Eine neue Autorin hat mir netterweise verschiedene Angebote von Zuschussverlagen zukommen lassen. Was ich dort lesen konnte, war hochinteressant und ich habe eine kleine Liste zusammengestellt.

Die Liste bezieht sich auf eine Taschenbuchausgabe von Kurzgeschichten. Umfang: ungefähr 160 Seiten.

Zu den einzelnen Punkten ist Folgendes zu sagen:

Korrektorat
Man kann ein Korrektorat machen, indem man die Rechtschreibprüfung von WORD darüber laufen lässt. Unter einem Korrektorat verstehe ich allerdings das aufmerksame Lesen eines jeden Wortes. In welcher Form es bei den Verlagen auf der Liste abläuft, geht nirgendwo hervor. Bei einem Verlag gibt es nicht mal ein Korrektorat und bei einem anderen ist gar nichts dazu gesagt.

Bei Edition Blaes wird Wort für Wort gelesen. Erst danach wird der Duden-Korrektor zu Rate gezogen, mit dem ich das gesamte Dokument durcharbeite. (Allerdings findet das Korrektorat erst nach dem Lektorat statt. Alles andere ist unsinnig, weil beim Lektorieren auch noch Fehler entstehen können.)

Lektorat
Bei allen Angeboten findet kein Lektorat statt. Ein Unding! Denn jedes Manuskript muss lektoriert werden. Wenn ein Verlag das unterlässt, ist das ein deutlicher Hinweis auf unprofessionelle Vorgehensweise.

Bei Edition Blaes findet immer ein Lektorat statt. Mit Word, damit der Autor die Korrekturen, Hinweise und Änderungsvorschläge deutlich sehen kann. Und: vor der Arbeit findet ein Probelektorat statt. Damit wird abgeklärt, dass Autor und Lektorin sich bezüglich der Arbeit einig sind.

Auflage
Zwei von sechs Verlagen geben die geplante Auflagenhöhe an. Ob 3.000 Stück für ein Kurzgeschichtenbuch wirtschaftlich sind, darf bezweifelt werden. Und ob der Verlag tatsächlich diese Stückzahl drucken lässt, kann nicht überprüft werden, denn nicht der Autor erhält die Bücher, sondern der Verlag. Bei vier von sechs Angeboten wird gar keine Auflage genannt.

Freiexemplare
Für das viele Geld, das der Autor – im Voraus – bezahlt, bekommt er ein paar Exemplare “geschenkt”.

Bei Edition Blaes wird mit dem Autor eine (sinnvolle) Auflage festgelegt, und die gehört ihm dann auch.

Ladenpreis
Ob ein Ladenpreis von über 10 Euro für ein Kurzgeschichtenbuch von rund 160 Seiten angebracht ist, bezweifle ich.

Tantiemen
Der Autor bezahlt viel Geld für die Produktion seines Buches. Trotzdem bekommt er vom Verkauf nur Tantiemen.

Bei Edition Blaes gehen die vollen Einnahmen aus dem Buchverkauf auf das Konto des Autors.

Autorenrabatt
Obwohl der Autor bereits viel Geld bezahlt hat, muss er für eigene Exemplare wieder Geld auf den Tisch blättern.

Bis auf 2 Belegexemplare für den Verlag gehört bei Edition Blaes die gesamte Auflage dem Autor.

Kosten
Wie man sehen kann, sind die Kosten für die Veröffentlichung des Buches bei den einzelnen Verlagen ziemlich unterschiedlich. Zu hoch sind sie allemal. Und was der Autor für sein Geld letztlich bekommt, ist bei allen Angeboten unklar. Es handelt sich bei den im Angebot formulierten Dienstleistungen überwiegend um gutklingende Worthülsen, die bei eventuellen Meinungsverschiedenheiten zwischen Verlag und Autor nicht justiziabel sind.

Bei Edition Blaes gibt es keine ellenlange Angebote, sondern ein DIN A4-Blatt, auf dem die einzelnen Dienstleistungen eindeutig und unmissverständlich formuliert sind. Und der Autor muss keinen Vorschuss bezahlen, sondern bekommt eine Rechnung erst nach erbrachter Dienstleistung.

Fazit
Wer solche Verträge unterschreibt, ohne vorher den Rechtsanwalt seines Vertrauens zu Rate zu ziehen, darf sich nicht wundern, wenn er etwas anderes bekommt als erhofft. Denn erfahrungsgemäß verdient bei so einem Deal nur einer – und der Autor ist das definitiv nicht.

Was auf der Liste nicht steht: Die Rechte am Buch gehen bei allen Angeboten an den jeweiligen Verlag über.

Bei Edition Blaes verbleiben die Buchrechte beim Autor.

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Hier ein Interview von Klaus Wenderoth mit Renate Blaes zum Thema “Zuschussverlage”.

Die erstaunlichen Angebote der Zuschussverlage

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