Zuschussverlage: der kleine Unterschied

Über Zuschussverlage habe ich mehrfach geschrieben – weil sie einen schlechten Ruf haben. Einerseits wird ihnen unterstellt, sie brächten nur solche Bücher raus, die bei “normalen” Verlagen keine Chance hätten, und zwar deshalb, weil die Manuskripte so miserabel seien. Das kann sein – aber definitiv nur teilweise. Über die Qualität eines Buches sagt ein renommierter Verlagsname allein noch nichts aus – wie wir ja alle wissen. Auf eine Aufzählung von “Schrott”-Büchern mit wohlklingendem Verlagsstempel verzichte ich. Wäre wohl auch ein Fall von Wettbewerbsverunglimpfung, außerdem sind die Geschmäcker ja verschieden.
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Die kürzeste Kurzgeschichte

kinderschuhe

“Zu verkaufen: Babyschuhe, nie getragen”

Das ist die vermutlich kürzeste Kurzgeschichte der Welt. Angeblich verfasst von Ernst Hemingway, der mit Autorenkollegen gewettet hatte, dass er eine Kurzgeschiche mit weniger als zehn Worten verfassen könne.

Hemingway hat die Wette gewonnen – und ich finde, zu recht.

Über weitere solcher kurzen Kurzgeschichten werde ich mir Gedanken machen. Denn ich finde die Idee klasse!

Offsetdruck oder Digitaldruck?

Als ich mich vor vielen Jahren mit einem Werbestudio selbstständig gemacht und für meine Kunden Drucksachen gestaltet habe, führte mich mein Weg sehr bald zu den Produktionspartnern, die da waren:

– Setzerei
– Lithoanstalt
– Druckerei

Dort habe ich mich schlau gemacht. Habe mit Mitarbeitern geredet, stand an Reprokameras und Druckmaschinen, habe viele Fragen gestellt und gelernt, auf welche Dinge es in den einzelnen Sparten ankommt.

Herkömmliche Setzereien gibt es wohl kaum noch – weil kaum einer noch Papierabzüge braucht. Wir Designer setzen unsere Texte längst mit dem PC.
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Welche Schrift für ein Buch?

Nimmt man einen Roman in die Hand, so ist der Buchinhalt meistens mit einer Serifenschrift gesetzt. Grund: Serifenschrift liest sich besser als Groteskschrift. Das liegt daran, dass die Serifen (ich nenne sie “Füßchen”) das Auge besser leiten. Für große Textmengen kommt also überwiegend eine Serifenschrift zum Einsatz.

Bei Sachbüchern dagegen ist es oft umgekehrt. Vielleicht auch wegen der “Sachlichkeit” des Themas – denn Groteskschriften wirken sachlicher. Wegen fehlender Serifen.

Es gibt unendlich viele Serifenschriften, ich zeige hier einige von den für Buchsatz gängigsten. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Schrift ist (nicht nur) Geschmackssache
Wie man sehen kann, gibt es mehr oder weniger deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schriftarten/Schriftschnitten. Manche gefallen mir persönlich nicht besonders gut, aber das ist Geschmackssache. Ich finde, die Didot liest sich nicht so gut wie die Janson. Relevant für die Wahl einer Schrift ist aber die Lesbarkeit.

Die Schriftgröße ist bei allen Beispielen dieselbe: 10 Punkt. Auch der Zeilenabstand ist derselbe: 14 Punkt. Trotzdem sieht man, dass manche Schriften mehr Platz brauchen als andere.

Mehr oder weniger Platz
Schriften haben bei derselben Größe und demselben Zeilenabstand meist eine andere Laufweite. Bei den gezeigten Schriftarten braucht am wenigsten Platz die Bernhard modern mit 202 Seiten. Die Baskerville ergibt 207 Seiten, die Didot 222 und am meisten Platz braucht die Walbaum mit 226 Seiten. Immerhin 10 % mehr bzw. weniger.

Seiten sparen oder generiern
Mit einer Schrift kann man kann also Seiten sparen oder welche generieren. Bei Wälzern über 500 Seiten ist es vielleicht angebracht, eine Schrift zu wählen, die enger läuft. Will man mehr Inhalt suggerieren, wählt man eine Schrift, die weiter läuft.

Hier ein kleiner Überblick, wobei zwei von den gezeigten Schriften fehlen. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Buchtypo

Fazit: Eine Schrift hat eine Hauptaufgabe: Sie sollte gut/angenehm zu lesen sein. Wenn sie zusätzlich subtile optische Botschaften vermittelt, umso besser. Aber Letzteres gilt weniger für Fließtext, sondern vor allem für Headlines und Buchtitel. Denn wie sagte mein Typo-Professor Günter Gerhard Lange: Schrift spricht eine Sprache (sinngemäß zitiert).



