Sehr viele Zeitgenossen haben keine Ahnung, wann, wo und warum man ein Komma setzt.
Hinweis: Dieser Artikel ist im Jahr 2024 erschienen. An Aktualität hat er leider nichts verloren, deshalb hole ich ihn hervor.
Immer wieder staune ich (milde formuliert), wie wenige Menschen sich in Rechtschreibung auskennen. Dass auch ich bei meiner Arbeit ständig nachschauen muss, was sich wie schreibt, ist eine andere Sache, und ich verdanke sie hauptsächlich der letzten Rechtschreibreform, der ich so gar nichts abgewinnen kann – wie ich schon öfter geschrieben habe. Genau deshalb schaue ich nach … die meisten machen das nicht, sondern schreiben einfach drauflos, ohne Rücksicht auf Grammatik- und Interpunktionsregeln.
So stelle ich in der Autorengruppe »Self Publishing« bei Facebook immer wieder fest, dass vielen (den meisten) Autoren Grammatik- und Tippfehler völlig egal zu sein scheinen, denn sie schreiben in ihren Beiträgen und Kommentaren drauflos, ohne Punkt und Komma – und mit sichtlichem Desinteresse, mit ihren Texten beim Leser einen guten (gebildeten) Eindruck zu hinterlassen. In einem Beitrag von mir darauf angesprochen, meinten auch viele, Fehler seien völlig egal. Denn die zu eliminieren, sei Sache des Lektors.
Aufgabe eines Lektors
Das ist ein Irrtum, denn ein (freundlicher) Lektor korrigiert bei seiner Arbeit zwar auch Fehler, seine Aufgabe besteht aber darin, die sprachliche und inhaltliche Qualität eines Manuskriptes zu prüfen und zu verbessern.
Um Fehler kümmert sich der Korrektor, der nach jedem Lektorat (auf keinen Fall davor!) beauftragt werden sollte, denn der Fehlerteufel ist ein tückischer Bursche. Andererseits zeugt die Haltung »darum kümmert sich der Lektor« von mangelndem Respekt Lektoren gegenüber, die mehr als genug Arbeit mit einem relativ fehlerfreien Text haben. Bevor ein Autor sein Manuskript dem Lektor übergibt, sollte es ihm außerdem ein ganz persönliches Anliegen sein, den Text aufmerksam nach Fehlern zu untersuchen. Dass ein Lektor selbst bei aufmerksamem Lesen noch genügend Fehler übersieht, ist leider Fakt – ich spreche aus Erfahrung. Auch mit eigenen Texten, die ich SEHR aufmerksam lese und mehrfach überarbeite.
Kommaregeln und korrektes Setzen des Kommas
Von Kommaregeln haben noch weniger Menschen Ahnung. Deshalb hier ein paar Beispiele, die zeigen, wie wichtig korrekte Kommasetzung ist und wie ein an die richtige (oder falsche) Stelle gesetztes Komma den Sinn eines Satzes grundlegend verändern kann.
Ich habe die Beispiele im Internet zusammengeklaubt, kann deshalb leider keine Urheber nennen. Falls jemand sie kennt, würde ich mich über eine Information bzw. einen Link freuen.
Der Mann sagt, die Frau kann nicht Autofahren.
Der Mann, sagt die Frau, kann nicht Autofahren.
Schüler meinen, Lehrer haben es gut.
Schüler, meinen Lehrer, haben es gut.
Ich komme, nicht erschießen!
Ich komme nicht, erschießen!
Sabine versprach ihrer Mutter, einen Brief zu schreiben.
Sabine versprach, ihrer Mutter einen Brief zu schreiben.
Herr Schmidt, der Pfarrer, und ich spielten Golf.
Herr Schmidt, der Pfarrer und ich spielten Golf.
Hängt ihn nicht, laufen lassen!
Hängt ihn, nicht laufen lassen!
Komm, wir essen Tante Lena.
Komm, wir essen, Tante Lena.
Wir empfehlen ihm, zu folgen.
Wir empfehlen, ihm zu folgen.
Er will, sie nicht.
Er will sie nicht.
Der redliche Mensch denkt an sich selbst zuletzt.
Der redliche Mensch denkt an sich, selbst zuletzt.
Er versprach, mir jedes Jahr einen neuen Hut zu kaufen.
Er versprach mir, jedes Jahr einen neuen Hut zu kaufen.
Du hast den schönsten Hintern weit und breit.
Du hast den schönsten Hintern, weit und breit.
Angesichts solcher Sätze denkt der eine oder andere vielleicht über korrekte Kommasetzung nach. Denn darüber wissen erstaunlich wenige Menschen Bescheid. Ob es sich dabei um Unkenntnis oder Desinteresse handelt, weiß ich nicht. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Mischung von beidem. Auf alle Fälle sehe ich ständig Texte, bei denen es von fehlenden Kommas nur so wimmelt.
In oben erwähnter Facebook-Gruppe habe ich genau darauf hingewiesen – mit dem Ergebnis, dass ich von einem Gruppenmitglied als »Grammar-Nazi« bezeichnet wurde.
Diese Bezeichnung trage ich mit Fassung. In meiner Funktion als Lektorin und Korrektorin nehme ich sie sogar als Wertschätzung …




