Eine Autorin hat Kontakt zu mir aufgenommen, weil sie ihren vor Jahren bei einem renommierten Verlag erschienen Roman neu auflegen möchte. Die Rechte liegen wieder bei ihr.

Bevor sie meine Homepage entdeckte, hat sie eine Kalkulation bei einem bekannten Zuschussverlag machen lassen. Diese hier:

kalkulation
zum Vergrößern auf Bild klicken

Zu dieser Kalkulation gibt es einiges anzumerken:
1. Startauflage mit 1.000 Stück ist “gewagt”. Gewagt deshalb, weil 1.000 Bücher sich nicht so schnell mal verkaufen, und man lieber mit einer kleineren Auflage anfängt.

2. Format DIN A5. Unattraktives Nullachtfuffzehn-Format, auf keinen Fall ein Taschenbuchformat!

3. + 3 a) Der Autor erhält 30 % vom Handelspreis, also von dem Betrag, den der Buchhändler bezahlt. € 9,80 abzüglich 40 % Buchhandelsrabatt = € 5,88. Davon 30 % sind: € 1,76.
Er bekommt pro verkauftem Buch also € 1,76.

Verkauft der Verlag tatsächlich die volle Auflage (970 Stück = 1.000 abzüglich 30 Autorenexemplare), erhält der Autor € 1.707,20.

Bezahlt hat er aber € 8.596,17 (€ 8.366,11 + € 230 € für farbigen Buchumschlag).

Das Verlustgeschäft beträgt also € 6.888,97

4. Dafür hat er 30 Belegexemplare bekommen, bezahlt pro Buch also € 229,63!

Der Verlag hingegen hat ja nicht nur die € 8.596,17 (abzüglich Druckkosten) eingestrichen, sondern zusätzliche € 3.996,40 durch den Buchverkauf. Immer ausgehend davon, dass die gesamte Auflage verkauft wurde.

5. Noch abstruser ist Variante 2. Dort kassiert der Verlag € 6.903,19 + € 230,00 für farbigen Umschlag = € 7.133,19. Der Autor bekommt Honorar erst ab dem 1001. Exemplar. Verdient also erst mal gar nichts, sondern bekommt lediglich 20 Belegexemplare. Bezahlt pro Buch also € 356,66!

Der Verlag dagegen kassiert zusätzliche € 5.762,40 durch den Buchverkauf.

6. Völlig abwegig ist Variante 3 im Digitaldruck. Digital druckt man normalerweise Kleinauflagen, also bis maximal 300 Stück.

7. Weil diese Variante aber für Digitaldruck kalkuliert wird, setzt der Verlag den Verkaufspreis auf € 14,90 – für ein 160-Seiten-Taschenbuch. Was sehr viel ist für ein relativ dünnes Taschenbuch. Über 12 Euro sollte so ein Buch auf keinen Fall kosten.

8. Gehen wir nun aber davon aus, dass der Verlag tatsächlich 1.000 Bücher verkauft, dann verdient nur einer: der Verlag nochmal € 7.524,00 durch den Buchverkauf. Der Autor verdient keinen Cent, sondern bekommt für € 6.096,81 lächerliche zehn Bücher, zahlt also pro Buch also € 609,69!


Dass es angesichts solcher (aussagekräftigen) Zahlen Autoren gibt, die derartige Summen auf den Tisch blättern, ist mir ein Rätsel. Haben die keinen Taschenrechner?


Mehr zum Thema:
Über Zuschussverlage-3
Über Zuschussverlage Nr. 2
Artikel über Zuschussverlage im “Literaturcafé”

Kalkulation eines Zuschussverlages
Markiert in:            

21 Kommentare auf “Kalkulation eines Zuschussverlages

  • Pingback: Interessante Kalkulation eines Zuschussverlages |

  • 8. September 2013 bei 21:58
    Permalink

    Danke für die interessanten Zahlen! Sind die repräsentativ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Hartmut M.

  • 10. September 2013 bei 12:25
    Permalink

    Auf gewisse Weise sind die Zahlen schon repräsentativ. Sie liegen im Durchschnitt der üblichen Zuschussverlage. Es gibt welche, die verlangen einen Tausender weniger, es gibt andere, die verlangen einen oder mehrere Tausender mehr. In Frankfurt gibt es einen namhaften Zuschussverlage, der wollte für ein Fachbuch von 200 Seiten 11.000 Euro (in Worten: elftausend). Die angebotenen Leistungen waren ziemlich ähnlich wie die oben aufgeführten.
    Am besten ist, mal nach dem Begriff “Zuschussverlag” googeln. Da findet man auch interessante und aufschlussreiche Zeitungsberichte, in denen auch Autoren und deren Erfahrungen zitiert werden.

