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Im Jahr 1949 kam der Roman “1984” von George Orwell auf den Markt, eine düstere und hoffnungslose Zukunftsvisison, in der ein totalitärer Überwachungs- und Präventionsstaat beschrieben wird.

Heute haben wir 2012 und nahezu alles, was Orwell sich vor über einem halben Jahrhundert als beklemmende Zukunftsvision ausgedacht hat, ist bereits Realität. Wir mutieren immer mehr zu Schachfiguren, von vermeintlich demokratischen Regierungen, totalitären Staatsoberhäuptern und mächtigen Unternehmen nach Gutdünken hin- und hergeschoben, überwacht und manipuliert.
Wie wird es in 90 Jahren aussehen – auf unserer Erde? Sind wir noch Herr unseres eigenen Lebens, Herr über unsere Individualität, über unsere Wünsche, Gedanken und Handlungen?

Der fiktive Autor Clemens Alsleben beschreibt in seinem Tagebuch-Roman “Im Jahr der Großen Mutter” zwölf Monate seines Lebens in der Zeit 1. Mai 2093 bis 17. April 2094 und geht der Frage nach, wie tief geänderte politische Verhältnisse das Leben des Einzelnen prägen können und unter welchen Bedingungen unsere Urenkel leben werden, wenn der Einfluss gewisser biologischer Phänomene, Gentechnik, Klonierung, Euthanasie, uns Organtransplantation ohne ein moralisches Korrektiv konsequent zu Ende gedacht wird.

Hier der Klappentext:

Wie wird die Welt in Zukunft aussehen? Was wird den Alltag bestimmen? Welche politischen Entwicklungen werden sich durchsetzen, wenn eine Gesellschaft altert, die Ressourcen begrenzt sind und manche ethische Grundsätze ihre Bedeutung verlieren?

Der vorliegende Roman in Form eines fiktiven Tagebuchs versucht eine mögliche, nicht immer ganz ernsthaft gemeinte Antwort auf diese Fragen zu geben. Dabei spielt er in einer Zeit, die soweit weg ist, dass kaum einer unserer Zeitgenossen sie erleben dürfte, und noch so nah, dass heutige Entwicklungen fühlbare Auswirkungen haben werden.

Alexandra III.

Deutschland und Europa haben sich im Jahr 2093 grundlegend geändert. Unser Land ist in diffuse Herrschaftsgebiete zerfallen, deren größtes von der Diktatorin, Alexandra III. beherrscht wird. Neben politischer besitzt sie auch biologische Macht, denn sie ist die Quelle für die Klonierung von Zellen zur Produktion von weiblichem Nachwuchs als Soldatinnen und Arbeiterinnen. Männer werden nicht mehr benötigt, wurden ins Ausland vertrieben oder leben im Untergrund. Nur eine kleine Kaste alter Würdenträger darf nach einem kleinen chirurgischen Eingriff ein freudloses Leben in der Nähe des Palastes, in einer Art Getto, fristen.

Der Protagonist
Einer von ihnen ist Clemens Alsleben, mittlerweile ungefähr siebzig Jahre alt, der sein Überleben einer jugendlichen Liebschaft mit Alexandra III. verdankt.

Mit unbestechlichem Blick und in lakonischem Stil schildert er anschaulich in einem Tagebuch seine Erlebnisse in der Nähe des Hofes. Er reist mit der Diktatorin zur Erholung in das sogenannte Berghaus, einer stark befestigten Alpenresidenz. Als Kriegsreporter nimmt er an einem Feldzug gegen Aufständische teil. Vorsichtig knüpft er Kontakte zu Splittergruppen von Männern im Untergrund und wird vom Geheimdienst beauftragt, den letzten frei gewählten Kanzler der Republik an ein Nachbarland auszuliefern. Auch seine letzten Lebensmonate bleiben hektisch, denn nach Alexandras Tod, den er aus der Nähe miterlebt, kommt es zu Aufständen und zu einer neuen Gewaltherrschaft. Alsleben beschließt, ins Exil zu gehen, und erlebt auf seiner Flucht zusammen mit zwei ihm anvertrauten Jungen manches gefährliche Abenteuer, bevor er schließlich seinem Leben bewusst ein Ende setzt.

Seine Beobachtungsgabe und Neugier versetzen Alsleben in die Lage, das moralische Debakel der sich ändernden menschlichen Lebensbedingungen zu beschreiben. Euthanasie ab dem achtzigsten Lebensjahr ist staatlich angeordnet, Organtransplantation an der Tagesordnung, Mensch-Tier Zwitterwesen wurden geschaffen, Männer sind als Versuchsobjekte in der Hirnforschung an der Tagesordnung.

Das Lebensresümée des Chronisten bleibt skeptisch und pessimistisch. Der Verlust ethischer Grundüberzeugungen ist nicht aufzuhalten, der Einzelne hat keine Einflussmöglichkeiten, er muss sich anpassen, um zu überleben. Das Schreiben der Chronik ist Alslebens einziger Widerstand.

Demnächst: “Im Jahr der Großen Mutter”

2 Gedanken zu „Demnächst: “Im Jahr der Großen Mutter”

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