Bewertungen bei Amazon – ohne Rezension

Bewertungen bei Amazon waren bis vor einiger Zeit nur möglich, wenn man auch einen kleinen Text dazu schrieb, also begründete, warum einem dieses oder jenes Produkt gefallen oder nicht gefallen hat. Dieses Bewertungsverfahren hat sich vor einigen Monaten geändert.

Rezensionen bei Amzonen

Wenn ich ein Produkt oder Buch bei Amazon kaufe, schaue ich mir – wie wohl die meisten Käufer – Rezensionen an. Dabei fiel mir auf, dass es etliche Sternebewertungen gab, die keinen Informationstext zeigten, wenn man auf den Stern oder die Sterne klickte. Ich wusste nicht, was dahinter steckt, fand es allerdings bedauerlich, nicht erfahren zu können, warum die Bewertung positiv oder negativ ausgefallen war.

Buchwertungen

Ich lese gern und viel, deshalb interessieren mit speziell bei Büchern die Ein-Sterne-Bewertungen. Grund: die sind oft deutlich aussagekräftiger als die (enthusiastischen) Fünf-Sterne-Bewertungen, denen man oft ansieht, dass die von Buchportal-Lesern stammen, zum Beispiel von Lovelybooks. Leser von Buchportalen schreiben gern von einander ab, weil es bequemer ist, einen Text zu “klauen”, als sich einen eigenen zu überlegen. Deshalb ähneln sich viele der Bewertungstexte wie ein Ei dem anderen. So finden zum Beispiel viele, dass sie das Titelbild “sofort in Bann gezogen” habe.

In “Bann” gezogen vom Buchcover

In Bann gezogen hat mich in meinem ganzen Leben noch kein Buchcover, nur eines fand ich derart gut, dass ich dem Designer eine Mail geschickt und ihm zu seinem Design gratuliert habe. Es handelte sich um das Buch “Er ist wieder da”, eine Hitlerparodie, bei der das Titelbild mir erheblich besser gefallen hat als der Inhalt, denn das auf ein Minimum reduzierte Design des Titelbildes ist wirklich genial!

Bewertungen ohne Info-Text

Den oben erwähnten Zwang zum Erklärungstext hat Amazon nun abgeschafft, weil es sich angeblich weniger Fake-Rezensionen davon verspricht, denn solche Ein-Klick-Bewertungen (ein Klick auf die Sternezahl reicht) können nur verifizierte Käufer abgeben. Ich vermute, dass hinter dem neuen Bewertungssystem die Hoffnung auf noch mehr Umsatz steckt, denn ein Produkt/Buch zu bewerten, ohne einen zusätzlichen Text verfassen zu müssen, generiert bestimmt deutlich mehr Bewertungen – und je mehr Bewertungen ein Produkt/Buch hat, desto besser verkauft es sich. Das sieht der Journalist Jörn Brief in einem Artikel in der Welt ähnlich.

Ein Klick und weg

Dass es immer mehr Bewertungen ohne Begründung gibt, finde ich sehr bedauerlich, denn echte Kundenmeinungen sind für meine Kaufabsichten sehr wertvoll. Und da ich auf dem Land leben, kaufe ich relativ viel bei dem größten Onlineversandhändler der Welt. Dass Mr. Bezos dadurch noch reicher wird, ist mir relativ egal. Er wird ohnehin nicht wissen, was er mit seinen Milliarden anfangen soll. Und dass (viel) Geld nicht wirklich glücklich macht, ist ohnehin bekannt. Bei einem Lottogewinner zum Beispiel hält die Freude über einen hohen Gewinn ungefähr drei Monate, danach löst sie sich in Luft auf …

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