  • 17. Februar 2014 bei 15:55
    Permalink

    bzgl. Punkt 7.

    Wenn mir jetzt so deine Katzenbücher bei mir im Regal anschaue, bin ich ja eigentlich so eine Schwachsinnige die solch ein dünnes Buch in dem Format für das Geld gekauft hat! Oder verstehe ich da etwas falsch

    Gruß

  • 17. Februar 2014 bei 16:03
    Permalink

    Liebe Marlene, da siehst du wirklich was falsch … das Manuskript für die gezeigte Kalkulation besteht lediglich aus Text. Ein Roman.
    Das Katzenbuch hat SEHR viele Fotos (ich glaube so um die 90 – 100). Viele davon auch in Farbe. Außerdem ist es “gestaltet”. Beides ist ein erheblicher Unterschied zu einem normalen Taschenbuch, wo nur Fließtext veröffentlicht wird. Der Arbeitsaufwand für das Design eines durchgestalteten Buches ist zigmal höher als Fließtext abzusetzen, und deshalb kostet so ein Buch auch deutlich mehr als ein normales Taschenbuch mit durchgängigem Text.

  • 17. Februar 2014 bei 22:26
    Permalink

    Weiß jemand wie viel solche Verlage für die Herstellung und Vertrieb von 1000 Exemplaren bezahlen?

  • 17. Februar 2014 bei 23:14
    Permalink

    Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Viele Verlage lassen auch im Ausland drucken, wo die Preise deutlich niedriger sind als bei uns in Deutschland.
    Der “Vertrieb”wird ebenfalls unterschiedlich gehandhabt.

  • 18. Februar 2014 bei 02:18
    Permalink

    Die Dummen sterben eben nicht aus.

    Wer zu faul ist, sich zu informieren, findet Amazon CreateSpace halt nicht mit max. 1-2 Stunden Zeitaufwand und bezahlt dafür mehrere tausend Euro.

    Ein feister Stundenlohn für diejenigen, die sich kundig machen.

  • 18. Februar 2014 bei 10:52
    Permalink

    Der Verlag zahlt jedenfalls deutlich weniger. Ich hab eben mal spaßeshalber bei einem print on Demand Verlag geschaut. Bei einer Auflage von 200 Stück zahle ich keine 5 Euro das Stück. Und das war nur eine 2 Minuten Recherche. Diese Zuschussverlage sind die Heizdeckenverkäufer der Buchbranche.

  • 18. Februar 2014 bei 11:19
    Permalink

    @ Pete
    Mit CreateSpace habe ich auch schon gearbeitet, es ist aber nicht das Gelbe vom Ei … weil die erstens keine gestaffelten Druckpreise haben und zweitens noch “Shippingkosten” zum Druck dazukommen. Es gibt mittlerweile in Europa qualitativ hervoragende und preislich deutlich interessantere Alternativen als zu Create Space (als Druckerei, nicht als Servivedienstleister für Amazon).

    @ Jan
    Kommt natürlich auf Format, Umfang und Papierstärke an. Grundsätzlich haben Sie aber Recht. Die Druckkosten sind für einen Verlag der kleinste Kostenfaktor.
    Für meine Autoren hole ich verschiedene Angebote ein (darunter auch aus dem Ausland) und Autor und ich entscheiden gemeinsam, welche Druckerei den Auftrag bekommt. Die Ergebnisse waren bislang sehr zuzfriedenstellend – was Preis-Leistungsverhältnis betrifft.

    So haben wir für ein 200-Seitenbuch (Sonderformat 21 x 24 cm) in Hardcoverversion mit Lesebändchen und 200 Auflage rund 1.500 Euro bezahlt. Und die Qualität ist ausgezeichnet! Die Autorin hat versucht, für die Folgeauflage eine Druckerei in ihrer Nähe zu finden – vergeblich! Als Dienstleisterin, wie ich eine bin, muss man halt auch seine Kontakte haben …

  • Pingback: Der Irrtum der unbezahlbaren Selbstveröffentlichung | Thomas Michalskis Webseite

  • 24. Februar 2014 bei 12:21
    Permalink

    Sehr guter Beitrag!
    Solche Angebote hatte ich auch schon.
    Lasst bloß die Finger davon!!

