Durch eine Gesetzesänderung wurde vor Kurzem festgelegt, dass Ebooks ab September 2016 der Preisbindung unterliegen – wie gedruckte Bücher schon seit langem.

Was die MwSt. für diese Buchform betrifft, so hat der Bundesfinanzhof nun entschieden, dass Ebooks keine Bücher sind, sondern “elektronisch erbrachte Dienstleistungen”.

Aha, eine Dienstleistung also. Interessant! “Eine Dienstleistung (Synonym: Service) im Sinne der Volkswirtschaftslehre ist ein ökonomisches Gut, bei dem im Unterschied zur Ware nicht die materielle Produktion oder der materielle Wert eines Endproduktes im Vordergrund steht, sondern eine von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbrachte Leistung zur Deckung eines Bedarfs. Der Erbringer einer solchen Leistung wird als Dienstleister bezeichnet.” So steht’s bei Wikipedia und so sehe ich es auch, zumal ich meine Brötchen seit über 20 Jahren als Dienstleisterin erbringe.

Dass der (angeblich neutrale) BFH nun festgelegt hat, dass ein Ebook kein Buch ist, steht in krassem Widerspruch zum Kabinettsbeschluss bezüglich der Buchpreisbindung. Denn wenn ein Ebook kein Buch ist, kann es auch nicht der Preisbindung für Bücher unterliegen. Und das Argument des BFH, dem Ebook fehle ein “physischer Träger”, ist Quatsch! Denn hätte es keinen physischen Träger (E-Reader oder Computer), dann könnte man es auch nicht lesen.

ebook

Für mich ist das Ganze nichts anderes als eine fragwürdige aber durchaus übliche (Argumentations)-Methode, um mehr Steuern einzunehmen.

Nachsatz: Bei Hörbüchern wird es noch lustiger. Es wird nämlich unterschieden zwischen Hörbüchern zum Runterladen und Hörbüchern auf CD. Und noch ein Link zum Thema Hörbuch.

Warum ein Ebook kein Buch ist

4 Kommentare zu „Warum ein Ebook kein Buch ist

  • 11. Februar 2016 um 13:51
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    Unsere Zeit ist schnellebig geworden. So schnell, dass manchmal die linke Hand die rechte überholt und Fakten geschaffen werden, die wiederum anderen Fakten im Weg stehen. Und so setzen eben auf der einen Seite die Verlagslobbies eine Buchpreisbindung durch während irgendwo im Finanzministerium jemand meint, das elektronische Bücher eigentlich keine Bücher sind und daher auch nicht wie Bücher besteuert werden sollten. Das natürlich von den anderen “Steuerexperten” am Finanzhof sofort bestätigt wird.

    Was unterscheidet denn den Datenträger Papier vom Datenträger SSD? Und was macht bewusst angeordnete Farbe zum Kulturgut, während es wohlgeordnete Pixel nicht sind? Warum ist es eine Dienstleistung, wenn ich mir ein eBook bei Amazon herunterlade, während dasselbe buch aus der Hand des Briefträgers ein Produkt ist? Warum muss ich 19% Steuern bezahlen, wenn ich ein Buch auf meinem Smartphone lese, während es nur 7% kostet, wenn ich mir die Hörbuch-Version vorlesen lasse? Ich meine, rein juristisch gesehen

  • 11. Februar 2016 um 13:54
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    Tja, diese – berechtigten – Fragen kann ich leider nicht beantworten, Stephan. Denn ich stelle sie mir selbst ja auch …

  • 12. Februar 2016 um 11:03
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    “Auf was die Fachleut’ alles draufkommen, wenn man sie lasst”, wunderte sich schon der Kaiser in Herzmanovsky-Orlando’s ‘Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter’.

  • 12. Februar 2016 um 12:31
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    Da kann man sich tatsächlich nur wundern …

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