Über Zuschussverlage habe ich mehrfach geschrieben. weil sie – zu Recht – so einen schlechten Ruf haben. Einerseits wird ihnen unterstellt, sie brächten nur solche Bücher raus, die bei “normalen” Verlagen keine Chance hätten, und zwar deshalb, weil das Manuskript so miserabel sei. Das kann sein – aber definitiv nur teilweise. Über die Qualität eines Buches sagt ein renommierter Verlagsname allein noch nichts aus – wie wir ja alle wissen. Auf eine Aufzählung von “Schrott”-Büchern mit wohlklingendem Verlagsstempel verzichte ich – wäre wohl auch ein Fall von Wettbewerbsverunglimpfung …

Alle Betrüger?
Was den Zuschussverlagen auch vorgeworfen wird: sie ziehen ihre Autoren über den Tisch.Das stimmt – aber auch nicht durchgängig. Es kommt auf das jeweilige Dienstleistungsangebot an. Und genau darum dreht es sich, denn ich frage mich, warum so viele Autoren einen Vertrag unterschreiben, bei dem sie – wenn sie mal den Taschenrechner zücken und ein paar Zahlen eingeben – sofort feststellen, dass sich ihre Investition nie amortisieren kann, es sei denn, ein Wunder geschieht. Und Wunder gibt es immer weniger …

Vorschuss – wofür?
Wer im Voraus schon mal 4.000 bis 10.000 (oder noch mehr!) Euro hinblättert für ein paar windige Versprechungen, der ist selbst schuld. Denn wer in so einem Vertrag lesen kann, dass – zum Beispiel – die Einnahmen aus den ersten 300 verkauften Bücher in vollem Umfang an den Verlag gehen (womit er viele weitere Euros einnimmt), und selbst nach dem 301. verkauften Buch auch wieder nur ein Teil der Einnahmen an den Autor fließt, der muss sich wirklich fragen lassen, warum er so einen Vertrag unterschreibt. Denn dieses Rechnung geht nie auf – und hier habe ich bereits ein anschauliches Beispiel für so ein Rechenmodell veröffentlicht, an dem einzig und allein Verlag und Druckerei verdienen. Der Autor geht definitiv leer aus!

Meine Vorleistung
Mein kleiner Verlag stellt seinen Autoren auch Rechnungen für Dienstleistungen. Das liegt daran, dass ich als Einzelkämpferin nicht mit vielen Euros in Vorleistung gehen kann, indem ich dem Autor seinen Arbeitsaufwand entlöhne und der Druckerei die Druckkosten bezahle. Aber ich gehe in Vorleistung mit meiner (engagierten) Arbeit. Ich korrigiere, lektoriere und gestalte Buchinhalt und Umschlag – was alles nicht so schnell vonstatten geht, wie so mancher Laie sich das vielleicht vorstellt. Einfach einen Text nehmen und ihn in ein Designprogramm (InDesign z. B.) einfließen zu lassen – das ist kein Buchdesign.

Erst die Arbeit dann das Geld
Aber: Meine Autoren bekommen erst dann eine Rechnung von mir, wenn meine Leistung erbracht ist. Also dann, wenn die Arbeit erledigt und der Autor zufrieden ist. Die üblichen Verdächtigen dagegen halten die Hand grundsätzlich vorher auf. Das ist schlecht für den Autor. Denn die Qualität von Lektorat, Rechtschreibprüfung und Design stellt sich zwangsläufig erst hinterher raus – dann nämlich, wenn die Arbeit gemacht ist. Ist der Autor mit dieser Arbeit aber unzufrieden, ist es für ihn nahezu unmöglich, aufgrund von Qualitäts- oder Leistungsmängeln vom Vertrag zurückzutreten und sein Geld zurückzufordern. Denn die die mangelnde Leistung muss er beweisen können. Erschwerend hinzu kommt noch, dass die Formulierung der Leistungen in den Verträgen meist sehr schwammig und deshalb oft nicht justiziabel sind.

Die Einnahmen aus dem Buchverkauf
Und was bei mir auch anders ist: Die Einnahmen aus dem Buchverkauf fließen auf das Konto des Autors – zu 100 %.

Also, liebe Autoren: Augen auf bei der Verlagswahl und nicht blauäugig Verträge unterschreiben und vor allem kein Geld überweisen, wenn noch keine Leistung erbracht wurde.


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