  • 25. Februar 2014 bei 19:57
    Permalink

    Honorar ab dem 1001. Exemplar? Welches soll das sein bei einer Auflage von 1000 Büchern?!

  • 25. Februar 2014 bei 20:03
    Permalink

    @ Hanka
    Sehr gute Frage! Der Widerspruch ist mir noch gar nicht aufgefallen. Also noch ein weiterer Haken …

  • 7. April 2014 bei 14:58
    Permalink

    Doch CreateSpace IST das Gelbe vom Ei. Du willst darüber schreiben, warum du anderer Meinung bist – auf deine Argumente bin ich gespannt.

    Hier meine:

    Du machst eine PDF vom Text und eine vom Cover. Es gibt bei CreateSpace Assistenten für beides, du kannst aber auch alles selbst daheim machen und dann hochladen oder einen Profi beauftragen, der dir z.B. das Cover macht, das du dann hochlädst.
    Nach dem Hochladen sagt dir CreateSpace, was die Herstellung deines Buches kosten wird und was der minimale Verkaufspreis ist. Der ist durchaus moderat und konkurrenzfähig. Was du selbst oben draufschlägst und verdienen willst, bleibt völlig dir überlassen, indem du einen Verkaufspreis frei wählst – CreateSpace knapst sich aber ca. die Hälfte davon ab, also ist etwas Rumprobieren angesagt.
    Dann gibst du es zur Prüfung frei und wenn alles in Ordnung ist, hast du dein Buch am nächsten Tag im Amazon-Shop stehen.
    Man zahlt keinen Cent im Voraus und von jedem verkauften Exemplar bekommt man genau den Verdienst, den man SELBST festgelegt hat. Die an den Kunden ausgelieferten Bücher haben eine hervorragende Qualität und sind nicht von Verlagsbüchern zu unterscheiden. (Vorausgesetzt, man hat sich mit der PDF-Datei Mühe gegeben!).
    Lieferzeiten gibt es keine, da das Buch sofort nach der Bestellung des Kunden gedruckt und versandt wird – er hat es am nächsten Tag in der Post.
    Ich selbst habe schon an die 20 Bücher für verschiedene Autoren bei CreateSpace veröffentlicht und kann nur sagen: CS ist das Gelbe vom Ei.

    P.S.: Kommt mir nicht mit dem Argument, dass das Buch nicht in den Buchhandel kommt – das tut auch kein anderes, wenn es nicht von einem Großverlag gepusht wird. Und auch Werbung machen Verlage schon lange nicht mehr für alle ihre Autoren. Self-Publisher müssen selbst Werbung machen, z.B. in sozialen Netzwerken.

  • 7. April 2014 bei 15:04
    Permalink

    P.P.S.: Kunterbunte Sachbücher sind bei CreateSpace natürlich auch kein Problem!

  • 7. April 2014 bei 15:12
    Permalink

    Über Druckkostenzuschussverlage braucht man sich doch nicht weiter aufregen. Du hast gezeigt, wie man übers Ohr gehauen wird – und gut. Dann stellt sich doch als Nächstes die Frage nach Alternativen, oder nicht? Eine wurde genannt und von dir im Vorbeigehen abgetan. Ich wollte dagegenhalten.

  • 7. April 2014 bei 15:17
    Permalink

    Danke für Ihre Meinung/Information!

  • 7. April 2014 bei 19:41
    Permalink

    Sorry, der ganze Artikel ist eine Lobeshyme auf CreateSpace mit der einzigen Ausnahme, dass die Klebebindung angeblich zu wünschen übrig ließ – das will ich auch gar nicht bestreiten, kann es aber aus eigener Erfahrung nicht nachvollziehen!

  • 8. April 2014 bei 22:15
    Permalink

    Eine Alternative: Selber drucken lassen und einen Vertrag mit einem Verlagsauslieferer machen, damit der den Buchhandel und evtl. Barsortiment beliefert.
    1000 Exemplare in s/w kosten bei einer Online-Druckerei unter €2000, ein paar Euro für Lagerplatz, Inventur und so zahlt man beim Verlagsauslieferer.
    Buchhandel und Barsortiment kriegen Rabatt aufs Buch (30-52%), der Verlagsauslieferer kriegt für jedes verschickte Buch und für jede Rechnung was, aber selbst da kommt man günstiger bei weg als bei so einem Zuschussverlag.

    Ich mach das so und fahr damit ganz gut (solange ich die Bücher auch loswerde).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *