Welche Schrift für ein Buch?

Nimmt man einen Roman in die Hand, so ist der Buchinhalt meistens mit einer Serifenschrift gesetzt. Grund: Serifenschrift liest sich besser als Groteskschrift. Das liegt daran, dass die Serifen das Auge besser leiten. Für große Textmengen kommt also überwiegend eine Serifenschrift zum Einsatz.

Bei Sachbüchern dagegen ist es oft umgekehrt. Vielleicht auch wegen der “Sachlichkeit” des Themas – denn Groteskschriften wirken sachlicher. Wegen der fehlenden Serifen.

Es gibt unendlich viele Serifenschriften, ich zeige hier einige von den für Buchsatz gängigsten. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Schrift ist (nicht nur) Geschmackssache
Wie man sehen kann, gibt es mehr oder weniger deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schriftarten/Schriftschnitten. Manche gefallen mir persönlich nicht besonders gut, aber das ist Geschmackssache. Ich finde, die Didot liest sich nicht so gut wie die Janson. Relevant für die Wahl einer Schrift ist aber die Lesbarkeit.

Die Schriftgröße ist bei allen Beispielen dieselbe: 10 Punkt. Auch der Zeilenabstand ist derselbe: 14 Punkt. Trotzdem sieht man, dass manche Schriften mehr Platz brauchen als andere.

Mehr oder weniger Platz
Schriften haben bei derselben Größe und demselben Zeilenabstand meist eine andere Laufweite. Bei den gezeigten Schriftarten braucht am wenigsten Platz die Bernhard modern mit 202 Seiten. Die Baskerville ergibt 207 Seiten, die Didot 222 und am meisten Platz braucht die Walbaum mit 226 Seiten. Immerhin 10 % mehr bzw. weniger.

Seiten sparen oder generiern
Mit einer Schrift kann man kann also Seiten sparen oder welche generieren. Bei Wälzern über 500 Seiten ist es vielleicht angebracht, eine Schrift zu wählen, die enger läuft. Will man mehr Inhalt suggerieren, wählt man eine Schrift, die weiter läuft.

Hier ein kleiner Überblick, wobei zwei von den gezeigten Schriften fehlen. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Buchtypo

Fazit: Eine Schrift hat eine Hauptaufgabe: Sie sollte gut/angenehm zu lesen sein. Wenn sie zusätzlich subtile optische Botschaften vermittelt, umso besser. Aber Letzteres gilt weniger für Fließtext, sondern vor allem für Headlines und Buchtitel. Schrift spricht (sinngemäß zitiert), so sagte mein Typo-Professor Günter Gerhard Lange.
Günter Gerhard Langes Vorlesungen waren übrigens die am besten besuchten – weil er seine Vorträge immer sehr anschaulich und höchst unterhaltsam gestaltete. Noch während meines Studiums habe ich mich selbstständig gemacht, und wenn ich Typofragen hatten, durfte ich G.G.L. anrufen, und er stand mit mir seinem kompetenten Rat zur Verfügung. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar, denn so eine honorarfreie Dienstleitung ist nicht selbstverständlich.



PS: Die Initiale im obigen Text ist übrigens aus der Zallmann Caps gesetzt. Kreiert hat diese wunderschöne Zierschrift der Designer David Rakowski. Ich habe ihm eine Email geschickt und gefragt, ob und zu welchen Konditionen ich seine Schrift verwenden darf. Er hat prompt reagiert und mir erlaubt, die Schrift kostenlos zu verwenden. Thank you very much, David!

Verwandte Themen:
Typische Fehler beim Buchsatz

Anfängerfehler beim Buchsatz

Die armen Hurenkinder

Buchsatz und manuelle Bearbeitung

Weihnachtsgeschichte: Der ungeduldige Tannenbaum

Es war einmal … ein junger Tannenbaum, der in einem kleinen Wald zusammen mit vielen anderen Tannenbäumen lebte. Zur Adventszeit kamen viele Menschen und suchten sich einen Tannenbaum für das Weihnachtsfest aus. Der junge Tannenbaum beobachtete das Treiben und war enttäuscht, als die Menschen an ihm vorbeiliefen.

