O tempora, o mores! Was für Zeiten, was für Sitten! Eine Sitte nimmt immer mehr zu: neue Begriffe zu erfinden. Wurde ich vor einigen Wochen mit dem Begriff “postfaktisch” konfrontiert, gibt es seit ein paar Tagen – prima zu passend! – den Begriff “alternative Fakten”. Kreiert hat diese zeitgemäße Wortkombination die Beraterin des neuen US-Präsidenten, Mrs. Kellyanne Conway. Erfunden hat sie ihn nicht, denn er stammt wohl aus dem im Jahr 1949 veröffentlichten Siencefiction-Klassiker “1984” von George Orwell. Dort heißt spricht der Autor von “doublethink” = “Doppeldenk/Zwiedenken”. Was die Regierung sagt, ist Fakt! Und wenn die sagt: 2 + 2 = 5, dann stimmt das! Auch, wenn’s de facto nicht stimmt. Der lernbereite Bürger muss also zweigleisig denken.

Wie dem auch sei, wir leben jetzt in postfaktischen Zeiten mit alternativen Fakten. Klingt irgendwie auch netter, finde ich. Denn was klingt wohl besser?

Du lügst!

oder

Deine alternative Fakten klingen sehr interessant!

Na siehste …

Übrigens: In den USA herrscht momentan ein Run auf “1984”. Ich werde es demnächst mal aus meinem Regal ziehen. Ist schon Jahre her, dass ich es gelesen habe. Damals dachte ich, was für eine abstruse Zukunftsvision! Mittlerweile wurde Orwells Vision von der Realität nicht nur eingeholt, sondern längst überholt. O tempora, o mores!

Im Untergang eines Wortes

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