Welche Schriftart und Schriftgröße sollte man in einem Roman verwenden?

Welche Schriftart und Schriftgröße?

Auf die Frage, welche Schriftart und -größe man für einen Roman verwenden sollte, gibt es mehrere Antworten, insbesondere diese hier: auf alle Fälle keine Groteskschrift wie z. B. die Arial, Verdana oder Frutiger.

Groteskschriften

groteskschriften 1

Zum Vergrößern auf Bilder klicken

Groteskschriften haben keine Serifen, also keine kurzen und dünnen Linien unten und oben an den Buchstaben. Je nachdem, wo dieses Strichlein den Strich einer Glyyphe (Buchstabe) abschließt, nennt man sie Abschlussserife, Dachserife, Kopfserife, Querserife oder Standserife. Einen ausführlichen Artikel über die Serife gibt es im Typolexikon.

Serifenschriften

Hier zeige drei gängige Serifenschriften, die Garamond, die Minion und die Palatino.

serifenschriften

Die kleine Striche, auch Füßchen genannt, sind so eine Art Führungslinie für das Auge, eine Serifenschrift liest sich demzufolge besser als eine Groteskschrift, die keine Führungslinien hat.

Günter Gerhard Lange

Der Typodozent in meiner Zeit als Studentin hieß Günter Gerhard Lange, und seine Vorlesungen waren stets bis auf den letzten Platz ausgebucht. Manche Studenten fanden oft nicht mal einen Sitzplatz.

Günter Gerhard Lange, der ein weltweit bekannter und anerkannter Typospezialist war, hat immer wieder gesagt: “Schrift spricht.” Eine Schrift hat also eine Aussage, subtil zwar, aber wirksam. Deshalb ist der Umgang mit Schrift etwas für Menschen, die etwas davon verstehen, und man kann eine Schrift nicht beliebig gegen eine andere austauschen, es sei denn, man macht es bewusst.

Günter Gerhard Lange hielt launige Vorträge und war dementsprechend als Vortragsredner ein gern gesehener Gast, so auch hier gemeinsam mit mir zu sehen, bei einer Veranstaltung des Deutschen Kommunikationsverbandes, wo ich eine Zeitlang Vorstandsmitglied war.

lange

GGL liebte seinen Beruf, und er hat mich in meinen Anfangsjahren als selbstständige Grafikdesignerin in Typofragen beraten – ohne Honorar. Es hat ihm einfach Spaß gemacht, mir als junger Frau die Weihen der Typografie in der Praxis beizubringen.

Wenn ein Laie ein Buch gestaltet

Damals habe ich viel von dem deutschen “Typopapst” gelernt, von dem ich bis heute profitiere. Und so schlage ich immer wieder die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich so manches Buch eines Selfpublishers in die Hände bekommen – weil schon auf dem Titel auffällt: Da war ein Laie am Werk! Schlechte Schriftwahl, schlechte Schriftverteilung, zu viele unterschiedliche Schriften …

Ich habe keine Ahnung warum, aber viele Laien wählen als Gestaltungsschrift die Arial, eine Allerwelts-Groteskschrift. Mit der Arial “gestaltet” man nicht, sondern informiert lediglich. Als Designschrift setze ich persönlich sie nie ein, denn es gibt deutlich schönere Groteskschriften, zum Beispiel diese hier – im Vergleich zur Arial gezeigt.

buecher

Schriftgröße 1. Zeile: 34 Punkt
Schriftgröße 2. Zeile: 20 Punkt

Wie man an diesem Beispiel auch sehen kann: Schriftschnitte sind oft unterschiedlich groß.

kiona

Die KIONA hat nur Großbuchstaben, eignet sich also nicht für Fließtext, aber mit ihr könnte man sehr schön einen modern gehaltenen Buchtitel gestalten.

Schriftart und Schriftgröße

Doch zurück zum Anfang: Welche Schriftart und Schriftgröße soll man für einen Roman wählen. Ich empfehle stets eine Serifenschrift, zum Beispiel diese hier:

Buchseite

Es handelt sich um die Adobe Garamond Pro. Die Schriftgröße beträgt 10 Punkt, der Zeilenabstand 14 Punkt.

Zeilenabstand

Der Zeilenabstand spielt auch eine wichtige Rolle. Ist er zu eng, liest sich der Text nicht gut. Hier zwei Vergleiche mit der Minion Pro.

10 12 punkt

Minion Pro, 10 Punkt, 12 Punkt Zeilenabstand

10 14 punkt
Minion Pro, 10 Punkt, 14 Punkt Zeilenabstand

Ich finde, der Text mit dem Zeilenabstand von 14 Punkt liest sich angenehmer als der mit 12 Punkt.

Buchstabenzahl pro Zeile und Zeilen pro Buchseite

Was auch noch beachtet werden sollte: Die

– Buchstabenzahl pro Zeile und

– Zeilen pro Taschenbuchseite.

Eine Zeile sollte ungefähr 60 Buchstaben haben, eine Buchseite (Taschenbuchformat) ungefähr 30 Zeilen. Diese Werte lesen sich erfahrungsgemäß am angenehmsten, wobei sich beide Parameter aus dem Satzspiegel ergeben. Denn bei einer zu breiten Zeile erfasst das Auge den Text nicht auf einmal, sondern muss springen. Das erschwert das Lesen. Aus diesem Grund sollten Fließtextblöcke grundsätzlich nicht breiter als 12 cm sein (nicht nur in Büchern).

3 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag, der hoffentlich einige Autoren/Selbstverleger zu mehr Sensibilität bei der Typographie ermuntert. Man mag den Hobbyautoren aber gar keine Vorwürfe machen, wenn man sieht, wie schlampig selbst etablierte Verlage oft damit umgehen. Gerade bei Taschenbüchern wird manchmal der Text gnadenlos in eine vorgegebene Seitenzahl gepresst, ohne Rücksicht auf Schriftbild ud Lesbarkeit.

  2. Da gebe ich dir recht, lieber Leo. Was mir auch immer mehr auffällt: kopierte/gescannte Texte bei Folgebüchern. Die Qualität ist unterirdisch schlecht. Und wie du schreibst: Da mischen renommierte Verlage mit!

  3. Interessant, ich hatte immer den Groteskschriften den Vorzug gegeben. Aber so lernt man wieder dazu. Danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert