Ein (Arbeits)Platz an der Sonne

2 Gedanken zu „Ein (Arbeits)Platz an der Sonne

  • 25. April 2014 um 14:17
    Permalink

    Danke für deen Einblick. Hochinteressant!

    Beste Grüße
    Ewald

  • 25. April 2014 um 15:56
    Permalink

    Immer wieder ein Vergnügen, Ihre frisch-fröhlichen und sehr erhellenden Beiträge zu lesen, liebe Frau Blaes.

    Herzliche Grüße von einer möglicherweise potentiellen Autorin Ihres Verlages. Kommt auf Ihre Meinung an … 😉
    B. M.

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