Frederik Suter, an NF2 erkrankt und Autor von “Suerte”, einem autobiografischem Buch, das informiert, berührt und nachdenklich macht, hat seine erste Lesung veranstaltet. Hier sein Erlebnisbericht:

Die erste Lesung
Ziel erreicht! Die erste Lesung aus meinem Buch ‚Suerte oder der Teufelskreis des Glücks‘ fand endlich in meiner Heimatstadt Würzburg statt, am 28.02.2018, am internationalen Tag der seltenen Erkrankungen. Passt!
Die Idee, die Lesung auf diesen Tag zu legen, hatte die Inhaberin der Buchhandlung Knodt in Würzburg. Bei der Organisation dieser Veranstaltung war sie voller Enthusiasmus und mit Herzblut am Werk. So fand sich sehr schnell eine Spielstätte, das wunderbare Theater am Neunerplatz, wo mir gesagt wurde, dass 150 Leute reinpassen. Wow! Würden denn so viele kommen?, fragte ich mich. Außerdem machte die Buchhandlung fleißig Werbung, sodass die Lesung sogar in der lokalen Zeitung angekündigt wurde, auch Flyer und kleine Plakate machten in Würzburg die Runde.

suerteBis zum Tag der Lesung hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet, jedoch stieg die Vorfreude von Tag zu Tag. Aus dem Krankenhaus einen Tag vorher gerade noch rechtzeitig entlassen, trafen wir dann die letzten Vorbereitungen. Wer sitzt wo, wieviel Licht brauchen wir, damit ich die Gesichter sehe und die Hörgeschädigten und die Gebärdendolmetscherin, die extra kam und nichts dafür wollte! Oder wo soll sich Brigitte hinsetzen, die ausgewählte Passagen aus dem Buch vorträgt? Wo würde ich (größtenteils schweigend und genießend) sitzen, damit ich die Dolmetscherin sehen kann? (Ich habe außerdem per Bluetooth Mikrofon und dem Handy mit Spracherkennung das Gesprochene erfolgt, die Technik wird tatsächlich immer besser!). Und wo sitzen meine Eltern, die Gedichte auf Englisch und Spanisch vortragen?

Nach und nach kamen die Gäste, der Saal füllte sich und meine Aufregung erreichte ihren Höhepunkt. Ich kam mir vor wie ein Fünfjähriger kurz vor dem Weihnachtsfest. Und tatsächlich, es wurde ein Fest! Nach ein paar Grußworten (meins hat mein Vater aufgrund meiner in großen Räumen schwer verständlichen Stimme vorgetragen) wurde der Saal ziemlich voll. Es entstand nach und nach eine tolle Atmosphäre, die ich zwar nicht hörte (ich glaube, es war recht still) aber spüren durfte. Gespannt wurde gelauscht. So wurde am Ende nicht geklatscht, sondern wie unter Hörgeschädigten üblich, die Hände erhoben und gewedelt – und wie! Voller Stolz war ich und dankbar allen Beteiligten, und auch von ihnen gab es am Ende viele liebe Worte. Sie waren beeindruckt, bewegt, begeistert. Gerade richtig kam das für mich, hatten doch die letzten Monate mit etlichen Krankenhausbesuchen aufgrund einer zickenden Magensonde ziemlich an der Psyche gezehrt. Aber diesen Abend werde ich nie vergessen und ich habe viel Lust bekommen auf weitere Lesungen – nicht zuletzt weil auch die Kasse klingelt …

Autorenlesung der besonderen Art

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