Magnus Klaue ist Journalist. Auffälliges Merkmal vieler Journalisten ist, dass sie auf andere Menschen, die auch schreiben, aber keine Journalisten sind, schimpfen, sie in den Sprachschlamm ziehen sozusagen.

Herr Klaue hat bei konkret einen sehr langen Beitrag geschrieben, in dem er Begriffe aus der Internetwelt erklärt. Bevor er das macht, beschreibt er, warum er das macht. Und macht er so:

Die »kommunikativ verflüssigte Ich-Identität«, die Jürgen Habermas einst als Telos einer von ihren metaphysischen Verkrustungen befreiten Vernunft ausmachte, hat sich im Zeitalter von social media völlig anders realisiert, als das gedämpfte Nuscheln des Meisters ahnen ließ. An die Stelle des geltungsanspruchsbetonierten Herumräsonierens öde selbsttransparenter Diskursautomaten ist die totalentzerrte Assoziation kommunikativ verknäuelter Borderline-Bürger getreten. Die drei Kriterien, nach denen Habermas zufolge die Elaborate der kommunikativen Vernunft beurteilt werden können – Richtigkeit, Wahrhaftigkeit und Wahrheit –, sind zu dem allein gültigen der Authentizität zusammengeschmolzen: Die Behauptungen und Meinungen, die die Gesprächskombattanten sich im weltweiten Netz um die Ohren hauen, mögen sachlich noch so falsch, argumentativ noch so schlecht begründet und moralisch noch so korrumpiert sein, sie gelten als unbedingt zu respektierende Wahrheit des Subjekts, sobald sie mit der wütenden, weinerlichen, munteren oder sonstwie von Betroffenheit zeugenden Verve des engagierten Meinungskämpfers vorgebracht werden. …

Für mich ist Herrn Klaues Elaborat (auf deutsch: Abhandlung, Ausarbeitung, Veröffentlichung …) das perfekte Beispiel für Sprachschlamm erster Güte. Man muss ihn (wenn man denn will) mindestens dreimal lesen und hat dann – mit einem bisschen Glück – verstanden, was der Sprachschlammproduzent Klaue seinen Lesern (falls es welche gibt) mitteilen will.

Mein Fazit: Warum soll man sich einfach und verständlich ausdrücken, wenn’s auch kompliziert geht? Schließlich kommt’s ja nicht darauf an, dass der Leser einen versteht, sondern ausschließlich darauf, dass man sich als Sprachschlammproduzent selbstgefällig auf die Schulter klopfen kann. “Es ist mir mal wieder gelungen, ein Elaborat zu verfassen, das kein Schwein versteht!” Wenn das Ihre Absicht war, verehrter Herr Klaue, dann ist Ihnen das gelungen.

Sprachschlammproduzent: Magnus Klaue

19 Kommentare zu „Sprachschlammproduzent: Magnus Klaue

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  • 5. Oktober 2013 um 18:05
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    Eben das, scheint mir, ist Sprachschlamm: einmal gelesen und schon problemlos verdaut. Dass das auf diesen Text nicht zutrifft, zeichnet ihn aus. Und außerdem: Wer, der was auf sich hält, will schon von “Schweinen” verstanden werden?

  • 6. Oktober 2013 um 20:11
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    Dieser Textauszug (und der gesamte Text im Wortlaut) von Herrn Klaue ist kein Sprachschlamm, sondern einfach nur Mist. Selbstgefälliger Auswurf eines – vermutlich – Germanisten. Allerorten kann man betrachten/lesen, dass Germanisten diejenigen sind, die es schaffen, so verscwhurbelt daher zu reden/schreiben wie kaum ein anderer Mensch. Grauenhaft! Man sollte diesen Typen verbieten, ihre Texte in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Obwohl … sie sind anschauliches Beispiel für intellektuelles und selbstgefälliges Geschwafel. Machen insofern doch wieder Sinn.

  • 7. Oktober 2013 um 11:21
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    “An die Stelle des geltungsanspruchsbetonierten Herumräsonierens öde selbsttransparenter Diskursautomaten ist die totalentzerrte Assoziation kommunikativ verknäuelter Borderline-Bürger getreten. …”

    Kann mir mal jemand diesen Satz übersetzen? Den verstehe ich auch nach dem dritten Mal lesen nicht. Die Jungfrau Maria ist bestimmt dazu in der Lage. Büdde!