Keiner nahm Notiz von ihm. Dabei stand er extrem gerade und stellte seine Nadeln auf. Als auch die letzten mit einem Baum den Wald verließen, war der junge Tannenbaum traurig und weinte. Ein alter, verholzter Tannenbaum neben ihm fragte:

»Was bedrückt dich, kleiner Baum?«

»Ach«, jammerte der junge Tannenbaum, »ich wünsche mir, an Weihnachten in einem der prächtigen Häuser zu stehen und festlich geschmückt zu werden. Doch keiner nimmt mich mit.«

Der alte, weise Baum blickte nachdenklich vor sich hin. Nach einer Weile antwortete er:

»Warte ab, kleiner Tannenbaum. In jedem für dich jetzt vermeintlichen Übel steckt auch etwas Gutes.«

Kurz vor Heilig Abend, als alle anderen Menschen bereits einen Weihnachtsbaum aufgestellt hatten, liefen ein ärmlich gekleidetes Mädchen und ein Mann durch den Wald. Vor dem kleinen Tannenbaum blieb das Mädchen stehen und sagte:

»Papi, den Baum möchte ich haben.«

Enttäuscht flüsterte der kleine, junge Tannenbaum dem alten, weisen Baum zu:

»Jetzt komme ich in eine ärmliche, kalte Hütte statt in ein prächtiges Haus.«

»Warte ab, kleiner Baum, ich habe dir bereits erklärt, in jedem Übel steckt auch etwas Gutes«, tröstete der alte, weise Baum.

Der Vater des Mädchens nahm keine Axt, um den jungen Baum abzuholzen, sondern grub ihn vorsichtig aus. Der Tannenbaum war sehr verwundert.

Anschließend trug der Mann den Tannenbaum zu seiner Hütte. Dort pflanzte er ihn in einen großen Topf mit Erde und stellte ihn in die behaglich warme Wohnstube. Das kleine Mädchen schmückte ihn mit selbst gebastelten Strohsternen, Nüssen, Kerzen und Äpfeln.

Am Heiligen Abend entzündete die Familie die Kerzen auf dem Tannenbaum und sang feierliche Weihnachtslieder. Der kleine Tannenbaum erlebte ein harmonisches Weihnachtsfest in der behaglich warmen Wohnstube.

Nach Weihnachten pflanzte der Vater den Tannenbaum in die Erde vor die kleine Hütte. So war er immer in der Nähe seiner neuen Familie.

Während der kleine Tannenbaum prächtig gedieh, waren alle anderen seiner Artgenossen, die er einst so sehr beneidet hatte, längst einen schrecklichen Tod gestorben: Sie hatten ihre Nadeln verloren. Da erinnerte sich der junge Tannenbaum an den weisen, alten Tannenbaum, der gesagt hatte:

»In jedem Übel steckt auch etwas Gutes.«

Wie recht er hatte!


Die Geschichte stammt aus dem Buch “Märchenhafte Lichtblicke” von Karin Zimmermann. Ein wunderbares Geschenk- und Verschenkbuch – nicht nur zur Weihnachtszeit. Hier kann man es kaufen, und da es von der Autorin selbst verschickt wird, signiert sie es gern und schreibt auch sehr gern eine Widmung hinein.

Karins spezieller Adventskalender

Am vergangenen Freitag klingelte der Postbote und drückte mir ein Päckchen in die Hand. Absender: Karin Zimmermann, die Autorin von “Märchenhafte Lichtblicke”.

Neugierig habe ich das Päckchen geöffnet, und das darin gefunden:

Neugierig schnürte ich den hübschen Karton auf und habe das darin gefunden:

24 kleine bunte Umschläge. Für jeden Adventstag einen.

Und weil heute der 1. Advent ist, habe ich das erste Umschlägchen geöffnet und das darin gefunden:

Nun freue ich mich auf die weiteren 23 Umschlägchen und bin sehr gespannt, was für “Füllungen” Karin sich hat einfallen lassen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Karin! Du hast mir eine sehr große Freude mit deinem Adventskalender gemacht.

PS: Das Schokoladenpäckchen war natürlich nicht leer … und der Inhalt sehr lecker.

Kreissparkasse als neuer Vertriebskanal

Eben bekomme ich eine E-Mail von Timo Lämmerhirt. Er hat einen neuen Vertriebsweg für sein neues und erstes Buch “Meine Superhelden gegen Corona” aufgetan. Die Kreissparkasse Ostalb, die viele regionale Projekte unterstützt, verkauft ihren Kunden Lämmerhirts Neuerscheinung.

Hier der Pressetext:


Pressemitteilung
Telefon 07361 508-1433
holger.kreuttner@ksk-ostalb.de

Die Sparkasse unterstützt die Superhelden

Für ihre vielfältige, umfangreiche und verlässliche Unterstützung verschiedenster Projekte und Initiativen in der Region ist die Kreissparkasse Ostalb bekannt: vom Sport über Soziales, Umwelt, Bildung und Wissenschaft bis zu Kunst und Kultur. Nun investiert sie gar in echte Superhelden. In den Filialen Schwäbisch Gmünd (Sparkassenplatz), Lorch, Heubach, Straßdorf, Gschwend und Spraitbach wird künftig das Buchdebüt des Waldstetters Timo Lämmerhirt „Meine Superhelden gegen Corona – Ein Vierteljahr aus dem Leben eines Redakteurs“ für 9,90 Euro käuflich zu erwerben sein. „Ich bin natürlich überglücklich über die Unterstützung der Kreissparkasse Ostalb. Gerade in der aktuellen Zeit ist es schwierig, so ein Buch zu präsentieren, geschweige denn zu bewerben. Es ist toll, dass mein Buch nun in mehreren Filialen der Kreissparkasse zu haben sein wird“, sagt Lämmerhirt. Besonderen Dank schickte der Redakteur, beruflich vorwiegend im Sport beheimatet, an Markus Frei, den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Ostalb und Sparkassen-Pressesprecher Holger Kreuttner, die dieser Idee von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüberstanden.

Kreuttner ist ebenfalls Feuer und Flamme für die Präsentation des Buchs in den Sparkassenfilialen: „Mit Timo Lämmerhirt verbindet uns bereits eine jahrelange Partnerschaft und Zusammenarbeit, dazu eine sehr fruchtbare. In diesen doch eher unerfreulichen Zeiten hat er nun ein richtig cooles, unterhaltsames und kurzweiliges Buch geschrieben. Der Verkauf in unseren Filialen zeigt unsere regionale Verbundenheit: ein regionaler Autor und die regionale Sparkasse, das passt einfach – und hoffentlich gibt es hier auch viele regionale Leser“. Dieses Buch, so Kreuttner weiter, sei doch ein wenig Licht im Schatten dieser Corona-Zeit. Und so ist auch die Kreissparkasse Ostalb zu einem weiteren Superhelden für den Waldstetter Autor geworden – um in der Sprache des Autors zu bleiben.


Lämmerhirts zweites Buch ist übrigens bereits in Arbeit:

Coronazeit = Knittelwirschzeit

Die Bars sind zurzeit geschlossen, man muss sich also daheim einen hinter die Binde gießen. Höchste Zeit für den Knittelwirsch.

Wie man so einen Knittelwirsch mixt, hat mir der Erfinder des gleichnamigen Getränks, Luzius Flunk, verraten.


Knittelwirsch-Zutaten:
Rosé-Sekt
Eiswürfel
Aperol
spritziges Wasser
gerne auch eine Scheibe Orange

Die Zubereitung erfolgt gemäß der bevorzugten Geschmacksrichtung, des Gesundheitszustandes und/oder der temporären Gefühlslage.

Beim Geschmack ergeben sich drei Richtungen: spritzig und leicht (viel Wasser), erquickend und labend (viel Sekt), etwas süßer und stark (viel Aperol).

Beim Gesundheitszustand gibt es nur zwei Möglichkeiten: nicht so fit (mehr Wasser), topfit (wenig Wasser), hernach richtet sich die Mischung nach den Geschmacksvorlieben und der Gefühlslage.

Bei der Gefühlslage gibt es Folgendes zu beachten: scheiße drauf (viel Alkohol), gut drauf (viel Alkohol), nicht so gut drauf (viel Alkohol).

Bei der Menge kann natürlich variiert werden. Wir gehen mal von einem schönen Rotweinglas aus.

0,2 l Rosé-Sekt, 6-8 cl Aperol, einen Schuss Wasser, Eiswürfel und, wenn vorhanden, eine halbe Orangen-Scheibe.

Der beste Tipp zum Schluss: Auf die Farbe des Knittelwirschs achten. Je röter, desto stärker. Ebenso umgekehrt: Je blasser, desto schwächer.

Ein allerletzter Tipp: Getränk nach Gefühl mischen. Sollte es nicht schmecken, die jeweils fehlende Zutat zufügen.


Der Knittelwirsch-Erfinder hat – wen wundert’s – auch eine Website. Leider hat er versäumt, dort das einzigartige Knittelwirsch-Rezept zu veröffentlichen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Trumpelstilzchen ist gefeuert

Ich bin ein relativ unpolitischer Mensch. Betrachte mein Umfeld und das Weltgeschehen zwar aufmerksam und habe auch meine Meinung dazu, behalte diese aber meist für mich.

