Extradiegetisch – was ist das denn?

In einem Autorenportal habe ich eine Rezension gefunden, geschrieben von Ariela Sager, einer Literaturwissenschaftlerin. Und ich sage ganz offen, Rezensionen solcher Art liegen mir nicht, weil ich immer Begriffe finde, die ich nicht kenne und auch im Zusammenhang gesehen nicht deuten kann. “Narrative Strategie” zum Beispiel, was ist das denn? Gibt’s dafür keine Erklärung, die auch Nicht-Literaturwissenschaftler verstehen? Ich habe gegoogelt. Es handelt sich dabei um die “Erzählstrategie”, also die Art und Weise, wie der Autor seine Geschichte aufbaut. Ich denke, man könnte dazu auch “Erzählweise” sagen. Aber nein, narrative Strategie klingt einfach besser.

Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich Fremdwörter liebe, und auch viele in meinen aktiven Wortschaft aufgenommen habe. Deshalb weiß ich auch, dass viele, durchaus intelligente Menschen mir oft mit gerunzelter Stirn zuhören. Einige trauen sich auch zu fragen, was dies oder jenes bedeutet. Aus diesem Grund gewöhne ich mir immer mehr ab, Fremdwörter zu benutzen, wenn es auch anders geht. Und es geht oft anders.

In der erwähnten Rezension gibt es auch noch “mise en abyme”, eine Geschichte, die sich selbst nochmal erzählt. Aha, eine Geschichte, die sich selbst nochmal erzählt … was ist denn das nun wieder? Und wie spricht man es überhaupt aus? “misãabüm” vermutlich. Ist wohl französisch. Erinnert mich an “mise en bouteille” (Erzeugerabfüllung). Ein Freund hat mal gut gelaunt übersetzt: “Mies schon in der Flasche” – was haben wir gelacht! Aber zurück zu mise en abyme. Es bedeutetet: Ein Bild, das sich selbst enthält. Beispiel anzuschauen hier.

Der ganze Satz: Die narrative Strategie kurz benannt ist das Spiel mit der mise en abyme, eine Geschichte, die sich selbst noch einmal erzählt.

Und ein Absatz weiter: Denn dann wird der intradiegetische Erzähler der Rahmenhandlung zum extradiegetischen Erzähler der Binnenhandlung um Michael, eine vom Ich-Erzähler erfundene Figur, die ihrerseits genau wie der Ich-Erzähler in einem Kino arbeitet, in dem selben sogar wie der Ich-Erzähler “oder einem genauen Abbild dessen”.

Alles klar?

Nein? Dann wissen Sie jetzt, warum ich von Germanisten verfasste Buchbesprechungen meistens nicht verstehe und sie demzufolge auch nicht mehr lese – weil ich mir doof vorkomme. Obwohl ich weiß, dass ich es nicht bin.

P.S.: Die Journalistin und Autorin Christine Westermann (auch nicht gerade auf der Brennsuppe daher geschwommen) mokiert sich auf ähnliche Weise. Hier.

2 Kommentare

  1. Klasse, das Wort muß ich mir merken. Das kann ich dann mal ganz beiläufig in eine Unterehaltung einstreuen. Vielleicht bei einem Abendessen mit den Kindern: “Weißt Du, wenn ich das jetzt mal aus einer extradiegetischen Perspektive betrachte…”

  2. Solche Wörter in eine Unterhaltung einzustreuen, macht Spaß, lieber Leopold. Ich benutze dazu gern das Wort “Nemesis”. Kennt kein Schwein … 😉

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