  • 11. Oktober 2013 um 19:29
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    Das Elaborat von Herrn Klaue ist nichts anderes als zerebrale Masturbation. Weit verbreitet unter seiner Spezies und äußerst virulent …

  • 9. Januar 2014 um 16:44
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    Frau Blaes,

    Eine Kritik, die sich an dem stört, was sie für unleserlich und eitel hält,
    ist zutiefst zu misstrauen, weil sie die Tatsache, dass die Wahrheit einem nicht zufliegt, sondern kritisch begriffen sein will, im Kokettieren mit der Dummheit leugnet und weil aus dem Affekt gegen die Eitelkeit das Wissen über die Hässlichkeit der eigenen Gedanken spricht.

    Schönen Tag.

  • 25. April 2014 um 16:03
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    Ich ermute, bei Herrn (oder Frau) Ohman handelt es sich um Herrn Klaue selbst. Der Duktus ist fatal ähnlich.
    P. S. Schweine sind äußerst intelligente Tiere!

  • 5. Mai 2014 um 06:00
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    Ich versuch mal ‘ne Erklärung zur Einordnung des Zitats.
    1. Es handelt sich schon um sowas wie Fachsprache, setzt also ein bisschen die Kenntnis der zitierten Diskurse voraus. Konkret ist ja auch nicht die Bravo.
    2. Es handelt sich um sehr verdichtete Sprache, die in kompakter Form in der Einleitung, quasi als Gag eine Brücke zu Habermas’ kollektiver Vernuft schlägt.
    3. Es handelt sich um teilweise, ich nenn’s mal satirisch zu lesende Bezüge auf eben diese akademische Denk- und Sprachwelt, die durch eine banale Facebookrealität eine unerwartete Spiegelung erhält. Das Klaue-Zitat hat eben auch einen dramaturgischen Schwung von – über – bis.
    “Sprachschlamm” ist als Kennzeichnung dessen schon überraschend eindimensional.

    K.

  • 5. Mai 2014 um 10:50
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    Danke für die Erläuterung! Offen gestanden bringt sie mich auch nicht erheblich weiter …

  • 18. Mai 2014 um 23:10
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    Der Sprachstil von Klaue ist tatsächlich etwas über-intellektualisiert und insofern auch etwas unbeholfen (eine “Sau-Klaue”), weil die Botschaft auch deutlich simpler auszudrücken wäre.

    Inhaltlich gehört Klaue aber, wie ich finde, zu den Hellsichtigsten auf dem aktuellen Meinungsmarkt. Es ist tatsächlich so, dass die aktuelle Rechtfertigung von Schwachsinn aus einem “Respekt vor dem Subjekt” abgeleitet wird, für den es keine Grundlage gibt.

    Die Bedrohung der Kultur – und auch der Rechtsruck – geht ganz eindeutig von der sogenannten “Basisdemokratie” aus. Es muss wieder möglich sein, Idioten ganz einfach den Mund zu verbieten.

  • 19. Mai 2014 um 09:09
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    Hallo Detlef,

    worüber ich mich bei Klaues Schreibstil beschwere, ist, dass ich seine Sprache definitiv nicht verstehe. Und auf den Kopf gefallen bin ich wirklich nicht und schwer von Begriff auch nicht.
    Dank deiner “Übersetzung” habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung, was er reklamiert. Und wie gesagt, ich würde es SEHR gern verstehen …
    Grundsätzlich finde ich auch, dass es möglich sein muss, Idioten den Mund zu verbieten. Aber dabei stellt sich dann gleich die Frage: Wer ist ein Idiot und wer nicht?

  • 4. Juni 2014 um 03:24
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    Ui, da muss ich Herrn Klobiger widersprechen. Um Basisdemokratie, geht es ganz sicher nicht in Klaues Text, und schon gar nicht darum, “Idioten” den Mund zu verbieten.
    Es geht in der zitierten Einleitung erst mal, ganz reduziert gesagt, um eine falsche Hoffnung, die sich einst Denker gemacht haben, die in dem was man heute “Informationszeitalter” nennt, Möglichkeiten der Kommunikation wachsen sehen wollten, aufgrund derer sich schon irgendwas gutes in den Menschen entwickeln wird, zumindest der von den Frankfurtern so genannte “Autoritäre Charakter” sich ins Subjekthafte hin emanzipiert. Dass aus der reinen Formalie “Kommunikation” nichts weiter resultiert als das entfaltete Ego verbaler Konkurrenzsubjekte, konstatiert Klaue anhand von Facebook&Co. Der Unterschied zum Stammtisch ist eben nur der, dass es nicht mehr um bierseelige Eintracht geht, egal zu welchem Blödsinn.

    Und noch mal mein Hinweis: es ist wirklich auch eine Art Fachsprache, die Klaue verwendet. Wortgruppen wie “Metaphysische Verkrustungen” sind im entsprechenden Kontext gängig. Und auch auf das Satirische des Stils sei noch mal verwiesen.
    Als Beispiel der Punkt “Posting” aus seinem Text:
    “Posting: Anspruchsvollere Form des -> Tweet. In Postings lassen sich bei genauer Betrachtung überraschende Gehaltreste finden, die allerdings durch die an sie regelmäßig angehängten kilometerlangen Meinungswischmobs wieder eliminiert werden.”