PS: Die Initiale ist übrigens aus der Zallmann Caps gesetzt. Kreiert hat diese wunderschöne Zierschrift der Designer David Rakowski. Ich habe ihm eine Email geschickt und gefragt, ob und zu welchen Konditionen ich seine Schrift verwenden darf. Er hat prompt reagiert und mir erlaubt, die Schrift kostenlos zu verwenden. Thank you very much, David!

Gemeuchelte Trottel?

troddel

Unser Gehirn ist genial, so genial, dass es zum Beispiel beim Lesen von Texten nicht auf Fehler achtet, sondern vorrangig darauf abzielt, den Text zu verstehen. Beim als Unterhaltung gedachten Lesen ist das wunderbar, beim Lektorieren ist genau das Gegenteil der Fall: es ist ärgerlich. Denn da passiert es zum Beispiel, dass das Wort “Chlor” im Zusammenhang mit Gesang übersehen wird. Und genau das ist mir passiert. Ich war so auf den Inhalt des Satzes konzentriert, dass mir das überflüssige L nicht aufgefallen ist, denn selbstverständlich sollte es “Chor” und nicht “Chlor” heißen. Erfreulicherweise ist meine Korrekturleserin darüber gestolpert …

Als ich vor einiger Zeit mit einem befreundeten Verleger über dieses Thema sprach, sagte er: “Ein Buch ohne Fehler ist ein Mythos.” Ich gebe ihm recht, denn in jedem Buch, das ich lese, finde ich Fehler, auch dann, wenn ich gar nicht nach ihnen suche. So auch gestern, und da fand ich einen wirklich amüsanten Fehler: An einer Lampe hingen Trottel(n).

Die Vorstellung, dass alle Trottel dieser Welt an Lampen aufgeknüpft werden, finde ich auf gewisse Weise verlockend, aber in diesem Fall waren wohl Troddeln gemeint. Man nennt sie auch Quasten, Bommel oder Puschel/Püschel. Das sind Ziergegenstände, die an allem möglichen Gegenständen baumeln: Vorhängen, Kissen, Uniformen, Trompeten etc. Und eben auch an Lampen.

Ich vermittle keine Druckaufträge!

Regelmäßig bekomme ich Anrufe oder E-Mails und werde nach “meiner” Druckerei in Polen gefragt. Dazu sage ich nicht nur am Telefon, sondern auch an dieser Stelle:

Ich vermittle keine Druckaufträge. Und ich gebe auch meine Kontaktdaten zu Druckereien nicht preis.

Warum?

Seit vielen Jahren arbeite ich mit Druckereien zusammen. In dieser Zeit bin ich an sehr vielen Druckmaschinen gestanden, habe sehr viele Gespräche mit Druckprofis geführt und sehr viele Erfahrungen gesammelt, was die Qualität von Druckereien betrifft. Das hat mich sehr viel Zeit gekostet – manchmal auch Lehrgeld.

Ich arbeite mit verschiedenen Druckereien zusammen. Auch mit deutschen. Denn es gibt nicht DIE Druckerei, sondern es gibt eine Druckerei für diese Anforderungen, und es gibt eine andere für jene.

Digital- oder Offsetdruck

So kommt es beispielweise darauf an, ob für ein Buchprojekt Offsetdruck nötig oder ob Digitaldruck auch reicht. Für Bücher mit Text ist Digitaldruck ausreichend; Laserdruck, oft auch der preiswertere Inkjetdruck. Für Bücher mit hochwertigen Fotos zum Beispiel kommt nur Offsetdruck infrage.

Soft- oder Hardcover
Dann kommt es auch darauf an, ob das Buch ein Soft- oder ein Hardcover bekommt. Bei Hardcovern arbeite ich seit in paar Jahren mit einer Druckerei in Osteuropa zusammen, die hervorragende Druckqualität liefert und sensationelle Preise hat. Außerdem spricht die dortige Ansprechpartnerin fließend Deutsch, und die Termine werden überpünktlich eingehalten. Alles zusammen eine nahezu unschlagbare Kombination.

Es gibt nicht DIE Druckerei, es kommt immer auf das Projekt an. Und die Auflage ist ebenfalls relevant.

Aber so oder so: Ich vermittle keine Druckaufträge, und ich verschenke die Adressen meiner Geschäftspartner nicht. Denn die sind Teil meines Betriebskapitals. Ideel zumindest. Warum sollte ich einen Teil meines Betriebskapitals verschenken? Kein vernünftiger Unternehmer macht das. Außerdem wäre es auch strafbar, denn persönliche Daten weiterzugeben, ist gegen das Datenschutzgesetz.

Übrigens: Die billigste Druckerei ist oft nicht die beste. Relevant ist das Preis-/Leistungsverhältnis. So manche Druckauflage musste ich wegen Mängeln zurückschicken. Und das ist immer mit Aufwand und Ärger verbunden. Zm Beispiel, wenn kurz vor Weihnachten ein Buch schlecht gebunden ist, weil der Buchbinder zu wenig Leim benutzt hat. Da nutzt dann auch der beste Druck nichts – wenn die Seiten beim Gebrauch auseinander fallen.