Meine Erfahrung mit einer Berechtigungsanfrage von »Copytrack« im Zusammenhang mit »Concept-Production«
Im Rahmen meiner Nutzung von Stockfotos habe ich eine sogenannte »Berechtigungsanfrage« für ein Foto erhalten, das ich 2020 über meinen Premium-Account bei dem Fotoportal Freepik heruntergeladen habe. Hier der Ablauf.
Hintergrund
Urheber des Gurkenfotos ist lt. meinen Metadaten Yeko Photo Studio und ich habe es über meinen Freepik-Premium-Account im Jahr 2020 rechtmäßig heruntergeladen.

Damals habe ich es in einem Blogartikel auf meinem Kochlustblog veröffentlicht. Es könnte sich aber genauso gut um ein Foto für eines meiner Bücher handeln. Um dieses beispielsweise:

Natürlich habe ich auch für dieses Foto die Nutzungsrechte. Denn weil ich selbst viele eigene Fotos und Texte im Internet veröffentliche, ist mir sehr wichtig, dass ich sämtliche Fotos von anderen Fotografen legal nutze. Was ich übrigens jedem empfehle. Die allgemein verbreitete Geiz-ist-Geil-Mentalität ist mir zuwider.
Eingang der Berechtigungsanfrage
Vor einigen Tagen erhielt ich eine »Berechtigungsanfrage« von Concept-Production über Copytrack. In der Anfrage wurde ein möglicher Verstoß gegen Urheberrechte erwähnt.

Daraufhin habe ich nach einem Nachweis der Rechte von Concept-Production gefragt. Den bekam ich einen Tag später.
Ist der Nachweis wirklich ein Nachweis?
Der Nachweis bestand in einer Bestätigung von einer Person, die sich als CEO von »Fotolia Stock ACQ« ausgab.

Weiterhin hat der Dayang »bestätigt«, die Rechte von Yeko Photo Studio erhalten zu haben.

- Diese Bestätigung ist für meine Zwecke nicht belastbar, da 1.) Fotolia seit 2019 nicht mehr besteht und 2.) die Unterschrift nicht nachweisbar echt ist.
- Die im Screenshot gezeigte Formulierung ist kein Nachweis, sondern lediglich eine Behauptung.
- Die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen ist juristisch nicht haltbar, denn Schadenersatzansprüche kann nur jemand geltend machen, der über die ausschließlichen Nutzungsrechte verfügt. Die hat Concept-Production offensichtlich nicht, denn das fragliche Foto wird auch auf anderen Portalen angeboten.



