Es war einmal … ein junger Tannenbaum, der in einem kleinen Wald zusammen mit vielen anderen Tannenbäumen lebte. Zur Adventszeit kamen viele Menschen und suchten sich einen Tannenbaum für das Weihnachtsfest aus. Der junge Tannenbaum beobachtete das Treiben und war enttäuscht, als die Menschen an ihm vorbeiliefen.

Keiner nahm Notiz von ihm. Dabei stand er extrem gerade und stellte seine Nadeln auf. Als auch die letzten mit einem Baum den Wald verließen, war der junge Tannenbaum traurig und weinte. Ein alter, verholzter Tannenbaum neben ihm fragte:

»Was bedrückt dich, kleiner Baum?«

»Ach«, jammerte der junge Tannenbaum, »ich wünsche mir, an Weihnachten in einem der prächtigen Häuser zu stehen und festlich geschmückt zu werden. Doch keiner nimmt mich mit.«

Der alte, weise Baum blickte nachdenklich vor sich hin. Nach einer Weile antwortete er:

»Warte ab, kleiner Tannenbaum. In jedem für dich jetzt vermeintlichen Übel steckt auch etwas Gutes.«

Kurz vor Heilig Abend, als alle anderen Menschen bereits einen Weihnachtsbaum aufgestellt hatten, liefen ein ärmlich gekleidetes Mädchen und ein Mann durch den Wald. Vor dem kleinen Tannenbaum blieb das Mädchen stehen und sagte:

»Papi, den Baum möchte ich haben.«

Enttäuscht flüsterte der kleine, junge Tannenbaum dem alten, weisen Baum zu:

»Jetzt komme ich in eine ärmliche, kalte Hütte statt in ein prächtiges Haus.«

»Warte ab, kleiner Baum, ich habe dir bereits erklärt, in jedem Übel steckt auch etwas Gutes«, tröstete der alte, weise Baum.

Der Vater des Mädchens nahm keine Axt, um den jungen Baum abzuholzen, sondern grub ihn vorsichtig aus. Der Tannenbaum war sehr verwundert.

Anschließend trug der Mann den Tannenbaum zu seiner Hütte. Dort pflanzte er ihn in einen großen Topf mit Erde und stellte ihn in die behaglich warme Wohnstube. Das kleine Mädchen schmückte ihn mit selbst gebastelten Strohsternen, Nüssen, Kerzen und Äpfeln.

Am Heiligen Abend entzündete die Familie die Kerzen auf dem Tannenbaum und sang feierliche Weihnachtslieder. Der kleine Tannenbaum erlebte ein harmonisches Weihnachtsfest in der behaglich warmen Wohnstube.

Nach Weihnachten pflanzte der Vater den Tannenbaum in die Erde vor die kleine Hütte. So war er immer in der Nähe seiner neuen Familie.

Während der kleine Tannenbaum prächtig gedieh, waren alle anderen seiner Artgenossen, die er einst so sehr beneidet hatte, längst einen schrecklichen Tod gestorben: Sie hatten ihre Nadeln verloren. Da erinnerte sich der junge Tannenbaum an den weisen, alten Tannenbaum, der gesagt hatte:

»In jedem Übel steckt auch etwas Gutes.«

Wie recht er hatte!


Die Geschichte stammt aus dem Buch “Märchenhafte Lichtblicke” von Karin Zimmermann. Ein wunderbares Geschenk- und Verschenkbuch – nicht nur zur Weihnachtszeit. Hier kann man es kaufen, und da es von der Autorin selbst verschickt wird, signiert sie es gern und schreibt auch sehr gern eine Widmung hinein.

Weihnachtsgeschichte: Der ungeduldige Tannenbaum

Ein Kommentar zu „Weihnachtsgeschichte: Der ungeduldige Tannenbaum

  • 13. Dezember 2020 um 12:40
    Permalink

    Oh, wie sehr ich mich freue, meine Geschichte hier zu lesen! Danke liebe Renate.
    Gerade heute morgen, als die neuen Lockdown-Bestimmungen offiziell bekanntgegeben wurden, dachte ich mir: In jedem Übel steckt auch etwas Gutes. Jetzt – so kurz vor Weihnachten und Jahreswechsel – sehen wir das nicht. Oft muss erst eine gewisse Zeit vergehen, damit wir das verstehen.
    Ich wünsche allen einen wunderschönen 3. Advent und egal, was kommt: zusammen stehen wir das durch! Jeder Einzelne kann jetzt dazu beitragen, dass es besser wird.
    Liebe Grüße,
    Karin Zimmermann

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