Wenn die eigenen Figuren plötzlich mitreden

Manchmal lässt ein Buch seinen Autor auch nach der Veröffentlichung nicht ganz los. Genauer gesagt: seine Figuren.

hausner

Bei Ludo A. Kaiser sind es Hausner und Neidhard J. Wackernagel, die offenbar noch ein Wörtchen mit ihrem Schöpfer zu reden haben. Die beiden kennen wir aus seinem unterhaltsamen Büchlein Hausner verbeugt sich vor dem Tag. Nun treffen sie ihren Autor wieder – und sehen sich veranlasst, das druckfrische Buch einer kleinen Qualitätskontrolle zu unterziehen.

Was dabei herauskommt, ist eine neue kleine Geschichte von Ludo A. Kaiser – wie gewohnt selbstironisch, humorvoll und mit einem Augenzwinkern.


Ludo A. Kaiser trifft Hausner und Neidhard J. Wackernagel

Nachdem mein Buch bei Edition Blaes veröffentlicht wurde, hatte ich ein paar Wochen später eine kurze Begegnung mit Hausner und Neidhard J. Wackernagel.

Wackernagel, der alte, findige Geschichtenerzähler, nicht gerade gesegnet mit einem Schuss hintersinnigen Humors, klopfte mir auf die Schultern und gratulierte mir.

»Hausner und ich sind der Meinung, das hast du ganz gut hinbekommen … das mit dem Buch.«

Wackernagel, der gerne für andere sprach, wurde von Hausner unterbrochen. »An manchen Stellen hättest du deiner Fantasie noch mehr Auslauf geben können, wenn du verstehst …«

Ich verstand und gab zu bedenken, dass es sehr schwierig sei, das mit der Fantasie. Ein großer Dichter, der Name falle mir gerade nicht ein, ich käme aber gleich drauf, habe gesagt: »Fantasie ist die schönste Gabe des Himmels.«

Hausner und Wackernagel sahen sich an und ich konnte ihre Gedanken lesen: Ludo, du alter Angeber.

»Fantasie hin oder her, im Grunde soll das Buch nicht zugepflastert mit Botschaften sein, sondern niveauvoll, humorvoll und geistreich unterhalten.«

Hausner und Wackernagel sahen sich erneut an.

»Ja, auch Eitelkeit war im Spiel. Zugegeben. Ich wollte kleine Spuren im Leben hinterlassen …«

Hausner prustete: »Ich mache jeden Sonntag meinen Stadtspaziergang.«

Wackernagel schüttelte den Kopf und seufzte: »Mit einem dünnen Büchlein und einer Auflage von 500 …«

Darauf konnte ich nichts erwidern.

»Schreib doch noch einen dicken Roman mit dem Titel ›Spuren auf dem langen Lebensweg‹«, schlug Wackernagel vor.

„Ich kann keine Romane schreiben. Da bekomme ich den Spannungsbogen nicht hin. Mir fehlt der lange Atem, den Schriftsteller haben müssen.“

»Sei’s drum, komm«, antwortete Wackernagel. Und in Richtung Hausner sagte er: »Was machen wir jetzt?«

Hausner sah erst Wackernagel, dann mich an und sprach: »Wir machen’s wie immer. Wir erheben uns, prosten uns zu und verbeugen uns vor dem Tag.«


Danke, liebe Freunde, für die Inspiration – und dass es euch gibt! Im echten Leben.

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