Ich gebe zu: Ich klaue Ideen. Ich bezahle sogar dafür.
„KI klaut!“ Das hört man oft von KI-Gegnern. Ich gestehe: Ich bin auch ein Ideendieb!

In meinem Regal stehen jede Menge teurer Designbücher. Ich habe sie aus einem einzigen Grund gekauft: um mich inspirieren zu lassen. Ich blättere darin, schaue mir Buchcover, Titelbilder, Typografie, Werbung, Farben und Bildaufbau an.

Und manchmal denke ich: „Prima Idee.“ Und die „klaue“ ich dann. Die Grundidee! Nicht das komplette Cover oder das gesamte Bild. Aber die kleine, feine Idee, die dahintersteckt, bringt mich wiederum auf eine Idee. Eine Farbkombination vielleicht. Die Art des Bildaufbaus vielleicht. Die Art, wie Bild und Schrift zusammenspielen, vielleicht. Oder vielleicht nur die Atmosphäre, die dahintersteckt. Oft ist es auch ein Puzzle aus allem.
Aus dieser Inspiration durch eine Bildidee entwickle ich meine eigene Idee. Ich gestalte mein eigenes Bild.
Und genau dafür habe ich all diese teuren Bücher gekauft. Und genau deshalb gibt es sie auch: zur Inspiration.
Manchmal brauche ich nicht einmal ein Designbuch. Ich fahre einfach die Autobahn entlang, sehe eine Werbung an einem Lastwagen und denke: „Verdammt. Das ist gut.“

Übrigens: Auch Eröffnungssequenzen von Filmen und Serien inspirieren mich. Bei Netflix sehe ich immer wieder einen Vorspann mit hochinteressanter Typografie, Bildsprache, Farben und Kompositionen jeglicher Art. Ich nehme es wahr und irgendwann fließt vielleicht etwas davon in meine eigene Gestaltung ein.
Auch das ist Inspiration. Die Idee bleibt hängen. Habe ich die Idee geklaut? Oder habe ich mich inspirieren lassen?
Und was macht die KI?
Vereinfacht gesagt, hat auch eine KI ein gigantisches „Regal“ voller Beispiele. Sie wurde mit sehr vielen Bildern, Texten und anderen Inhalten trainiert und hat dabei Muster und Zusammenhänge gelernt.
Wenn ich ihr sage:
„Mach mir ein düsteres Buchcover mit einer einsamen Straße, Nebel und roter Schrift“
geht sie nicht zum Regal und zieht ein Cover heraus. Sie erzeugt einen neuen Vorschlag auf Grundlage dessen, was sie aus unzähligen Beispielen gelernt hat.
Das ist natürlich nicht dasselbe wie menschliche Kreativität. Eine KI hat kein Bücherregal, das sie bewusst aufschlägt, und keine persönliche Erinnerung daran, warum ihr ein bestimmtes Cover gefallen hat. Aber eines ist wichtig:
Lernen anhand vorhandener Beispiele und Kopieren eines vorhandenen Werkes sind zweierlei Stiefel.
Bestimmt gibt es Fälle, in denen ein KI-Ergebnis einem bestehenden Werk sehr ähnlich oder sogar nahezu identisch ist. (Wenn ich mir bei Amazon die Buchcover anschaue, frage ich mich allerdings oft: Wer hat hier von wem geklaut? Aber das nur nebenbei …)
Natürlich ist die Frage, ob und unter welchen Bedingungen urheberrechtlich geschützte Werke für das Training verwendet werden dürfen, eine berechtigte rechtliche und gesellschaftliche Frage. Ich kann sie allerdings nicht beantworten. Das müssen Fachleute machen.
Aber pauschal zu sagen: „KI klaut Ideen“ ist mir zu simpel.
Denn auch wir Menschen sind keine leeren Blätter. Wir sehen Dinge. Wir sehen Bilder. Wir schauen Filme. Wir lesen Bücher. Wir lassen uns beeinflussen. Wir speichern Eindrücke. Wir kombinieren sie. Und meist entsteht daraus etwas Neues.
Mein ganz persönliches Gehirn-Regal ist deshalb voller „geklauter“ Ideen. Für manche davon habe ich sogar Geld bezahlt. Oder, etwas weniger provokant gesagt:
Ich habe dafür bezahlt, mich inspirieren zu lassen.
Und nun frage ich mich: Wer kann sagen, seine Idee käme einzig und allein von ihm selbst?
Wer das behauptet, belügt nicht nur sich selbst.
Denn auch Intuition lernt aus Erfahrung.

Ich kopiere nicht die Ideen anderer Anbieter, sondern nutze sie, um meinen eigenen Ideen und MEINEN Stil in ein Projekt einzubringen.
Genau!