Die Logik (?) der neuen Rechtschreibung

Ich lektoriere gerade einen Roman und stolpere über ein Wort: hilfesuchend heißt es.

So, wie ich es geschrieben habe (klein und zusammen), meckert das Rechtschreibprogramm. Es schlägt vor: Hilfe suchend

Ich greife mir den Duden und schaue nach. In der Tat: Hilfe suchend schreibt man in zwei Wörtern. Aber: hilfeflehend schreibt man in einem Wort. Hilfe rufend darf man auch so schreiben: hilferufend. Hilfe suchend aber darf nur getrennt geschrieben werden. Einen grammatikalischen Unterschied kann ich zwischen diesen drei Begriffen allerdings nicht erkennen!

Eine andere Wortverbindung, nämlich mithilfe …. darf man auch so schreiben: mit Hilfe … was mir übrigens einleuchtend erscheint. Dass man es zusammenschreiben darf – mithilfe – finde ich unlogisch. Vor allem, wenn unter dem Aspekt, dass man Hilfe suchend nicht zusammenschreiben darf. Zusammenschreiben schreibt man übrigens zusammen. Was ich logisch finde, denn zwei zusammen (ein Buch) schreiben, schreibt man es nicht zusammen.

Alles klar? Dann ist ja gut …

Dativ oder Akkusativ?

Beim Lektorieren eines Buchmanuskriptes bin ich über eine Textstelle gestolpert: ” … sie schwebte über einem Park und einem See, vorbei …” (Dativ)

Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, denn es kann durchaus sein, dass jemand über einem Park oder See schwebt. Das bedeutet allerdings, dass der- oder diejenige jeweils nur über dem Park oder dem See schwebt – und nirgendwo anders.

Aus folgendem Text geht aber hervor, dass die Protagonistin erst über einen Park, danach über einen See und dann noch weiter schwebt. Sie schwebte also über den See hinweg. Die entsprechende Frage lautet:
Über wen schwebte sie hinweg?
Antwort: Sie schwebte über den See.
Deshalb kommt hier der Akkusativ zum Einsatz: “Sie schwebte über einen See, vorbei …”

Beim Dativ würde die Frage lauten: Über wem schwebte sie?
Antwort: Sie schwebte über dem See.

Ich werde also zweimal einem gegen einen tauschen.

Den Begriff “Felder” werde ich einmal auch austauschen und gegen “Äcker”. Denn Felder steht schon eine Zeile vorher. Und schnell aufeinander folgende Wortdoppelungen sollten vermieden werden – wenn möglich. Der Satz wird also heißen: Bauern bestellten ihre Äcker.

Diesbeüglich ein Tipp: Jeder Autor sollte ein Synonym-Wörterbuch neben seinem Computer stehen haben. Ich habe zwei davon, nutze allerdings mittlerweile überwiegend das Internet, Woxikon zum Beispiel. Es ist das beste Internet-Synonymportal, das ich kenne.

synonym-woerterbuch

Der Apostroph beim Genitiv

Den Apostroph kann man nicht nur falsch erzeugen, sondern auch falsch setzen, nämlich an Stellen setzen, wo er nicht hingehört: beim Genitiv zum Beispiel. Allerdings wird das sehr oft gemacht, und aus diesem Grund nennt man ihn auch “Deppen-Apostroph”.

Anders als in der englischen Sprache wird in der deutschen Sprache beim Genitiv kein Apostroph gesetzt.

Beispiel: Otto’s Schwester. Das ist nicht korrekt.
Richtig ist: Ottos Schwester

Ausnahmen werden gemacht bei Wörtern, die mit S oder einem ähnlich klingenden Laut (ss, ß, tz, z, x) enden, hier wird kein Genitiv-S, sondern ein Apostroph gesetzt. Zum Beispiel:

Niklas’ Vater

Lutz’ Auto

Felix’ Opa

Der “Deppenapostroph” hat mittlerweile sogar eine eigene Internetseite, wo anschauliche Beispiele gezeigt werden.

Osterpost von Karin Zimmermann

Gestern zog ich einen Umschlag aus dem Briefkasten. Absender: Karin Zimmermann, die Autorin von “Märchenhafte Lichtblicke”. Sie hat mir einen kleinen Stein geschenkt. Selbst gesucht/gefunden und selbst bemalt … mit einem kleinen Schutzengel.

Was für ein schönes Ostergeschenk – in diesen irritierenden Zeiten, wo keiner weiß, was uns noch erwartet.

Ganz herzlichen Dank, liebe Karin!

Die Bücher von Karin Zimmermann sind übrigens gerade in diesen Zeiten besonders lesenswert. Weil die Autorin mit ihren Mutmacher-Geschichten etwas macht, womit sich in unserer Ego- und Geiz-ist-geil-Gesellschaft in den letzten Jahren wenige Menschen bislang beschäftigt haben: für einander da sein, einander helfen, einander unterstützen – einander Mut machen. Nicht nur ständig an sich und den eigenen Vorteil denken, sondern MITEINANDER leben. So, wie zur Zeit die Menschen miteinander umgehen: aufmerksam, achtsam, hilfsbereit, behutsam, respektvoll und wertschätzend.

Dass es immer Krisen braucht, um sich an die wirklichen Werte zu erinnern, ist schade – und traurig. Es gibt Menschen, die meinen, nach der Corona-Krise sei nichts mehr wie vorher. Dazu kann ich nur sagen: hoffentlich!

Referenz der besonderen Art

Heute Mittag. Es klingelt an der Tür. Der Postbote. Er überreicht mir ein großes Paket. Absender: ein gewisser Manfred Stanzel, Autor des Buches “Hosibald und das Zauberschwert”.

Inhalt des Kartons: 12 Weinflaschen. Wein eines westdeutschen Winzers. Bevor ich die Flaschen entdecke, strahlen mir erstmal 12 bunte Küchenschwämme entgegen. Was für eine schöne Idee, denke ich, anstatt der üblichen Luftpolsterfolie als Lückenfüller mal was Sinnvolles. Tolles Unternehmen, denke ich weiter.

Dann stellt sich allerdings heraus, dass nicht der Winzer auf die Idee mit dem Schwämmen gekommen war, sondern besagter Manfred Stanzel. Denn der Winzer verkauft zwar Wein, verschickt ihn aber erst ab einer Bestellung von 80 Flaschen.

So hat Manfred Stanzel den Wein selbst verschickt. Ein flüssiges Dankeschön sozusagen. Dass ich gern Wein trinke, hat er schnell mitgekriegt … wir haben oft telefoniert und dabei nicht nur über buch-relevante Dinge geredet, sondern auch über viel Privates unsere Gedanken ausgetauscht.

Die – erfreuliche – Sachlage ist nun die: Ich habe genügend Toilettenpapier. Ich habe genügend Mehl (um Brot und Kuchen zu backen und Nudeln zu produzieren). Und nun habe ich auch genügend Wein, um die nächsten Wochen gut zu überstehen.

Auch noch zu erwähnen – und beileibe nicht als Nebensache. Manfred Stanzel hat einen dreiseitigen Brief dem Wein beigelegt. Von Hand geschrieben und mit einer Zeichnung von sich selbst. Ist doch ein hübsches Kerlchen, oder etwa nicht?


Lieber Manfred Stanzel. Ich mochte sie von unserem ersten Telefonat an. Die Zusammenarbeit mit Ihnen war (und ist) ausgesprochen angenehm. Ich schätze Ihren Humor, Ihre Offenheit, Ihre Klugheit, Ihren Mut, zu Ihren Gefühlen zu stehen, und last but not least: Ihre Wertschätzung – nicht nur mir gegenüber. Denn ich habe mittlerweile eine Ahnung davon, wie Sie mit Menschen grundsätzlich umgehen.

Sie sind ein wunderbarer Zeitgenosse. Von Ihrer Sorte sollte es mehr geben. Dann wäre die Welt besser …


PS: Unbedingt erwähnt werden muss noch Folgendes: Manfred Stanzel schreibt nicht nur Theaterstücke, sondern hat auch ein Kinderbuch geschrieben. “Hosibald und das Zauberschwert” ist eine wonnevolle Lektüre. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene (wie auch auf dem Titelbild vermerkt ist). Die liebevollen und überaus niedlichen Zeichnungen stammen aus der Feder von Manfred Stanzels Schwester und ihrer Tochter.

