Dieses wunderbare Buch lese ich mittlerweile zum dritten Mal – innerhalb von nur drei Jahren! Und jedes Mal ist der Genuss unvermindert groß. Ja, dieses Buch zu lesen, ist ein literarisches Erlebnis.

Der Inhalt in kurzen Worten vom Klappentext: “Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte in den Bergen auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert …”

Die Frau lebt in der Jagdhütte mit Hund, Katze und Kuh. Und dieses Leben beschreibt die Autorin in klarer, einfach wirkender, eindringlicher und emotionaler Sprache. Hier ein kurzer Ausschnitt, wo ihre Kuh gerade ein kleinen Stier geboren hat:

“… und da war das Kalb, so plötzlich, dass ich vorspringen und es auf meinen Knien auffangen musste. … Ich legte das Kleine vor Bellas (die Kuh) Vorderbeine, und sie fing sofort an, es abzuschlecken. Wir waren beide selig, es so gut gemacht zu haben. Es war ein Stierkalb, und wir hatten es gemeinsam ans Licht gebracht. Bella konnte sich garnicht genug darin tun, ihren Sohn anzuschlecken, und ich bewunderte seine feuchten geringelten Stirnlocken. … Schon nach ein paar Minuten versuchte er, auf die Beine zu kommen, und Bella sah aus, als wollte sie ihn vor Liebe auffressen. … In ihren feuchten Augen konnte ich lesen, dass sie in warmem Glück schwamm. Mir wurde ganz sonderbar zumute, und ich musste aus dem Stall flüchten.”

Ist das nicht ein ganz wunderbarer Text? Man spürt die Liebe zwischen den Zeilen. Die Liebe der Verfasserin Marlen Haushofer zu Tieren, und die Liebe der Kuh zum ihrem neugeborenen Sohn. “Die Wand” – jeder Autor sollte dieses Werk lesen. Am besten mehrmals. Und er sollte die Stellen, die ihm besonders gut gefallen, anstreichen. Als anschauliches Beispiel für hervorragende Literatur. Durch die Lektüre guter Bücher können Autoren (nicht nur Anfangsautoren) lernen. Voraussetzung: man liest sie aufmerksam und nimmt  die Erzählweise und spezielle Formulierungen bewusst wahr.

Weltliteratur vom Feinsten: Die Wand

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