    Der Link zum Text oben stimmt übrigens nicht mehr. Jetzt ist der Artikel hier:
    http://www.konkret-magazin.de/hefte/heftarchiv/id-2013/heft-102013/articles/entgrenzte-vernunft.html

    Viel Spass beim Lesen wünscht Kapuzino

    ( “Idioten” würd ich zudem nicht den Mund verbieten, sondern Ihnen die Sachen erklären, die sie falsch vertehen.)

  • 6. Juni 2014 um 17:10
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    Den letzten Satz von Ihnen finde ich besonders klasse. Danke! Alles andere ist die typische Überheblichkeit der selbsternannten Intellektuellen-Kaste, die doch eigentlich froh sein sollte, dass es die “Idioten” gibt, sonst könnte sie nicht von oben auf sie herabsehen und meinen, sie (die Intellektuellen) seien die besseren, also wertvolleren Menschen. Was definitiv nicht stimmt.

  • 11. Juni 2014 um 22:39
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    “… Die Bedrohung der Kultur – und auch der Rechtsruck – geht ganz eindeutig von der sogenannten “Basisdemokratie” aus. Es muss wieder möglich sein, Idioten ganz einfach den Mund zu verbieten. …” ( Detlef Klobiger – 18.05.14)

    Also sorry, da bleibt mir vor so viel arroganter Überheblichkeit doch glatt die Spucke weg. Nein, Verehrtester, wir (Basisdemokratische) werden es nicht Ihnen oder irgendeinem Anderen erlauben, zu definieren, wer Idiot ist und schon garnicht, diesen den Mund zu verbieten. Und ausgerechnet solch wirre Köpfe wie Sie definieren auch den Rechtsruck als Bedrohung der Kultur. Nein, diese wirren, nein “idiotischen” Gedanken sind ins rechte Lager verrutscht und solches darf man Ihnen nicht durchgehen lassen.

  • 11. Juni 2014 um 22:55
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    Liebe Renate Blaes,
    ich möchte Sie ausdrücklich ermutigen, fortzufahren, zu benennen, was Unklar, was Unverständig ist. Und der Verweis von Kapuzino auf die Fachterminologie und die notwendige Kenntnis eines Fachdiskurses – ???? Aber das hatten wir doch alles schon einmal in den Nach-Achtundsechzigern und auch schon damals gelang den Bewohnern des Elfenbeinturms nicht die Rechtfertigung des Sich-nicht-verständlich-machen-wollens. Hieran hat sich offenbar nichts geändert.
    Nein, liebe Renate Blaes, bestehen wir weiter darauf, dass sie sich verständlich machen, die vorgeben, das Bessere zu wissen!

  • 12. Juni 2014 um 09:35
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    Lieber Claudio,
    vielen Dank für Ihre Ermunterung!
    Im Zusammenhang mit Texten, die niemand versteht, außer den Autoren selbst (hoffentlich!), fällt mir eine Episode ein. Ist schon Jahre her … ich verdiente mir damals ein bisschen Geld dazu mit dem Tippen von Diplomarbeiten und Dissertationen.
    Einmal hatte ich wieder eine getippt und der Autor fragte mich, was ich von seinem Text hielte. Ich sagte: “Ich kann dazu nichts sagen, denn ich habe leider nichts verstanden”.
    Da strahlte er und meinte sinngemäß: “Wunderbar! Würde sie jemand verstehen, wäre es eine schlechte Arbeit …”

  • 25. August 2014 um 19:26
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    Liebe Renate,

    die Schuld daran, dass du die zitierte (Gesagtes wiederholen) Passage (Teilbereich, Ausschnitt) erst beim dritten Lektüredurchgang (Lektüre: zu Lesendes; hier: Lesevorgang) begriffen hast, liegt nicht an Magnus Klaue. Du kannst gerne versuchen, ihn in ein Deutsch, das nur die gebräuchlichsten fünfhundert Alltagsvokabeln verwendet, übersetzen.

    Herzliche Grüße
    Lennaert

  • 25. August 2014 um 19:35
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    (Äh: *bei* Magnus Klaue.)

    Und wenn der Alfons sich auch irgendwie mokiert über Klaues Stil, sollte er konsequenterweise nicht von zerebraler Masturbation sprechen, sondern von Hirnwichse.

  • 24. Oktober 2016 um 15:41
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    Der Text ist etwas dicht. Ansonsten lässt er sich sehr wohl verstehen, wenn man sich etwas mit Habermas auskennt.

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