Über den Unterschied zwischen Applaus und Wertschätzung

Applaus ist laut. Wertschätzung ist leise.

Ich brauche keinen Applaus. Ich möchte auch nicht auf ein Podest gestellt werden, bewundert oder mit Lob überschüttet werden. So was ist mir sogar unangenehm.

Was ich brauche, ist etwas ganz anderes: Wertschätzung.

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Autoren. Ich lektoriere, korrigiere, begleite Buchprojekte, telefoniere, schreibe unzählige E-Mails, denke mit, mache Vorschläge, suche Lösungen, biete Titelbildideen und kümmere mich um vieles, was außerhalb der eigentlichen Manuskriptveröffentlichung liegt. Ich mache das gern. Mit Engagement, mit Leidenschaft und mit meinem Anspruch an mich selbst, bestmögliche Arbeit abzuliefern.

Aber ich bin kein Automat, keine KI. Hinter meiner Arbeit steckt ein Mensch. Der Mensch heißt Renate Blaes. Und diese Frau ist jemand, der Zeit, Wissen, Erfahrung und immer eine gehörige Portion Herzblut in jedes einzelne Buchprojekt investiert.

Warum fehlende Wertschätzung verletzen kann

Und oft frage ich mich: Wird das wertgeschätzt?

Vor einiger Zeit habe ich ein Manuskript mit rund 500 Seiten bearbeitet. Am Ende habe ich über 13.000 Korrekturen durchgeführt. Eine enorme Arbeit, die Konzentration, Sorgfalt und Zeit erfordert. Das bearbeitete Manuskript ging an den Autor zurück.

Und dann? Keine Empfangsbestätigung. Kein kurzes Dankeschön. Nicht einmal ein Satz, der erkennen ließ, dass meine Arbeit überhaupt wahrgenommen worden war.

Das hat mich gekränkt.

Nicht, weil ich Beifall erwartet hatte. Nicht, weil ich für meine Arbeit nicht bezahlt worden wäre. Sondern weil ich mir eine kleine menschliche Geste gewünscht hätte. Ein einfaches: »Vielen Dank für Ihre Arbeit.«

Ist das zu viel erwartet? Ich finde nicht.

Wertschätzung hat nichts mit Schmeichelei zu tun. Sie bedeutet auch nicht, jemanden auf ein Podest zu stellen. Sie bedeutet, die Leistung des anderen wahrzunehmen. Zu erkennen, dass er sich engagiert hat. Dass er etwas geleistet hat. Dass seine Arbeit nicht einfach vom Himmel gefallen ist.

Dankbarkeit zeigen: kleine Gesten, große Wirkung

Die Autorin Sybille Schmitz schrieb mir nach unserer Zusammenarbeit eine persönliche Referenz. Sie erinnerte sich an unsere vielen E-Mails und Telefonate, an den intensiven Austausch und daran, wie ihr (wunderbares) Kinderbuch schließlich fertig war. Sie berichtete über meine Professionalität, meine Erfahrung und davon, wie glücklich sie über ihre Entscheidung war, mit mir zusammenzuarbeiten.

schmitz

Das hat mich berührt. Das hat mich sogar sehr berührt. Und es berührt mich auch heute noch. Nicht, weil ich mich gern selbst gelobt sehe. Sondern weil ich gespürt habe: Sybille hat wahrgenommen, was ich eingebracht habe. Nicht nur das fertige Buch, sondern auch den Weg dorthin. Die Zusammenarbeit. Das Engagement. Die vielen kleinen, aber sehr wichtigen Dinge, die so ein Buchprojekt vom Manuskript zum fertigen Buch ausmachen.

Im Grunde ist es ganz einfach: Wir alle möchten wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Wir möchten spüren, dass das, was wir für andere tun, nicht als selbstverständlich eingestuft wird. Wir möchten erleben, dass unser Engagement gesehen und wertgeschätzt wird. Dass jemand nicht nur nimmt, sondern auch mal innehält und „Danke“ sagt.

Dabei bedarf es keiner großen Geste. Ein paar aufrichtige Worte reichen völlig aus.

Vielleicht sollten wir uns hin und wieder fragen, wie selbstverständlich wir die Leistungen und die Hilfsbereitschaft anderer Menschen nehmen. Wie oft wir vergessen, dass hinter jeder Arbeit, jeder Unterstützung und jeder Aufmerksamkeit ein Mensch steht.

Ich selbst sage sehr gern Danke, und ich mache es täglich. Denn es ist ein sehr schönes Gefühl, Wertschätzung zu empfinden – und vor allem: zu zeigen. Wertschätzung tut dem Empfänger gut. Dem Absender aber auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert