Hannelore Fichte – ohne NF2


Hannelore Fichte ist auch eine Autorin mit Gehirntumor, aber ohne NF2. Hier stellt sie sich kurz vor.

Hannelore Fichte, verheiratet, 2 Töchter, 1 Enkelkind.
Seit 2017 bin ich nicht mehr in der Sparkasse berufstätig und habe dadurch etwas mehr Zeit.


Was mache ich:
2007 wurde bei mir ein Akustikusneurinom entfernt. Nach meiner Genesung arbeite ich seit 2008 ehernamtlich bei der Vereinigung Akustikus Neurinom e.V., erledige die Kassengeschäfte und verwalte die Daten der derzeit 1.150 Mitglieder. Die Finanzen werden zur Veranstaltung von Symposien, dem Besuch von Gesundheitsmärkten, der Durchführung von Tagungen mit unseren Regionalleitern und den Ärzten des medizinischen Beirats, der Erstellung von Broschüren für neu Betroffene und des vierteljährlichen Rundbriefes mit Informationen für die Mitglieder, benötigt. Da auch die Broschürenanforderungen bei mir ankommen, kann ich Betroffenen direkt per Mail antworten und den ersten Kontakt herstellen. Viele rufen mich zurück, so dass ich auf ihre persönliche Situation eingehen kann. Unter den Betroffenen sind auch NF2ler, denen ich Mut machen und sie innerhalb meiner Möglichkeiten unterstützen kann.
Außer den Aktivitäten bei der VAN nähe ich gerne, koche Marmelade und backe Kuchen für einen Basar der die Altenhilfe unterstützt, lese gerne Krimis und genieße die Zeit mit meinem Enkel, meinen Kindern und meinem Mann.


Was mag ich:
mich freuen, wenn ich anderen helfen konnte.
Was mag ich nicht: große Worte um Dinge, die für mich selbstverständlich sind.
Herzliche Grüße
Hannelore Fichte


Renate Blaes: Ich kam bereits in den Genuss von Hannelores köstlichen Marmeladen, denn sie hat mir vor Kurzem ein paar Gläschen geschenkt – als Dankeschön für mein Engangement bezüglich NF2-Büchern.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, liebe Hannelore. Ganz herzlichen Dank!


Weitere Artikel zum Thema NF2:

Die Clownin Anja

Susan Rohn

WIR ALLE

Hier der Beitrag, den Hannelore Fichte in dem Buch WIR ALLE veröffentlicht hat:

Meine Begegnung mit NF 2

anthologie

2007 erhielt ich die Diagnose Akustikusneurinom auf der rechten Seite, nachdem ich zweieinhalb Jahre auf der Suche nach der Ursache meiner gesundheitlichen Probleme war. Die Aussage Hirntumor, auch wenn gutartig, brachte mich ganz schön durcheinander. Das ganze Wochenende suchte ich im Internet nach Informationen. Dabei traf ich auf die Vereinigung Akustikus Neurinom e. V. Ich nahm Kontakt auf und erhielt tolle Unterstützung bei der Suche nach Ärzten – und für mein eigenes Seelenleben.



Ich hatte mir vorgenommen, wenn es mir nach der Behandlung gut ginge, in dieser Gruppe mitzumachen. Seit 2008 arbeite ich deshalb im Vorstand der VAN mit und traf dort auf Traudi. Sie war 1978 an zwei Akustikusneurinomen behandelt worden und ist dabei ertaubt. Ich stellte mir die Kommunikation mit ihr schwierig vor, wurde aber eines besseren belehrt. Mit Traudi kann man sich ganz normal unterhalten. Wichtig ist, sie direkt anzusehen, da sie alles von den Lippen abliest. Bei großen Runden und Vorstandssitzungen dolmetscht ihr Sohn Martin in Gebärdensprache, damit Traudi alles mitbekommt. Die Zusammenarbeit mit ihr klappt hervorragend.

Sie ist seit 1994 Mitglied in der Vereinigung Akustikusneurinom und gründete 1999 eine der ersten Gruppen – die Regionalgruppe München. Durch Traudis Engagement ist die Münchner Gruppe von den 14 Regionalgruppen die aktivste. Jeden Monat (musste leider durch Corona mehrmals ausfallen) findet ein Treffen statt, für das sie sich sehr viel einfallen lässt. Gesprächsrunden helfen neu Betroffenen, sich gut mit der Problematik Akustikusneurinom auseinandersetzen zu können. Wochenendkurse mit unterschiedlichen Themen, Gebärdensprachkurse und jedes Jahr ein Symposium zur Information der Mitglieder und Personen, die neu von einem Akustikusneurinom oder NF2 betroffen sind. Da gehört schon einiges an Organisation dazu: Räume, Referenten aus verschiedenen Fachrichtungen (z. B. Neurochirurgie, Radiochirurgie, Augenheilkunde, HNO-Ärzte, Physiotherapeuten, Akustiker) und einen Conférencier für größere Veranstaltungen zu finden. Für die Bewirtung und Dekoration der Räumlichkeiten zu sorgen, Einladungen zu entwerfen und zu versenden und bei Krankenkassen, der Förderstelle Runder Tisch, der Stadt München und weiteren Organisationen um die entsprechenden Geldmittel zur Durchführung der Veranstaltungen zu kämpfen. Da scheitert schon mancher Gesunde, doch Traudi lässt sich nicht unterkriegen und meistert und organisiert alles – trotz ihrer Handicaps. Auch bei kurzfristigen Absagen von Referenten oder des Caterers findet sie immer eine Lösung.


Sie ist für den Raum Bayern Ansprechpartnerin für viele Betroffene mit Akustikusneurinom. Auch wenn die Anfragen nur per Mail und nicht per Telefon beantwortet werden können, ist dies für viele Betroffene eine sehr große Hilfe, da sie Informationen über die Erkrankung und Ärzte, die sich intensiv mit der Behandlung des Akustikusneurinoms beschäftigen, erhalten können.


Auch ich selbst hole mir Unterstützung von Traudi oder stelle den Kontakt her, wenn ich Anfragen einer Person erhalte, die mit großer Wahrscheinlichkeit an NF2 erkrankt ist. Durch die eigene Erkrankung kann sie Betroffene besser beraten und ihnen weiterhelfen. Speziell ihr Lieblingsmotto »A bisserl was geht immer« hilft Betroffenen immer wieder, Mut zu fassen.


Aus unserer langen Zusammenarbeit ist mittlerweile Freundschaft geworden. Wir tauschen uns über alles Mögliche aus – per Mail. Ich möchte den Kontakt zu Traudi nicht missen und bewundere sie für ihre Power, wovon sich viele ein Scheibchen abschneiden könnten.

Der Beitrag stammt aus dem Buch “WIR ALLE”

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