erdkugel

Per Zufall bin ich in den Weiten des Internets über ein Buch bzw. eine Buchbesprechung gestolpert. Nicht neu, aber durchaus aktuell und extrem amüsant:

Auf Klopfers Web gibt es eine Bewertung eines ganz speziellen Buches. “Die Abenteuer des Stefón Rudel” heißt es.

Da Klopfer sich dankenswerterweise der Mühe unterzogen hat, das Buch erstens zu lesen und zweitens zu rezensieren, kann ich mir meine diesbezügliche Mühe also sparen. Allerdings reicht auch schon der “Einblick ins Buch”, um einen repräsentativen Eindruck zu gewinnen. Unter anderem von der durchaus kreativen Schreibweise so mancher Wörter: das “Schattelraumschiff”, die “Not-Everkuirung” oder das “Filmplatto” sind nur drei vergnügliche Beispiele.

Hier also meine Eindrücke: Auf Rechtschreibung und Grammatik hat der Autor konsequent verzichtet bzw. sie neu interpretiert, ebenso die Interpunktion.

Herr Knapp schreibt zukunftsorientiert (im doppelten Sinn zu verstehen) und losgelöst von Regeln jeglicher Art. Mal schreibt er groß, was klein geschrieben gehört, mal schreibt er klein, was groß geschrieben gehört. Kommas setzt er ebenfalls nach Belieben, oft setzt er auch keine.

Er lässt viele Buchstaben einfach weg – was dem Verständnis des Textes allerdings keinen Abbruch tut, denn ein Sinn ist so oder so nicht zu erkennen.

Die unzählbaren Fehler zu korrigieren, wäre eine Mammutaufgabe, an der selbst ein noch so versierter Korrektor scheitern würde. Einen Lektor zu engagieren, wäre Sadismus. Das hat sich wohl auch der Verlag gedacht, der das Manuskript augenscheinlich unbearbeitet und höchst eigenwillig formatiert zwischen zwei Buchdeckel gepresst hat.

Nun stellt sich mir die Frage: Steckt hinter diesem Buch möglicherweise eine bestimmte Absicht? Ist es ein Test? Eine Provokation? Ein subtiler Versuch, die Dudenisten aus der Reserve zu locken? Also die Fahnenschwinger der deutschen Sprache vor den Kopf zu stoßen – mit all ihren Regeln, von denen viele zugegebenermaßen ziemlich schwachsinnig sind. (Ich habe mich andernorts schon darüber ausgelassen. Zum Beispiel hier, auch hier oder hier.)

Vielleicht ist dieses Buch auch ein Intelligenztest, denn es gibt das eine oder andere Wörtchen, dessen Bedeutung sich dem Leser nur nach längerem Nachdenken erschließt – wenn überhaupt.

Vielleicht ist das Elaborat aber auch ein Appell, neue Wege in der Literatur einzuschlagen. Auf Rechtschreib- und Grammatikregeln jeglicher Art zu verzichten und stattdessen der Kreativität des Lesers Tür und Tor zu öffnen. Ihm die Gelegenheit zu geben, bequeme Lesegewohnheiten zu verlassen, sämtliche Erwartungen an einen Lesestoff über Bord zu werfen und die Aneinanderreihung von Wörtern – losgelöst von Zeit, Raum und Sinn – auf sich wirken zu lassen.

P. S.: Vielleicht aber hat Rico Beutlich sich einfach mal wieder gelangweilt und ein neues Werk geschaffen. Ein kleines und kreatives Schmankerl für Zuschussverlage, die sich wie Bolle freuen, wenn sie ein Buch veröffentlichen dürfen. Unbeobachtet von den kritischen Augen eines Korrektors, Lektors und/oder Buchdesigners.

Die Abenteuer des Stefón Rudel
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