Qualitätskontrolle

Buchdruck ist – eigentlich – eine einfache Sache. Ich schicke der Druckerei die Daten (Dateien), die werden in den Druckerei-Computer eingegeben, und dann wird gedruckt.

Bei meiner wunderbaren Druckerei in Tschechien waren bislang alle Farben perfekt.

Trotzdem wollte Manfred Stanzel, der Autor von “Hosibald und das Zauberschwert”, sicher gehen.

Also habe ich einen sogenannten Digital-Proof anfertigen lassen. Das bedeutet, dass die Druckerei einen Ausdruck von der Datei macht – damit ich überprüfen kann, ob die Farben des Proofs mit denen an meinem Computer übereinstimmen. Ich arbeite selbstverständlich mit einem kalibierten Bildschirm …

Heute kam der Proof, mein Qualitätsprüfer hat den Ausdruck sofort kritisch unter die Lupe genommen und dann seinen Segen gegeben. Nächste Woche kann also gedruckt werden …

Links: Proof – Rechts: Originalbuch

Farbmäßig wird noch nachgearbeitet bzw. kontrolliert. Der Autor hat der Druckerei das Buch aus der Erstauflage geschickt. Das wird sich der Drucker vor die Druckmaschine legen – und vergleichen, mit dem, was aus der Druckmaschine läuft. Und da laufen schon mal bis zu 100 Bögen raus … bis der Drucker zufrieden ist.

Ich habe empfohlen, das Blau ein bisschen zu reduzieren.

Zum Verständnis: Die Farben beim Offsetdruck bestehen aus CMYK: Cyan (Blau), Magenta (Rot), Yellow (Gelb), Key (Schwarz).


Warum Schwarz als K bezeichnet wird, ist hier beschrieben.

Hosibald und das Zauberschwert

Wohl dem, der sagen kann: “Meine Arbeit macht mir Freude!”

Mir macht meine Arbeit viel Freude, und ein besonders großes Vergnügen hatte ich bei der Neuauflage des Kinderbuches “Hosibald und das Zauberschwert”, das ursprünglich bei einem anderen Verlag erschienen ist.

Wie, was und warum ich bestimmte Dinge im Buchdesign geändert habe – darüber berichte ich in einem gesonderten Beitrag.

Heute zeige ich nur das Video zum Buch, das gerade gedruckt wird.

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Ein Schweizer Dichter?

Über die deutschen Rechtschreibregeln wundere ich mich immer wieder, so auch heute. Ich korrigiere zur Zeit (sollte eigentlich zusammen geschrieben werden: “zurzeit”. Ich weigere mich aber …) ein Manuskript und bin an einer Textstelle hängengeblieben. Der Autor erwähnt dort einen Dichter, der in der Schweiz lebt, also einen “Schweizer Dichter”.

Und genau darüber bin ich gestolpert – über den groß geschriebenen Schweizer. Dass man einen Menschen, der in der Schweiz lebt, als Schweizer bezeichnet, weiß ich. Einen Menschen, der in Deutschland lebt, bezeichnet man ja auch als Deutschen. Ebenso einen Franzosen (Frankreich) oder einen Italiener (Italien).

Und es heißt:
– deutscher Dichter
– französischer Dichter
– italienischer Dichter

Aber man sagt/schreibt:Schweizer Dichter

Allerdings kann man auch sagen/schreiben: schweizerischer Dichter

Aber warum sagt/schreibt man dann “Schweizer Dichter”? So lautet nämlich der allgemein übliche Begriff, wenn ein Mensch gemeint ist, der in der Schweiz lebt und Autor ist.

Ich habe im Internet gesucht und gesucht. Einige Informationen habe ich zwar gefunden, nämlich, dass man entweder “Schweizer” oder “schweizerisch” schreibt, aber eine einleuchtende Erklärung dafür blieb mir verborgen.

Nun gehöre ich ja nicht zu den Menschen, die so leicht aufgeben, wenn sie keine Antwort auf eine (wichtige) Frage finden, habe weiter gesucht, und in dem Grammatikportal der Justus-Liebig-Universität Giessen wurde ich schließlich fündig:


Hinsichtlich der Bedeutung besteht wohl kein Unterschied zwischen den beiden Adjektiven Schweizer und schweizerisch, aber es gibt grammatische Unterschiede. So geht dem Wahrig-Band „Fehlerfreies und gutes Deutsch“ zufolge das Adjektiv Schweizer auf die Bezeichnung der Einwohner der Schweiz zurück, genauer gesagt auf den Genitiv Plural. Demnach ist Schweizer Käse also im Grunde der Schweizer Käse bzw. Käse der Schweizer. Schweizer wird immer groß geschrieben und kommt nur in dieser Form vor, d. h. es ist unflektierbar (undeklinierbar). Darüber hinaus kommt es nur attributiv vor, d. h. es tritt immer zu einem Substantiv hinzu, das es näher beschreibt.

Schweizerisch ist dagegen wesentlich vielseitiger: Als „normales“ Adjektiv ist es flektierbar und kann alle adjektiv-typischen Funktionen übernehmen. Das sind neben der attributiven Funktion die adverbiale Funktion (in zwei Kursen wurde schweizerisch oder international gekocht) und die prädikative Funktion (ein großer Teil des Ufers ist schweizerisch, ein kleiner Teil gehört zu Österreich).

Eine genaue Regel, wann welches Adjektiv verwendet wird, scheint es nicht zu geben. Die These, dass Schweizer eher im Zusammenhang mit festen Institutionen oder typischen Kulturgütern verwendet wird, erscheint angesichts solcher Zusammensetzungen wie Schweizerische Post, Schweizerische Bundesbahnen oder Schweizerisches Rotes Kreuz wenig plausibel. Die allgemeine Tendenz geht zwar zu Schweizer hin, letztlich kann aber eine Suchmaschine Auskunft darüber geben, welche der beiden Varianten im konkreten Fall die gebräuchlichere ist. So zeigt Google für „Schweizer Käse“ ca. 65.500 Fundstellen an, für „schweizerischer Käse“ dagegen nur ca. 263.


So ist das also mit dem Schweizer.

Wieder was gelernt heute …

Untergehendes Wort: Danke

Immer öfter stelle ich fest, dass nicht nur Wörter wie “Rachgrimm” dem Untergang geweiht waren, sondern auch Wörter aus unserem aktuellen Sprachschatz zu verschwinden drohen. Unter anderem das kleine und zauberhafte Wort Danke.

Als Kind wurde ich von meinen Eltern dazu erzogen, Danke zu sagen. Egal, ob beim Fleischer, wenn er mir ein Rädchen Fleischwurst schenkte, oder bei der Kaufmannsfrau für eines dieser Bonbons aus dem riesigen, dickwandigen und mit Luftblasen durchsetzten Glas auf dem Tresen.

Nur 5 Buchstaben?
Danke ist auch heute noch ein selbstverständliches Wort für mich, und ich benutze es täglich mehrfach. Wenn mir jemand die Tür aufhält zum Beispiel, oder wenn mir jemand die Vorfahrt schenkt (dann bedanke ich mich mit einem Winken). Ich bedanke mich bei der (freundlichen) Kassiererin im Supermarkt, ich bedanke mich im Restaurant beim (freundlichen und aufmerksamen) Kellner, und ich bedanke mich beim Joggen beim Hundebesitzer, wenn er seinen Hund an die Leine nimmt, wenn er mich Daherlaufen sieht.

Jeder von uns kennt dieses kleine Zauberwort, aber immer weniger Zeitgenossen benutzen es. Warum eigentlich? Ich kann nur Vermutungen anstellen.

Die erste Vermutung ist, dass den meisten Menschen der Nächste völlig egal ist. Das ist fatal, denn der Nächste kann in gewissen Situationen sehr wichtig sein. In Notsituationen zum Beispiel. Aber auch in alltäglichen Situationen ist der Nächste etwas Wunderbares, wenn er einen auf der Straße freundlich grüßt – zum Beispiel. Er nimmt mich wahr, und wahrgenommen zu werden, ist auch wichtig. Babys, die von ihrer Mutter zwar versorgt werden, aber keine Streicheleinheiten und persönliche Aufmerksamkeit bekommen, sterben.

Die zweite Vermutung ist, dass viele Menschen meinen, Anspruch auf “milde Gaben” von ihren Mitmenschen zu haben. Das ist ein Irrtum, denn wir haben keinen Anspruch auf Geschenke. Wir haben höchstens Anspruch auf einen Gegenwert – wenn wir mit jemandem einen Vertrag geschlossen haben zum Beispiel. Aber auch dann kann es nicht schaden, sich zu bedanken.

So ist es für mich absolut selbstverständlich, mich bei meiner wunderbaren Druckerei in Tschechien zu bedanken, wenn sie – mal wieder – ein wunderbares Hardcoverbuch produziert hat.

Anspruchsdenken?
“Ich bezahle, also habe ich Anspruch auf Gegenwert”, diese Denkweise haben offensichtlich viele. Die Denkweise ist grundsätzlich zwar korrekt, aber erstens es gibt himmelweite Unterschiede zwischen einem Gegenwert, der wohl oder übel erbracht wird, und einem Gegenwert, dem man anmerkt, dass der Erbringer ihn mit einem hohen Anspruch an sich selbst erbringt, und zweitens schadet auch bei der Leistung eines Gegenwertes ein Danke nie und niemandem.

Die dritte Vermutung ist, dass viele eine Leistung nicht wertschätzen (können). So eine Nicht-Wertschätzung schadet allerdings nicht nur dem Sender, sondern auch dem Empfänger. Schließlich nimmt der gar nicht wahr, was für einen “Schatz” er bekommen hat, also welche Wertschätzung der Sender ihm entgegenbringt.

Ein aufrichtiges Danke erfüllt aber nicht nur den Empfänger mit Freude, sondern auch den Sender. Das bemerke ich immer wieder – in allen erdenklichen Situationen, in denen ich Danke sage. Zugegeben, mir kommt ein Danke auch öfter automatisch über die Lippen, aber oft sage ich es nicht nur so dahin, sondern empfinde tatsächlich ein Gefühl hinter diesem Wort. Und das spürt das Gegenüber genau. Und wenn dann in seinem Gesicht ein Lächeln aufzieht, verstärkt das meine Freude, und mein Tag ist “gerettet”.

Wertschätzung?
Angeregt für diese kleine Betrachtung wurde ich durch ein aktuelles Erlebnis. Ich schickte einem neuen Autor ein Probelektorat, und er hat nicht mal den Empfang bestätigt. Ich habe diesem Mann eine Stunde meiner Zeit geschenkt, und er hatte bislang nicht mal eine Minute Zeit für eine Antwort übrig. Vermutlich meldet er sich irgendwann, aber ob ich für so jemanden arbeiten werde? Wohl eher nicht. Denn Respekt und Wertschätzung sind mir wichtig. Und ich kenne niemanden, dem sie nicht wichtig wären …

PS: Ein ebenfalls aktuelles Erlebnis zeigt dieses Bild. Ein schokoladen-süßer Gruß eines Autors, dem das Wörtchen Danke offensichtlich genauso viel Freude bereitet wie mir.

So unterschiedlich sind die Menschen … und ihre Sicht zu den Dingen/Wörtern des Lebens.

Weihnachten im Wald

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