Bei wem liegt die Beweislast?
Die rechtliche Situation ist eindeutig:
Nicht ich muss nachweisen, dass ich das Foto verwenden darf.
Concept-Production (oder Copytrack) muss nachweisen, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, weil es die exklusiven Rechte besitzt.
Der Nachweis ist nicht erfolgt, demzufolge ist die Forderung unbegründet.
Erkenntnis
- Auch legal genutzte Stockbilder können automatisch von Monitoring-Diensten erkannt werden.
- Lizenznachweise sind entscheidend und sollten sorgfältig dokumentiert werden.
Aber trotzdem: Wie läuft das ab?
Wie Copytrack Bilder findet
Copytrack arbeitet nicht nur auf Anfrage eines Fotografen, sondern sucht auch aktiv das Internet nach Bildern ab. Das passiert auf mehreren Wegen:
- Crawler/Spider: Copytrack hat Bots, die Webseiten durchsuchen – ähnlich wie Google. Diese Bots »lesen« die Inhalte der Seite und speichern die Bilder in einer Datenbank.
- Vergleich mit Referenzdatenbanken: Copytrack speichert oder hat Zugriff auf große Sammlungen von Originalbildern, die von Fotografen oder Agenturen hochgeladen werden. Dann werden Bildvergleichs-Algorithmen genutzt, um Übereinstimmungen zu erkennen (ähnlich wie Reverse-Image-Search).
- Algorithmen für Ähnlichkeitserkennung: Auch leicht veränderte Versionen eines Fotos (z. B. beschnitten, verkleinert, Filter) können erkannt werden.
Also: Keiner muss selbst explizit das Bild »melden« – Copytrack entdeckt das Foto automatisch, auch wenn es schon Jahre online ist.
Warum auch alte Bilder plötzlich überprüft werden
- Aktive Nachverfolgung: Viele Stockfotografen oder Rechteinhaber melden regelmäßig ihre Bilder, auch ältere, damit jede Nutzung überprüft werden kann.
- Neue Partnerschaften: Copytrack arbeitet oft mit Stockagenturen oder Rechteverwertern zusammen. Wenn ein Bild plötzlich in deren Datenbank auftaucht oder neu registriert wird, beginnt die automatische Überwachung.
- Technische Updates: Bildsuchalgorithmen werden verbessert, sodass Bilder, die zuvor nicht erkannt wurden, plötzlich gefunden werden.
Warum das gerade mir passiert ist
- Mein Gurken-Foto ist seit 2020 auf meinem Blog online. Copytrack erkennt es durch einen Reverse-Image-Search-Abgleich.
- Concept-Production gibt vor, Rechte zu besitzen. Copytrack überprüft daher, welche Websites das Foto zeigen, und verschickt »Berechtigungsanfragen« – unabhängig davon, ob ich die Lizenz legal besitze.
Kurz gesagt: Es muss kein Fotograf aktiv nach meinem Blog gesucht haben. Es reicht, dass das Foto in einer Datenbank ist, die Copytrack überwacht. Sobald das Gurkenfoto online auftaucht, wird es automatisch erkannt.
Alte Fotos werden automatisch überwacht
Copytrack und ähnliche Dienste arbeiten nicht nach Datum, sondern nach Bildinhalten. Das heißt:
- Wann ein Bild erstellt wurde, ist für die Algorithmen irrelevant.
- Sobald ein Bild irgendwo online auftaucht – z. B. auf einem Blog, einer Website oder in sozialen Medien – wird es von den Crawling-Algorithmen indexiert.
- Selbst wenn das Bild jahrelang unbehelligt genutzt wurde, kann es plötzlich erkannt werden, sobald die Datenbank von Copytrack aktualisiert wird oder das Bild in einer »Referenzsammlung« auftaucht.
Warum alte Fotos plötzlich geprüft werden
Neue Registrierung bei Stockagenturen oder Rechteverwertern
- Manche Fotografen oder Agenturen melden ihre alten Bilder erst Jahre nach der Erstellung bei Überwachungsdiensten.
- Sobald ein Bild in die Datenbank aufgenommen wird, beginnen automatische Abgleichprozesse, die auch alte Verwendungen erkennen.
Partnerschaften zwischen Copytrack und Agenturen
- Copytrack arbeitet oft mit Stockportalen zusammen. Wenn ein Portal alte Bilder neu katalogisiert oder aktualisiert (z. B. Metadaten, Lizenzinformationen), werden diese Bilder aktiv überwacht.
Algorithmische Updates/verbesserte Erkennung
- Copytrack aktualisiert regelmäßig seine Bildvergleichssoftware. Bilder, die früher übersehen wurden, können plötzlich erkannt werden, z. B. bei leicht veränderten Versionen (beschnitten, verkleinert, farblich angepasst).
Reverse-Image-Search und öffentliche Indexierung
- Copytrack scannt nicht nur Stockportale, sondern auch Google, Blogs, Social Media usw.
- Das Gurkenfoto kann zufällig über die Jahre hinweg irgendwo indexiert worden sein (Google, Pinterest, Blogrolls), sodass es jetzt bei einem automatischen Abgleich auftaucht.
