Ein Bindestrich ist kein Gedankenstrich

Eigentlich logisch: Ein Bindestrich ist kein Gedankenstrich, sondern würde er ja nicht Bindestrich heißen. Trotzdem wird statt des Gedankenstrichs oft ein Bindestrich gesetzt. Aber wie der Name vermuten lässt, dient ein Bindestrich der Verbindung von Wörtern oder Wortteilen. Kindergarten-Tor. Diesen Strich tippt man auf der Tastatur ganz normal. Und er wird ohne Leerzeichen davor und danach gesetzt.

Ein Gedankenstrich dagegen wird mit gedrückter Alttaste getippt und ist länger als ein Bindestrich. Du wirst sie finden – und zwar an der nächsten Ecke. Vor und nach dem Gedankenstrich steht je ein Leerzeichen.

Dasselbe gilt für eingeschobene Wörter/Sätze: Diese Skulptur – sie ist das erste Werk des Künstlers – wird von der Kritik hochgelobt.

Ausrufe- oder Fragezeichen werden bei eingeschobenen Wörtern/Satzteilen direkt an den Text gesetzt. So, wie bei normalen Sätzen auch.

Unsere Verabredung für morgen – du erinnerst dich? – muss ich leider verschieben.

Er verlor – leider! – seinen Schlüssel.

Was kostet ein Auto?

Immer wieder bekommen ich Anfragen, die sinngemäß lauten:

“Was kostet es, bei Ihnen ein Buch zu veröffentlichen?”

Abgesehen davon, dass ich auf dieser Website bei “Dienstleistungen” schreibe, welche Informationen ich benötige, um ein “zuverlässiges” Angebot abgeben zu können, müsste eigentlich jedem Autor einleuchten, dass es auf so eine pauschal gestellte Frage keine Antwort geben kann. Zumindest keine mit einer konkreten Zahl. Denn auf einen anderen Wirtschaftsbereich bezogen könnte die Frage lauten: “Was kostet bei Ihnen ein Auto?”

Beim Autokauf sind unterschiedliche und individuelle Befürfnisse relevant. Das gilt auch für Korrektorat, Lektorat, Buchdesign und Buchdruck (letzterer erfolgt extern).

Was für ein Auto hätten Sie gern?
Beim Autokauf muss der Verkäufer wissen, was der Käufer haben möchte: einen Kleinwagen, eine Limousine oder einen Sportwagen zum Beispiel. Die Ausstattung ist auch wichtig: Sonnenschutzverglasung, Ledersitze, Navi, Sitzheizung, Glasdach …

Bei der Arbeit an einem Manuskript muss der Lektor wissen:
Wie ist die Qualität des Textes? Zum Beispiel:

– Enthält er viele Rechtschreib- und Grammatikfehler?
– Ist der Plot logisch aufgebaut?
– Sind die Formulierungen geschmeidig oder holprig.
– Wie sieht es mit der Syntax aus?

Wenn ein Autoverkäufer die Wünsche seines Kunden nicht kennt, kann er ihm kein Angebot machen!

Wenn ich das Buchmanuskript nicht kenne, kann ich dem Autor kein Angebot machen!

Jeder Kollege, der das anders handhabt, arbeitet nicht seriös. Oder er ist so dringend aufs Geld angewiesen, dass er jedes Manuskript für – sagen wir mal – zwei Euro pro Normseite lektoriert (solche Angebote gibt es tatsächlich). Völlig egal, wie viele Fehler es enthält und welche Qualität der Text hat. Von so einer Vorgehensweise kann ich nur abraten, denn dabei kommt nichts Vernünftiges raus. Weder für den Autor noch für den Lektor.

PS: Neulich hatte ich ein Buch in der Hand. Angeblich von einem Fachmann lektoriert. Schon auf den ersten Seiten sprangen mir Fehler ins Auge. Jeder Korrektor/Lektor übersieht Fehler. Fehler lassen sich nicht vermeiden und das liegt unter anderem daran, dass unser Gehirn so programmiert ist, dass es Texte “verstehen” möchte. Auf das Finden von Fehlern dagegen ist es nicht programmiert, deshalb ist es auch so einfach, Texte solcher Art problemlos zu verstehen:

“Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.” (Quelle: fehler-haft.de)

Aus diesem Grund lasse ich jedes von mir lektorierte Buch extern Korrektur lesen. Und dabei werden immer Fehler entdeckt. Immer!


Ich bitte also, von pauschalen Anfragen bezüglich der Kosten für eine Buchveröffentlichung abzusehen. Ohne das Manuskript und die individuellen Wünsche des Autors zu kennen, kann ich ich keine Zahlen nennen. Auch keine ungefähren.


Weitere Blogartikel zum Thema:

– Lektorat

– Korrektorat und Lektorat

– Lektorat mit Seeblick

– Wofür ein Lektorat gut ist

– Korrektorat einer Deutschlehrerin

“Korrektorat” einer Deutschlehrerin

Gestern habe ich in ein Ebook eines Bekannten reingeschaut. Es wimmelt nur so von Fehlern. Weil man ein Ebook problemlos aktualisieren kann, schickte ich ihm eine Email und meinte, er solle das Manuskript unbedingt korrigierenlassen. Eben antwortete er und teilte mir mit, das Manuskript sei bereits korrigiert worden. Von einer Deutschlehrerin – gegen Honorar!

Hier die Fehler der ersten Seite …

Fehler

Dazu kann ich nur sagen: Augen auf bei der Wahl von Lektoren!

In einem anderen bereits lektorierten Manuskript habe ich mehr als 500 Fehler gefunden! Von ungünstigen Formulierungen ganz zu schweigen … ich habe an anderer Stelle bereits darüber geschrieben.

P.S.: Dass auch ich Fehler übersehe, verhehle ich nicht! Zu diesem Thema sagte ein befreundeter Verleger neulich: “Ein Buch ohne Fehler ist ein Mythos.”

Aus diesem Grund lasse ich alle von mir bearbeiteten Manuskripte von einem externen Korrektor lesen.

Der kleine Unterschied: scheinbar/anscheinend

Angeblich gehören diese Wörter zu den meist verwechselten in unserer Sprache.
Aber wo genau liegt der Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend?

Im Grunde ist es ganz einfach:
Manuela hat scheinbar keinen Hunger.
Manuela hat in Wirklichkeit großen Hunger, nur mag sie (z. B.) keinen Sauerbraten. Damit sie ihn nicht essen muss, tut sie so, als habe sie keinen Hunger.

“Helmuts Frau hat anscheinend einen Liebhaber.”
Helmuts Frau wurde immer wieder in einer Hotelbar gesehen, mit ein- und demselben Mann. Er IST ihr Liebhaber.

Auf einen Nenner gebracht:

Scheinbar ist eine Vermutung/Unterstellung; in Wirklichkeit ist es nicht so.

Ähnliche Begriffe:
– angeblich
– vorgeblich
– vorgetäuscht
– trügerisch
– nur zum Schein
– vermeintlich

Anscheinend kommt der Wahrheit sehr nahe oder entspricht ihr.

Ähnliche Begriffe:
– wahrscheinlich
– möglicherweise
– womöglich
– vermutlich
– allem Anschein nach
– gewiss
– offenbar
– mutmaßlich
– augenscheinlich
– dem Vernehmen nach

Wer hat recht?

Bei dieser Regel mit dem Wörtchen “recht/Recht” soll ein normaler Mensch durchsteigen … ein bisschen viel verlangt, finde ich. Denn sie ist genauso unlogisch wie die Regel bezüglich “handvoll” und anderen Begriffen, über die ich hier geschrieben habe.

recht
Screenshot gemacht bei: korrekturen.de – zum Vergrößern auf Bild klicken

Was mir bei der Regelbeschreibung aufgefallen ist: Normalerweise setzt man vor und nach einem Schrägstrich kein Leerzeichen. Im obigen Screenshot ist davor und danach aber ein Leerzeichen gesetzt. Obwohl das lt. Duden nicht korrekt ist.

Also, wer hat nun recht/Recht??? Es ist wirklich zum Mäusemelken mit der (neuen) Rechtschreibung.

Die Logik (?) der neuen Rechtschreibung

Ich lektoriere gerade einen Roman und stolpere über ein Wort: hilfesuchend heißt es.

So, wie ich es geschrieben habe (klein und zusammen), meckert das Rechtschreibprogramm. Es schlägt vor: Hilfe suchend

Ich greife mir den Duden und schaue nach. In der Tat: Hilfe suchend schreibt man in zwei Wörtern. Aber: hilfeflehend schreibt man in einem Wort. Hilfe rufend darf man auch so schreiben: hilferufend. Hilfe suchend aber darf nur getrennt geschrieben werden. Einen grammatikalischen Unterschied kann ich zwischen diesen drei Begriffen allerdings nicht erkennen!

Eine andere Wortverbindung, nämlich mithilfe …. darf man auch so schreiben: mit Hilfe … was mir übrigens einleuchtend erscheint. Dass man es zusammenschreiben darf – mithilfe – finde ich unlogisch. Vor allem, wenn unter dem Aspekt, dass man Hilfe suchend nicht zusammenschreiben darf. Zusammenschreiben schreibt man übrigens zusammen. Was ich logisch finde, denn zwei zusammen (ein Buch) schreiben, schreibt man es nicht zusammen.

Alles klar? Dann ist ja gut …

Dativ oder Akkusativ?

Beim Lektorieren eines Buchmanuskriptes bin ich über eine Textstelle gestolpert: ” … sie schwebte über einem Park und einem See, vorbei …” (Dativ)

Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, denn es kann durchaus sein, dass jemand über einem Park oder See schwebt. Das bedeutet allerdings, dass der- oder diejenige jeweils nur über dem Park oder dem See schwebt – und nirgendwo anders.

Aus folgendem Text geht aber hervor, dass die Protagonistin erst über einen Park, danach über einen See und dann noch weiter schwebt. Sie schwebte also über den See hinweg. Die entsprechende Frage lautet:
Über wen schwebte sie hinweg?
Antwort: Sie schwebte über den See.
Deshalb kommt hier der Akkusativ zum Einsatz: “Sie schwebte über einen See, vorbei …”

Beim Dativ würde die Frage lauten: Über wem schwebte sie?
Antwort: Sie schwebte über dem See.

Ich werde also zweimal einem gegen einen tauschen.

Den Begriff “Felder” werde ich einmal auch austauschen und gegen “Äcker”. Denn Felder steht schon eine Zeile vorher. Und schnell aufeinander folgende Wortdoppelungen sollten vermieden werden – wenn möglich. Der Satz wird also heißen: Bauern bestellten ihre Äcker.

Diesbeüglich ein Tipp: Jeder Autor sollte ein Synonym-Wörterbuch neben seinem Computer stehen haben. Ich habe zwei davon, nutze allerdings mittlerweile überwiegend das Internet, Woxikon zum Beispiel. Es ist das beste Internet-Synonymportal, das ich kenne.

synonym-woerterbuch

Der Apostroph beim Genitiv

Den Apostroph kann man nicht nur falsch erzeugen, sondern auch falsch setzen, nämlich an Stellen setzen, wo er nicht hingehört: beim Genitiv zum Beispiel. Allerdings wird das sehr oft gemacht, und aus diesem Grund nennt man ihn auch “Deppen-Apostroph”.

Anders als in der englischen Sprache wird in der deutschen Sprache beim Genitiv kein Apostroph gesetzt.

Beispiel: Otto’s Schwester. Das ist nicht korrekt.
Richtig ist: Ottos Schwester

Ausnahmen werden gemacht bei Wörtern, die mit S oder einem ähnlich klingenden Laut (ss, ß, tz, z, x) enden, hier wird kein Genitiv-S, sondern ein Apostroph gesetzt. Zum Beispiel:

Niklas’ Vater

Lutz’ Auto

Felix’ Opa

Der “Deppenapostroph” hat mittlerweile sogar eine eigene Internetseite, wo anschauliche Beispiele gezeigt werden.