Untergehendes Wort: Danke

Immer öfter stelle ich fest, dass nicht nur Wörter wie “Rachgrimm” dem Untergang geweiht waren, sondern auch Wörter aus unserem aktuellen Sprachschatz zu verschwinden drohen. Unter anderem das kleine und zauberhafte Wort Danke.

Als Kind wurde ich von meinen Eltern dazu erzogen, Danke zu sagen. Egal, ob beim Fleischer, wenn er mir ein Rädchen Fleischwurst schenkte, oder bei der Kaufmannsfrau für eines dieser Bonbons aus dem riesigen, dickwandigen und mit Luftblasen durchsetzten Glas auf dem Tresen.

Nur 5 Buchstaben?
Danke ist auch heute noch ein selbstverständliches Wort für mich, und ich benutze es täglich mehrfach. Wenn mir jemand die Tür aufhält zum Beispiel, oder wenn mir jemand die Vorfahrt schenkt (dann bedanke ich mich mit einem Winken). Ich bedanke mich bei der (freundlichen) Kassiererin im Supermarkt, ich bedanke mich im Restaurant beim (freundlichen und aufmerksamen) Kellner, und ich bedanke mich beim Joggen beim Hundebesitzer, wenn er seinen Hund an die Leine nimmt, wenn er mich Daherlaufen sieht.

Jeder von uns kennt dieses kleine Zauberwort, aber immer weniger Zeitgenossen benutzen es. Warum eigentlich? Ich kann nur Vermutungen anstellen.

Die erste Vermutung ist, dass den meisten Menschen der Nächste völlig egal ist. Das ist fatal, denn der Nächste kann in gewissen Situationen sehr wichtig sein. In Notsituationen zum Beispiel. Aber auch in alltäglichen Situationen ist der Nächste etwas Wunderbares, wenn er einen auf der Straße freundlich grüßt – zum Beispiel. Er nimmt mich wahr, und wahrgenommen zu werden, ist auch wichtig. Babys, die von ihrer Mutter zwar versorgt werden, aber keine Streicheleinheiten und persönliche Aufmerksamkeit bekommen, sterben.

Die zweite Vermutung ist, dass viele Menschen meinen, Anspruch auf “milde Gaben” von ihren Mitmenschen zu haben. Das ist ein Irrtum, denn wir haben keinen Anspruch auf Geschenke. Wir haben höchstens Anspruch auf einen Gegenwert – wenn wir mit jemandem einen Vertrag geschlossen haben zum Beispiel. Aber auch dann kann es nicht schaden, sich zu bedanken.

So ist es für mich absolut selbstverständlich, mich bei meiner wunderbaren Druckerei in Tschechien zu bedanken, wenn sie – mal wieder – ein wunderbares Hardcoverbuch produziert hat.

Anspruchsdenken?
“Ich bezahle, also habe ich Anspruch auf Gegenwert”, diese Denkweise haben offensichtlich viele. Die Denkweise ist grundsätzlich zwar korrekt, aber erstens es gibt himmelweite Unterschiede zwischen einem Gegenwert, der wohl oder übel erbracht wird, und einem Gegenwert, dem man anmerkt, dass der Erbringer ihn mit einem hohen Anspruch an sich selbst erbringt, und zweitens schadet auch bei der Leistung eines Gegenwertes ein Danke nie und niemandem.

Die dritte Vermutung ist, dass viele eine Leistung nicht wertschätzen (können). So eine Nicht-Wertschätzung schadet allerdings nicht nur dem Sender, sondern auch dem Empfänger. Schließlich nimmt der gar nicht wahr, was für einen “Schatz” er bekommen hat, also welche Wertschätzung der Sender ihm entgegenbringt.

Ein aufrichtiges Danke erfüllt aber nicht nur den Empfänger mit Freude, sondern auch den Sender. Das bemerke ich immer wieder – in allen erdenklichen Situationen, in denen ich Danke sage. Zugegeben, mir kommt ein Danke auch öfter automatisch über die Lippen, aber oft sage ich es nicht nur so dahin, sondern empfinde tatsächlich ein Gefühl hinter diesem Wort. Und das spürt das Gegenüber genau. Und wenn dann in seinem Gesicht ein Lächeln aufzieht, verstärkt das meine Freude, und mein Tag ist “gerettet”.

Wertschätzung?
Angeregt für diese kleine Betrachtung wurde ich durch ein aktuelles Erlebnis. Ich schickte einem neuen Autor ein Probelektorat, und er hat nicht mal den Empfang bestätigt. Ich habe diesem Mann eine Stunde meiner Zeit geschenkt, und er hatte bislang nicht mal eine Minute Zeit für eine Antwort übrig. Vermutlich meldet er sich irgendwann, aber ob ich für so jemanden arbeiten werde? Wohl eher nicht. Denn Respekt und Wertschätzung sind mir wichtig. Und ich kenne niemanden, dem sie nicht wichtig wären …

PS: Ein ebenfalls aktuelles Erlebnis zeigt dieses Bild. Ein schokoladen-süßer Gruß eines Autors, dem das Wörtchen Danke offensichtlich genauso viel Freude bereitet wie mir.