Das bedeutet
- Alte Fotos sind genauso »gefährdet« wie neue: Ein Bild von 2020 kann heute eine Berechtigungsanfrage auslösen, auch wenn es jahrelang problemlos genutzt wurde.
- Lizenznachweise sind entscheidend: Ich kann nachweisen, dass ich das Foto legal erworben habe.
Kurz gesagt: Copytrack »entdeckt« alte Fotos nicht, weil sie plötzlich illegal sind – sondern weil die automatischen Überwachungs-Algorithmen sie jetzt erstmals identifizieren. Die Nutzung ist rechtlich völlig in Ordnung, solange man einen Lizenznachweis hat.
Vorgehensweise
Copytrack verschickt in der Regel keine klassischen Abmahnungen, sondern sogenannte Berechtigungsanfragen:
- Sie formulieren es vage: »Möglicherweise verwenden Sie ein Bild ohne Erlaubnis.«
- Es wird keine direkte Urheberrechtsverletzung behauptet.
- Ziel: Angst erzeugen, damit viele Empfänger reflexartig reagieren.
Abmahnungen unterliegen strengen rechtlichen Anforderungen.
- Falsche oder unbegründete Abmahnungen können rechtliche Konsequenzen für den Absender haben.
- Mit vagen Formulierungen kann Copytrack juristisch sicher auftreten, ohne dass ein Richter eingeschaltet werden muss.
Warum alte Bilder plötzlich interessant sein können
Auch Fotos, die z. B. 2020 erstellt wurden, werden interessant, weil:
Automatisierte Erkennung: Die Software entdeckt das Bild erst jetzt, z. B. nach Updates der Algorithmen.
Neue Einträge in Referenzdatenbanken: Ein Stockfoto wird erst Jahre später bei einer Agentur, einer Datenbank oder einem Partnerdienst neu gelistet.
Mehr Nutzer = mehr Chancen: Ältere und oft weit verbreitete Bilder tauchen auf vielen Websites auf. Je größer die Streuung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein automatisches System sie entdeckt.
Psychologische Strategie
Die Berechtigungsanfragen zielen auf psychologische Faktoren:
- Druck erzeugen: Die Sprache wirkt juristisch, obwohl sie keine rechtliche Forderung darstellt.
- Schnelle Zahlung anregen: Viele Empfänger zahlen lieber kleine Summen, um vermeintliche Kosten zu vermeiden.
- Beweislast verschieben: Copytrack verlangt oft Nachweise, dass du die Lizenz besitzt. In Wirklichkeit müsste der Rechteinhaber erst beweisen, dass du sie nicht hast und dass er die exklusiven Rechte besitzt.
Vorteile für Copytrack und Auftraggeber
- Automatisierung: Ein Bot überwacht Tausende alte Bilder und verschickt automatisch Anfragen.
- Geringes Risiko: Solange die Formulierungen vage bleiben, hat Copytrack selbst keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten.
- Hohe Erfolgsquote: Viele Empfänger reagieren aus Angst oder Unsicherheit.
Was man daraus lernen kann
- Alte Fotos sind genauso »gefährdet« wie neue, aber Legalität schützt dich, wenn du Lizenznachweise hast.
- Vage Berechtigungsanfragen müssen nicht ignoriert werden, aber sie sind keine Beweise für Rechtsverstöße.
- Die Kernfrage ist immer: Wer hat die exklusiven Rechte? Nur das zählt juristisch.
Fazit:
Copytrack und ähnliche Dienste reagieren automatisch auf neue oder alte Bilder, die irgendwo online auftauchen. Die Berechtigungsanfragen sind eher eine psychologische Taktik als ein Beleg für einen Rechtsverstoß. Solange man die Lizenz nachweisen kann, besteht kein Risiko.
Alles in allem: Jeder, der ein Stockfoto veröffentlicht (ob auf seiner Website oder sonstwo, in einem Buch zum Beispiel), sollte immer über eine nachweisbare Lizenz verfügen.
Und die sollte er an einem leicht auffindbaren Ort speichern. Denn Internet-Abzocker vermehren sich von Tag zu Tag mehr. So bekomme ich z. B. täglich E-Mails, in denen ich aufgefordert werde, Accounts, Berechtigungen, Zugangsdaten oder Ähnliches zu aktivieren.
So eine Aktivierung mache ich NIE über den in der E-Mail angebotenen Link, sondern – falls nicht offensichtlich ist, dass es sich um eine Spam-Mail handelt – nur über das Login im jeweiligen Konto.
So bekomme ich beispielsweise täglich Mails von Banken, bei denen ich gar kein Konto habe. Falls ich eine Mail von meiner realen Bank bekomme, logge ich mich dort über die URL ein, niemals über einen Link in einer E-Mail.
Alles in allem:
– nicht einschüchtern lassen von scheinbar juristischen Formulierungen
– nachdenken
– recherchieren
– Beweislast umkehren