Post vom Zebrafisch

Heute bekam ich elektronische Post von meiner lieben Freundin Karin Tauer, die in Lübeck das Atelier Zebrafisch führt.

Karin ist (u. a.) Illustratorin und hat das zauberhafte Titelbild für das Kurzgeschichtenbuch “Auf der Pirsch mit Knittelwirsch” gezeichnet.

Den Inhalt von Karins E-Mail finde ich so berührend, dass ich sie gefragt habe, ob ich den Text auf meinem Blog veröffentlichen darf. Ich darf! Und eine passende Illustration hat Karin auch gleich mitgeschickt.

Danke für deine wunderschöne Post, liebe Karin, ich freue mich, mit dir befreundet zu sein!

Mein lieber Norden,

nun sitze ich hier mit dir und wir wissen beide nicht so recht, wie es mit uns weitergehen wird.

Du, ein wunderschöner Landstrich, der gerade weder Küste noch all deine anderen Schönheiten mit vielen Besuchern teilen kann und ich, eine Zeichnerin, die dich so lieb gewonnen hat und dir eine kleine Hommage schenken möchte.

Du Norden mit deinen klaren Farben, deinem scharfen Wind, dem vielen Wasser. Du Norden, mit all deinen Bewohnern, den glücklichsten aller Deutschen, wenn man den Umfragen glaubt. Ich bin nicht hier hinein geboren, nicht hier aufgewachsen und nicht hier ausgebildet. Ich kam als fertige Erwachsene mit Hoffnungen, Zielen und Vorstellungen. Du hast mich mit offenen Armen empfangen, mir Respekt eingeflößt, mir Mut gemacht einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Immer schön bedächtig, nie zu schnell, aber auch niemals Stillstand.

Und nun stehen wir still.

Mein Geschäft ist geschlossen, die Bürgersteige hochgeklappt, Ängste halten Einzug in die Türen vieler charmanter Altstadthäuser. Manchmal habe auch ich Angst. Eine kurze Angst und dann weiß ich: ich habe schon soviel geschafft und es ist nicht die erste bedrohliche Krise, die mir begegnet. Untergehen werden wir nicht, vielleicht zweifeln, auch einmal klagen oder wütend sein, aber wir werden die Chance sehen, die in der Krise liegt. Vieles ist wohl anders, wenn wir aus dieser Phase wieder auftauchen, „anders“ kann aber auch Gutes beinhalten. Stück für Stück baue ich vielleicht das Alte wieder auf, nehme neue Anteile mit hinein oder erschaffe Neues. Ganz sicher entwickle ich mich weiter, werde noch stärker.

Mein lieber Norden, meine lieb gewonnenen Nordlichter, wir sitzen gemeinsam in dieser Krise und wir arbeiten uns auch gemeinsam wieder heraus. Lasst uns alle die Möglichkeit nutzen, die Anderen in neuem Licht zu sehen, uns zu stützen, gemeinsam zu hoffen, viel zu lachen und wenig zu jammern. Ihr seid mir wichtig mit eurer Klarheit und eurem manchmal etwas sprödem und gleichzeitig verbindlichem Charme. Wer den Weg in euer Herz geschafft hat, fliegt da so schnell nicht wieder raus. Wie schön ist es hier zu sein, mit, neben und zwischen euch.

Lasst uns gemeinsam diesem Sturm, der gerade über uns hinweg fegt, unsere Klarheit und unsere Stärke entgegensetzen.

Wir sind die Kapitäninnen & Kapitäne unseres Lebens!

Wie schön, dass es euch gibt!

Mit lieben Grüßen, den allerbesten Wünschen,
dem feinsten Lächeln und breitestem Grinsen,
dem stärksten Hoffen und wildestem Mut,
mit größtem Optimismus – denn alles wird gut!*

Karin Tauer

*vielleicht wird einiges auch anders, aber auch “anders” wird gut sein.