So unterschiedlich sind die Menschen … und ihre Sicht zu den Dingen/Wörtern des Lebens.

Weihnachten im Wald

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Weihnachtsgeschichte zum Hören

Weihnachten aus Sicht von Kater Fritz
Eine Geschichte aus dem Hörbuch “Advent, Advent …” von Renate Blaes

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Bestellen kann man Hörbuch und gedrucktes Buch in der Bücherstube von Edition Blaes.

Fundsache!

Wer Zeit und Lust hat, kann sich mal die Mühe machen, die Fehler in folgendem Text zu zählen. Bei zwanzig hab ich aufgehört …

Ach ja, entdeckt hab ich das Kunstwerk in einem Internetforum. Und dazu muss ich sagen, dass mir beim Schreiben in Internetforen auch immer wieder Tippfehler unterlaufen. Aber die Fehler im abgebildeten Text sind keine Tippfehler, sondern eindeutige Indizien für eine erstaunlich geringe Kenntnis von Rechtschreibung und Grammatik.

Auch wenn ich mich in manchen Autorenforen so umschaue, kann ich auch oft nur den Kopf schütteln. Denn was dort so an Texten “verbrochen” wird, ist oft auch nicht viel besser. Und bei den Leuten handelt sich um Zeitgenossen, die sich “Autoren” nennen. Als ich dann mal öffentlich kundtat, dass ein Autor sich gut mit Rechtschreibung und Grammatik auskennen sollte, wurde mir “unmissverständlich” erklärt, dass das Sache des Lektors/Korrektors sei.

Da irren sich die Leute, aber ich hab’s mittlerweile aufgegeben, diesen Irrtum aufzuklären und bin aus besagtem Autorenforum ausgetreten. Grund: Zeitverschwendung.

Wenn Knittelwirsch kommt …

“Knittelwirsch.” Schon mal gehört, diesen Begriff? Nein? Ich auch nicht. Bis vor Kurzem. Denn da begegnete mir Luzius Flunk. Besser gesagt begegnete nicht er mir, sondern ich ihm – denn auf irgendwelchen wundersamen Wegen im Internet stieß er auf die Website, auf der Sie sich auch gerade befinden.

Flunk sah, las und dachte: “So was wie Edition Blaes kommt mir grade recht …”

Warum er das dachte?

Hier die Antwort: Flunk hat ein nicht gerade alltägliches Hobby – er beobachtet Mitmenschen. Nicht aus der Sicht eines Voyeurs, sondern aus der Sicht eines Menschen, der ganz einfach Freude an den Schrullen seiner Zeitgenossen hat.

Und so beschreibt er die Begegnungen mit dem ganz normalen Wahnsinn des täglichen Lebens. Mit Freude, Wonne und oft auch Lust … manchmal auch mit seufzender Verzweiflung.

Diese Wahrnehmungen hat er fleißig notiert, und um sie zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, suchte er einen Partner. Und den fand er in Edition Blaes.

Es hat offen gestanden einige Jahre gedauert – vom ersten Kontakt bis zum fertigen Buch. Aber das macht ja nix. Gut Ding braucht manchmal Weile … Flunk hat ja noch ein paar andere Dinge zu tun, als Menschen zu beobachten. Brötchen als Redakteur verdienen zum Beispiel.

Aber nun ist das Buch fertig, und Flunks Begegnungen (mit oder ohne Knittelwirsch) zu lesen, bereitet Freude, Wonne und Lust. Verzweifeln lassen sie den Leser allerdings nie!

Während meiner Arbeit mit dem Knittelwirsch-Manuskript musste ich oft herzhaft lachen. Einerseits, weil Flunk die Dinge des Lebens so fein und süffisant beobachtet, und andererseits, weil ich seinen trockenen Humor liebe. In diesem Zusammenhang fällt mir ein … ich habe es noch nie erwähnt: Ich stehe auf trockenen Humor. Gepaart mit Selbstironie ist er das, was mich am meisten zum Lachen bringt.

Also, wenn Knittelwirsch kommt, kommt Freude auf.

Und wenn Sie sich jetzt fragen: “Wer oder was, verflucht nochmal, ist Knittelwirsch?”

Dann kann ich sagen: Die Antwort finden Sie im Buch. Auf Seite 5. Könnte auch auf Seite 7 sein. Ich hab es – offen gestanden vergessen. Egal! Die Antwort auf alle Fälle steht am Anfang dieses sehr vergnüglichen Buches. Irgendwo zwischen Seite 3 und Seite 11. Definitiv!

