Ghostwriting für Studenten

Wenn jemand etwas macht, das nicht unbedingt dem Buchstaben des Gesetzes entspricht, hält er normalerweise den Mund und posaunt es nicht in der Gegend herum. Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen heißt Achim Pollert. Pollert ist Ghostwriter. Allerdings schreibt er keine Reden für gestresste Manager oder Politiker, sondern “akademische Texte” für Studenten, also Diplomarbeiten, Dissertationen und Ähnliches. Dabei hat er noch nie eine Universität von innen gesehen, zumindest nicht als immatrikulierter Student.

Moralische Bedenken bezüglich seines Broterwerbs hat Pollert nicht. Politiker ließen ihre Reden ja auch schreiben, so argumentiert er pfiffig. Dass ihm der Unterschied zwischen einer Rede und einer akademischen Arbeit nicht auffällt, wundert mich schon ein wenig. Und dass eine seriöse Zeitung über den fragwürdigen Sachverhalt ganz offen schreibt, mit vollem Namen und Foto, wundert mich ebenfalls. Und dass Pollert auch noch bei Facebook ausdrücklich auf den Artikel hinweist und ihn verlinkt, wundert mich am allermeisten.

Wäre ich an Stelle dieses Mannes, würde ich geflissentlich meinen Mund halten, denn ich ich hätte keine ruhige Minute mehr und würde ständig darauf warten, dass die Polizei an meiner Tür klingelt und meinen Computer beschlagnahmt – wegen Behilfe zum Betrug, was ja nicht unbedingt zu den Kavaliersdelikten zählt.

P. S.: Da Pollert seine Brötchen in der Schweiz verdient, könnte es allerdings sein, dass die dortigen Gesetze anders sind und es völlig legitim ist, sich seine Diplomarbeit oder Dissertation von jemandem schreiben zu lassen …

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