Heute allerdings mache ich eine Ausnahme, denn als gestern am späten Nachmittag die Nachricht kam, dass Biden neuer Präsident der USA wird, standen mir die Freudentränen in den Augen.

Amerika bekommt wieder einen Präsidenten, dem folgende Begriffe wichtig sind:

Respekt
Anstand
Wertschätzung
Aufrichtigkeit
Selbstkritik
Verantwortung
Empathie

Falls Trump diese Wörter überhaupt kennt, interessiert sie ihr Inhalt nicht, denn wie man über vier Jahre lang täglich beobachten konnte, ist dieser Mann:

machtgierig
geldgierig
eitel
verlogen
selbstsüchtig
realitätsfern
selbstverliebt
geltungssüchtig

In den vergangenen Tagen habe ich sehr viele Berichte über Trump und Biden im Fernsehen angeschaut. (Mediatheken sei Dank!)
Sie zeigen die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Männern, und ich bin wirklich sehr glücklich, dass ab Januar 2021 der Präsident der USA nicht mehr Trump, sondern Biden heißen wird. Ein Mann, dem der Begriff Ethik wichtig ist, und der sich bemüht, ihn auch zu leben.

PS: Dass das gefeuerte Trumpelstilzchen nach wie vor behauptet, die Wahl gewonnen zu haben wundert wohl niemanden …

Auf meinem privaten Blog habe ich in den vergangenen vier Jahren ein paar meiner Gedanken zu Trump veröffentlicht. Hier kann man sie nachlesen.

Ein Titelbild für ein Buch entsteht

Der Journalist Timo Lämmerhirt hat ein Buch geschrieben: Meine Superhelden gegen Corona. Für die Gestaltung des Titelbildes hatte er klare Vorstellungen – eine zusammen mit seiner Tochter gezeichnete Illustration einer Superhelden-Faust, die einem Corona-Virus droht.

Als ich die Illustration sah, wusste ich, die funktioniert nicht als Titelbild. Das sagte ich dem Autor, und erklärte es auch. Er habe schließlich kein Kinderbuch geschrieben, sagte ich. Mit einer zündenden Bildalternative konnte ich in diesem Moment allerdings nicht aufwarten.

Dann bekam ich eine E-Mail von einem Portal, wo ich öfter interessante und preiswerte Schriften kaufe. Bei den Angeboten sind stets anschauliche Beispiele der einzelnen Schriften dabei – so auch dieses Mal. Ich warf einen Blick auf Schriftbeispiele, dabei fiel mir eine ins Auge, und sofort wusste ich: Die grundsätzliche Titelidee war gefunden. Diese Comic-Superheld-Wumm-Blase mit der Schrift “Bombastic” ist perfekt für Lämmerhirts Buch.

Also schickte ich dem Autor eine E-Mail und schrieb: “Ich habe die perfekte Titel-Idee entdeckt.”

Danach telefonierten wir miteinander, und während des Telefonats schickte ich ihm obigen Screenshot. Denn ich wollte mit ihm sprechen – sobald er die Idee vor Augen hatte. Ich wollte seine spontane Reaktion erleben …

Erfreulicherweise teilte Lämmerhirt meine Meinung, dass die Wumm-Blase mit der Bombastic sich prima als Titelbild eignet. Ich kaufte die Schrift und machte mich an die Arbeit. Entwickelte eine Wumm-Blase und baute die Bombastic ein.

Das Ergebnis war schon ganz zufriedenstellend. Fand ich – und der Autor fand das auch.

Dann machte ich einen Spazierganz durch meinen Schriftenordner, der über zweitausend Schriften enthält. Ich wollte spielerisch sehen, ob ich vielleicht eine Schrift hätte, die sich noch besser eignet als die Bombastic. Es gab etliche, die infrage kamen, und ich baute sie in meinen Entwurf ein. Drei davon sind hier zu sehen.

Es dauerte nicht lange, und Lämmerhirt und ich waren uns einig: Wir nehmen nicht die Bombastic, sondern die Comics-Cartoon, weil sie markanter ist. Spitzer und weniger rund geschnitten, wodurch sie kräftiger und entschlossener wirkt. Also den Buchtitel besser repräsentiert.

Damit war die Sache mit dem Buchtitel eigentlich erledigt. Eigentlich! Denn wenn ich so in mich hineinhorchte, stellte ich fest, dass ich nicht wirklich zufrieden war. Irgendetwas fehlte. Ich überlegte und kam schließlich auf die Idee, in den Farbhintergrund ein Corona-Virus einzubauen. Fein und dezent, mit nur 15 % Deckkraft. Es sollte nicht ins Auge springen, sondern subtil wirken.

Ja, das war es, war noch gefehlt hatte. Ich war zufrieden mit dem Endergebnis, und Lämmerhirt freute sich: Frau Blaes, das ist ja ne coole Idee … meine Frau und ich haben sie in drei Sekunden durchgewunken.

PS: Die Zusammenarbeit mit Timo Lämmerhirt lief übrigens von der ersten Minute an sehr harmonisch. Und so gehen wir momentan das Folgeprojekt an. Welche Farbvariante wir nehmen, ist noch nicht entschieden …

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit

Dass ein Journalist weiß, wie effiziente Öffentlichkeitsarbeit aussieht, liegt in der Natur der Sache. Und so kann nicht nur Luzius Flunk alias Peter Mayer eine gute Medienresonanz für seine Knittelwirsch-Erlebnisse verzeichnen, sondern auch Timo Lämmerhirt mit seinem Buch “Meine Superhelden gegen Corona” – in dem er ein Vierteljahr aus seinem Leben mit Corona beschreibt.

Wo überall sein Buch vorgestellt wird, erfährt man auf seiner Lautstube-Website.

Public Relations, also Öffentlichkeitsarbeit, ist enorm wichtig für einen Autor. Wer nicht Fitzek, Schätzing oder Heidenreich heißt (alle drei hocken bei der Neuerscheinung eines Buches nahezu schon zwangsläufig in sämtlichen Talkshows der deutschen Fernsehsender), muss sich selbst darum kümmern, dass potentielle Leser von seinem Buch erfahren. Das bedeutet: Klinken putzen.

Im Klartext heißt das: mit allen (!) in Frage kommenden Medien Kontakt aufnehmen. Und das macht man am besten telefonisch. Man stellt sich als Autor vor, berichtet über sein neues Buch und stellt dann ziemlich schnell fest, ob Interesse besteht.

Bei regionalen Medien besteht erfahrungsgemäß großes Interesse, einen in der Region lebenden Autor und sein Buch den Lesern zu präsentieren. Persönliche Informationen und Hintergründe können in diesem Zusammenhang nicht schaden, im Gegenteil. Emotionen spielen in allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Menschen interessieren sich für Menschen. Das ist nun mal so.

Dass erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit Zeit kostet, versteht sich von selbst. Von nix kommt nix. Aber es ist ein wunderbares Gefühl, in einer Zeitung, einer Zeitschrift, im Radio oder sogar im Fernsehen sich und sein Buch zu sehen. Auch das liegt in der Natur der Sache. Denn jeder Mensch mag es, wenn er wahrgenommen wird. Wahrgenommen zu werden, ist essentiell für jeden Menschen. Nicht nur für Autoren …

Dusch mich, aber mach mich nicht nass

Regelmäßig bekomme ich Manuskripte von Autoren geschickt, mit der Bitte um meine “ehrliche” Meinung. Mittlerweile kann ich sagen, dass kaum einer von ihnen wirklich an meiner Meinung interessiert ist. Der Autor will nur eines hören oder lesen: Das Manuskript ist gut/prima/excellent.

Excellente Manuskripte sind rar. Prima Manuskripte ebenfalls. Gute Manuskripte sind auch dünn gesät. Das ist schade, denn würde ich mich freuen, mehr gute Manuskripte auf den Tisch zu bekommen.

Ein gutes Manuskript zu lesen, macht Spaß, manchmal bereitet die Lektüre sogar Freude. Aber diese Freude erlebe ich nicht oft. Das liegt zum einen daran, dass Schreibtalent nicht jedem in die Wiege gelegt wurde, trotzdem aber viele meinen, unbedingt ein Buch schreiben zu müssen. Zum Beispiel weil sie ein interessantes Leben haben; weil ihnen langweilig ist; weil sie glauben, ein zweiter Hemmingway/Steinbeck/King zu sein; weil sie ihre Lebensphilosophien oder Krankheitsgeschichten unters Volk bringen möchten … es gibt vielerlei Gründe, Autor zu werden. Nicht zuletzt auch der monetäre Aspekt, wobei eines klar sein muss: Vom Schreiben von Büchern leben zu können, ist eine Gunst, die nur wenigen zuteil wird.

Aber zurück zum Thema ehrliche Meinung. Meine Erfahrung ist, dass Autoren oft pikiert sind, wenn ich ihnen meine ehrliche/kritische Meinung mitteile.

Kostenlose Manuskriptprüfung?

Meine zweite Erfahrung ist, dass die Autoren, die ungefragt Manuskripte schicken, davon ausgehen, dass ich ihrem Werk erst meine Aufmerksamkeit schenke und mir dann auch noch die Mühe mache/Zeit nehme, meine Meinung zu formulieren. All das natürlich kostenlos.

Wer zum Anwalt geht, bezahlt pro Beratungsstunde mindestens 250 Euro – nach oben offen. Wer zum Zahnarzt geht, um sein Gebiss untersuchen zu lassen, weiß genau, dass er für diese Leistung eine Rechnung bekommt. Warum also kommen Autoren auf die Idee, eine Manuskriptprüfung sei honorarfrei? Ich weiß es nicht. Das ist die eine Sache.

Trugschluss Nr. 1
Die andere Sache aber ist, dass Autoren sauer sind, wenn ich angesichts ihres Manuskriptes nicht in Begeistungsstürme ausbreche, sondern Kritik übe. Und wenn ich das mache, sage ich auch immer, was mir nicht gefällt, und ich sage auch warum. Und das bedeutet meist, dass Arbeit ins Haus steht – für den Autor. Denn es ist nicht Aufgabe eines Lektors, aus einem nicht besonders guten Manuskript ein gutes zu machen. Aufgabe eines Lektors ist, aus einem guten Manuskript ein besseres zu machen.

Trugschluss Nr. 2
Da Autoren dazu neigen, in ihr Manuskript verliebt zu sein wie ein Primaner in seine erste Angebetene, hegen die meisten eine abgrundtiefe Abneigung gegen meinen Vorschlag, es zu überarbeiten. Denn viele Autoren meinen, nach dem Setzen des letzten Punktes sei ihre Arbeit getan, der “Rest” sei Sache des Lektors. Und das ist der zweite Trugschluss. Das Überarbeiten eines Manuskriptes ist in erste Linie Sache des Autors. Und meine persönliche Erfahrung ist, dass eine Überarbeitung nicht reicht; eine zweite ist auf alle Fälle anzuraten; eine dritte kann auch nicht schaden.

Fehler über Fehler

Den meisten Manuskripten sehe ich auf den ersten Blick schon an, dass keine Überarbeitung stattgefunden hat. Zum Beispiel dann, wenn sie von Fehlern nur so trotzen: Das statt dass – und umgekehrt. Falsche und/oder fehlende Kommasetzung. Grammatik- und Rechtschreibfehler. Und da sind wir schon beim dritten Trugschluss, denn Fehler zu eliminieren, ist Sache des Korrektors, nicht die des Lektors! Wobei ich auch bei meiner Lektoratsarbeit auf Fehler achte – als Autorenservice sozusagen.

Rechtschreibprüfung
Viele Autoren schreiben ihre Manuskripte mit WORD. Dieses Programm hat auch eine Rechtschreibprüfung. Die ist zwar miserabel, aber die gröbsten Fehler findet sie zumindest. Der Autor sollte sich also die “Mühe” machen, sein Manuskript erstmal durch die Rechtschreibprüfung laufen zu lassen, bevor er es einem Lektor übergibt.

Trockendusche
Wenn ich also solche Manuskripte angeschaut und dem Autor mitgeteilt habe, dass er es doch bitte sehr überarbeiten möge, stoße ich meist auf taube bzw. beleidigte Ohren. Von wegen: “Ich bitte um Ihre ehrliche Meinung …” Mein Fazit lautet: Die wenigsten Autoren möchte (m)eine ehrliche Meinung hören. Die meisten möchten lieber gebauchpinselt werden – ganz nach dem Motto: Dusch mich, aber mach mich nicht nass. Man kann zwar auch mit Regenschirm duschen, aber das Ergebnis dürfte nicht allzu befriedigend sein.

Genauso verhält es sich mit Manuskripten, die nicht ehrlich/kritisch bewertet werden. Davon hat nämlich niemand was; weder der Autor noch der Lektor.

Fazit: Ein Manuskript zu prüfen, kostet Zeit. Und wenn ich mich – zum Beispiel – eine Stunde lang mit einem Manuskript beschäftige, dann kostet das Honorar: EUR 125,00 + MwSt.