Beinahe hätte ich ihn doch vergessen: den Link zum Knittelwirsch …

Die zauberhaften Illustrationen für den Umschlag hat übrigens eine liebe Freundin gezeichnet. Karin Tauer heißt sie. Ich habe sie vor vielen Jahren auch übers Internet kennengelernt … aber darüber berichte ich ein anderes Mal.

Ehrenwert oder ehrenswert – der kleine Unterschied

In einem Manuskript, das ich zurzeit bearbeite, bin ich über einen Begriff gestolpert: ehrenwert, so stand da.

Im Grunde ist dieser Begriff korrekt – allerdings nur dann, wenn er besagen soll, dass ein bestimmter Mensch sich nichts zuschulden kommen lässt, er also rechtschaffen, ehrlich und anständig ist.

In diesem speziellen Fall aber ist der Begriff nicht korrekt, weil nicht ein rechtschaffener Mensch gemeint ist, sondern ein Mensch, der es wert wäre, geehrt zu werden.

Den kleinen Buchstaben “S” hinzugefügt, und schon bekommt das Wort eine andere Bedeutung.

Wobei ein ehrenwerter Mensch durchaus auch ehrenswert sein kann. Umgekehrt gilt das natürlich auch …

“Herrlich erbarmungslos”

Über meine Charaktereigenschaft, unerschrocken zu sagen, was ich denke, fühle und empfinde, wurde schon das eine oder andere Wort verloren – im Laufe meines Lebens. Der eine sagt: “Renate hat eine direkte Art.” Der andere sagt: “Renate nimmt kein Blatt vor den Mund.”

“Renates Art und Weise sich auszudrücken, hat einen großen Vorteil: Man muss nie überlegen, was sie meint”, so sagt mein Freund Michael.

“An die unverblümte, direkte Art gilt es sich zu gewöhnen …”, so drückt es Frederik Suter, einer meiner Autoren, aus.

Es gibt also unterschiedliche Formulierungen bezüglich meiner Charaktereigenschaft, aber noch nie hat es jemand so schön ausgedrückt wie gestern. In einer Facebook-Autorengruppe habe ich (mal wieder) meinen Senf zu einer Angelegenheit gegeben, die mir in besagter Gruppe definitiv nicht viele Freunde beschert. Denn ich wundere mich immer wieder, dass es ausgerechnet in Beiträgen und Kommentaren einer Autorengruppe von Fehlern nur so wimmelt. Damit meine ich nicht Tippfehler, die einem leider sehr leicht unterlaufen, sondern Fehler, die aus offensichtlicher Unkenntnis von Rechtschreibung und Grammatik entstanden sind. Sehr beliebt zum Beispiel ist: “das” zu schreiben statt “dass”.

“Ich möchte, dass du gehst.” Dieser Satz ist korrekt.

Ich möchte das du gehst.” Dieser Satz ist nicht korrekt, wird aber (sinngemäß) oft genau so formuliert. (Es besteht übrigens auch Unterschied zwischen “genau so” und “genauso”.)

Rechtschreibung und Grammatik sind die Grundzutaten für einen guten Text. Eine Grundvoraussetzung für das Schreiben eines Buches (es sei denn der Autor ist Legastheniker). Okay, ich weiß längst auch nicht alles, aber ich weiß, wo ich nachschaue, wenn ich mir bei einem Wort nicht sicher bin. Erstens habe ich verschiedene Rechtschreibbücher, zweitens findet man heutzutage ALLES im Internet. Und zwar innerhalb von Sekunden. Aber weil es viele Menschen gibt, die sich einerseits Autor nennen, andererseits aber zu faul oder zu bequem sind, sich um korrekte Schreibweise zu bemühen, gibt es für mich wiederum immer wieder Anlass, meiner Verwunderung darüber Ausdruck zu geben. So auch gestern wieder.

Normalerweise hagelt es dann Aussagen wie zum Beispiel diese: “In einer Facebook-Gruppe ist Rechtschreibung doch völlig wurscht”. Nein, das ist überhaupt nicht wurscht! Zumindest ist das meine Meinung. Ein Autor ist ein Mensch der Sprache. Deshalb sollte er Wert auf gute + korrekte Sprache legen, egal, wo und was er schreibt. Und weil ich nicht müde werde, das immer wieder zu betonen, regen sich besagte Autoren immer wieder auf. Nur eine(r) nicht: Gerda Greschke-Begemann (auch Mitglied besagter Autorengruppe). Sie schrieb gestern nämlich in einem Kommentar zu meinem Kommentar:

“Du bist so herrlich erbarmungslos.”

Danke, liebe Gerda! So schön hat es noch niemand ausgedrückt …

P. S.: Ein anderes Mitglied derselben Gruppe bezeichnete mich neulich als “Grammar-Nazi”. So unterschiedlich können Formulierungen für ein und dieselbe Sache sein. Die von Gerda gefällt mir definitiv besser.