Menschen, die gerne schreiben, gibt es heutzutage – im Computerzeitalter, wo man Gedanken und Gefühle nicht mehr mühsam mit Stift oder Schreibmaschine zu Papier bringen muss – täglich mehr.

Viele denken aufgrund ihrer vielfältigen/aufregenden/sensationellen Erlebnisse, sie müssten diese a) unbedingt unters Volk werfen und b), sie hätten das Zeug zum Schriftsteller. Einige davon haben es auch – einige leider nicht. Denn beim Schreiben kommt es erst in zweiter Linie auf den aufregenden Plot (Fachbegriff für “Handlung”) an, sondern auf die Schreibe. Und die bekommt man nur zum Teil in die Wiege gelegt, der Rest ist Arbeit. Mühselige Arbeit – eng verbunden mit der wenig verbreiteten Fähigkeit zur Selbstkritik. Denn ich weiß nur allzu gut, wie schwer es fällt, einen “genialen” Satz oder Absatz, oder gar ein komplettes und natürlich “hervorragendes” Kapitel der Löschtaste anzuvertrauen.

Ist man nach langer Arbeit mit dem Manuskript fertig, kommt noch was sehr Wichtiges: das eigene Manuskript SEHR aufmerksam zu lesen und zu korrigieren. Denn simple Rechtschreib- oder Tippfehler zu korrigieren, ist beiliebe nicht Aufgabe des Lektors/der Lektorin, sondern die verdammte Pflicht und Schuldigkeit des Autors – als Verantwortlicher für sein Manuskript. Und das sollte so wenige Fehler wie möglich enthalten. Deshalb sollte jemand, der von Rechtschreibung keine Ahnung hat, das Schreiben besser lassen. Oder bereit sein, den Korrektor für die mühselige Eichhörnchenarbeit entsprechend zu honorieren. Denn Rechtschreibfehler korrigiert ein Lektor zwar auch, aber im Grunde ist das die Arbeit eines Korrektors. Zwischen beiden Aufgaben liegt ein deutlicher Unterschied. Der eine korrigiert Fehler, der andere verbessert Formulierungen und Schwachstellen im Plot.

Vorspann beendet.

Immer wieder bekomme ich Manuskripte zugeschickt – mit der audrücklichen Bitte um meine “ehrliche” Meinung. Meine “ehrliche” Meinung wird verbal zwar gewünscht, aber ich weiß mittlerweile, dass hinter diesem Begriff die frohe und durchaus verständliche Hoffnung steckt, dass ich vom Manuskript begeistert bin und meine Reaktion entsprechend ausfällt.

Manchmal bin ich tatsächlich begeistert, oft bin ich es nicht. Aber weil ich mit meinem noch jungen und noch kleinen Verlag nicht auf Teufel komm raus aus schlechte Manuskripte zwischen zwei Pappdeckel presse – Hauptsache, es kommt ein Buch dabei raus, werde ich meine “ehrliche” Meinung auch weiter von mir geben. Im Interesse einer hohen Qualität und letztendlich auch im Interesse des Autors. Denn von falschem Lob hat der nichts. Und nur weil mein Verlag noch jung und noch klein ist und (gute) Autoren sucht, werde ich nicht alles veröffentlichen, was mir zugeschickt wird. Zumindest nicht unter meinem Verlagslabel. Denn meine Leidenschaft sind nach wie vor: kleine, feine und besondere “Drucksachen”. Einige neue sind bereits in Arbeit und werden im Laufe der nächsten sechs Monate erscheinen.

Ehrliche Meinung (un)erwünscht

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