Über meine Charaktereigenschaft, unerschrocken zu sagen, was ich denke, fühle und empfinde, wurde schon das eine oder andere Wort verloren – im Laufe meines Lebens. Der eine sagt: “Renate hat eine direkte Art.” Der andere sagt: “Renate nimmt kein Blatt vor den Mund.”

“Renates Art und Weise sich auszudrücken, hat einen großen Vorteil: Man muss nie überlegen, was sie meint”, so sagt mein Freund Michael.

“An die unverblümte, direkte Art gilt es sich zu gewöhnen …”, so drückt es Frederik Suter, einer meiner Autoren, aus.

Es gibt also unterschiedliche Formulierungen bezüglich meiner Charaktereigenschaft, aber noch nie hat es jemand so schön ausgedrückt wie gestern. In einer Facebook-Autorengruppe habe ich (mal wieder) meinen Senf zu einer Angelegenheit gegeben, die mir in besagter Gruppe definitiv nicht viele Freunde beschert. Denn ich wundere mich immer wieder, dass es ausgerechnet in Beiträgen und Kommentaren einer Autorengruppe von Fehlern nur so wimmelt. Damit meine ich nicht Tippfehler, die einem leider sehr leicht unterlaufen, sondern Fehler, die aus offensichtlicher Unkenntnis von Rechtschreibung und Grammatik entstanden sind. Sehr beliebt zum Beispiel ist: “das” zu schreiben statt “dass”.

“Ich möchte, dass du gehst.” Dieser Satz ist korrekt.

Ich möchte das du gehst.” Dieser Satz ist nicht korrekt, wird aber (sinngemäß) oft genau so formuliert. (Es besteht übrigens auch Unterschied zwischen “genau so” und “genauso”.)

Rechtschreibung und Grammatik sind die Grundzutaten für einen guten Text. Eine Grundvoraussetzung für das Schreiben eines Buches (es sei denn der Autor ist Legastheniker). Okay, ich weiß längst auch nicht alles, aber ich weiß, wo ich nachschaue, wenn ich mir bei einem Wort nicht sicher bin. Erstens habe ich verschiedene Rechtschreibbücher, zweitens findet man heutzutage ALLES im Internet. Und zwar innerhalb von Sekunden. Aber weil es viele Menschen gibt, die sich einerseits Autor nennen, andererseits aber zu faul oder zu bequem sind, sich um korrekte Schreibweise zu bemühen, gibt es für mich wiederum immer wieder Anlass, meiner Verwunderung darüber Ausdruck zu geben. So auch gestern wieder.

Normalerweise hagelt es dann Aussagen wie zum Beispiel diese: “In einer Facebook-Gruppe ist Rechtschreibung doch völlig wurscht”. Nein, das ist überhaupt nicht wurscht! Zumindest ist das meine Meinung. Ein Autor ist ein Mensch der Sprache. Deshalb sollte er Wert auf gute + korrekte Sprache legen, egal, wo und was er schreibt. Und weil ich nicht müde werde, das immer wieder zu betonen, regen sich besagte Autoren immer wieder auf. Nur eine(r) nicht: Gerda Greschke-Begemann (auch Mitglied besagter Autorengruppe). Sie schrieb gestern nämlich in einem Kommentar zu meinem Kommentar:

“Du bist so herrlich erbarmungslos.”

Danke, liebe Gerda! So schön hat es noch niemand ausgedrückt …

P. S.: Ein anderes Mitglied derselben Gruppe bezeichnete mich neulich als “Grammar-Nazi”. So unterschiedlich können Formulierungen für ein und dieselbe Sache sein. Die von Gerda gefällt mir definitiv besser.

“Herrlich erbarmungslos”

3 Gedanken zu „“Herrlich erbarmungslos”

  • Pingback:"Herrlich erbarmungslos" - Renate Blaes

  • 31. Oktober 2019 um 16:24
    Permalink

    Danke, Renate! Du bist wirklich eine tapfere Sprachkämpferin – da, wo ich mich nur noch innerlich ärgere, benennst du klar die Mängel.
    Und du hast ja recht: Von einem Tischler z.B. erwarten wir, dass er sein Material kennt und möglichst perfekte, zumindest aber fehlerfreie, Produkte daraus herstellt. Unser Material ist Sprache. Als Autoren sollten wir sie wertschätzen und einigermaßen fehlerfrei verarbeiten können – oder eine erbarmungslose Korrektur akzeptieren 😉 .

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