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Der Begriff self-publishing ist seit einiger Zeit in aller Munde, und immer mehr Autoren bevorzugen, ihr Manuskript selbst herauszubringen, als sich einen Verlag zu suchen – weil Letzteres eine sehr mühsame und oft frustrierende Angelegenheit ist.  Aus diesem Grund erscheinen mittlerweile jährlich dreimal so viele selbst veröffentlichte Bücher als von herkömmlichen Verlagen.

Buch selbst veröffentlichen

Self-Publishing = selbst veröffentlichen. Der Begriff als solcher ist leicht zu übersetzen, die Umsetzung dagegen nicht. Ein Buch ist zwar relativ schnell und einfach produziert (Buchsatz, Buchdruck), aber damit ist es nicht getan, denn jetzt fängt die – für einen Autor meist lästige – Arbeit erst an. Und diese Arbeit heißt: PR.

Public Relations

Viele unerfahrene Autoren meinen, wenn sie das Glück haben, bei einem “normalen” Verlag unterzukommen, brauchten sie sich um die PR nicht zu kümmern. Das ist ein Irrtum, denn ein Verlag kann sich die kostenintensive PR-Arbeit nur leisten (im Sinn des Wortes), wenn das Buch hohe Verkaufszahlen verspricht, und das tun keine 10 % der jährlichen Neuerscheinungen (rund 80.000). Ein Autor muss sich also auch bei “normalen” Verlagen um die Vermarktung kümmern, und beim Self-Publishing ist das erst recht der Fall.

Edition Blaes bietet neben Lektorat und Buchdesign auch die Unterstützung bei den Vermarktungsaktivitäten an, entweder beratend oder aktiv.

Weil ich von meiner Arbeit lebe, kann ich beides nicht ohne Honorar machen. Das Honorar für die Beratung ist selbstredend deutlich geringer als die aktive Unterstützung. Und weil ich nichts zu verbergen habe, veröffentliche ich hier einen Auszug aus einem E-Mail-Dialog mit einem enttäuschten Autor.

Er schrieb:
… Bedauerlich finde ich, dass Sie mir bei der Vermarktung in keiner Weise zur Seite standen.  Sie haben schön alles auf mich abgewälzt. Der Blog ist zwar sehr schön, hat aber bei der Vermarktung keine Rolle gespielt. Ich hatte Grund zur Annahme, dass diesbezüglich von Ihnen mehr kommt. Zumindest hatten Sie mir bei unseren ersten Gesprächen diesen Eindruck vermittelt …

Hier meine Antwort:
Lieber Herr …,
es ist bedauerlich, dass Sie sich von mir zu wenig unterstützt fühlen. Ja, es macht mich betroffen, denn Sie sehen ganz offensichtlich nicht, was für eine Dienstleistung Sie von mir bekommen haben. Wenn ich die Stunden zusammenzähle, die ich für Ihr Buch gearbeitet habe, komme ich auf ein Stundenhonorar von unter 20 Euro.

Leider haben Sie das meiste von dem, was ich Ihnen (ohne Honorar) empfohlen habe, nur teilweise oder gar nicht umgesetzt. Das Blog habe ich Ihnen geschenkt, leider haben Sie es nur eingeschränkt genutzt.

So hatte ich Ihnen zum Beispiel ans Herz gelegt, über jede Lesung zu berichten. Mit Fotos.

Dafür haben Sie sich leider keine Zeit genommen.

Aber genau das ist es, was ein Autor für die Vermarktung braucht:
Zeit für die Public Relations. PR ist das A und O einer Buchvermarktung.

Ein Teil dieser PR-Arbeit ist ein Weblog. Das ist aber nur dann effizient, wenn es regelmäßig mit Informationen gefüllt wird. Ihr letzter Beitrag ist Monate her, und das von mir empfohlene Fazit Ihrer Lesungen fehlt bis heute. Das ist schlecht, denn ein Blog lebt von der Aktivität des Bloggers. In Ihrem Fall also wirklich jede Lesung beschreiben, mit Fotos und – das hatte ich Ihnen auch dringend empfohlen – ein kleines Video davon aufzunehmen und zu veröffentlichen. Das haben Sie nicht gemacht.

Ich weiß, lieber Herr …, dass das alles sehr zeitaufwändig ist, aber anders funktioniert Blog-PR nicht!

Wenn Sie die Zeit nicht aufbringen können oder wollen, macht das alles keinen Sinn. Denn ein Buch verkauft sich nicht von alleine. Es lediglich in die Buchhandlungen zu bringen, reicht bei Weitem nicht. Denn selbst wenn es dort angenommen wird (was bei einem unbekannten Autor selten der Fall ist), verstaubt es irgendwo im Regal, und davon haben Sie nichts. Es müsste schon gestapelt neben der Kasse oder an einem anderen prominenten Platz präsentiert sein. Zum Beispiel im Schaufenster.

Soziale Netzwerke sind auch relevant. Facebook, Xing, Twitter – dort sollten Sie als Autor präsent sein. Das ist einfach so, und wer diese Möglichkeiten verpasst, verpasst auch seine Marktchancen, denn soziale Netzwerke und das Internet sind DAS Kommunikationsinstrument der heutigen Zeit. Allerdings benötigt das Bestücken dieser Netzwerke für den Verkaufserfolg mindestens soviel Zeit wie das Führen eines Blogs und aktive Presse-Arbeit.

Aktive Pressearbeit

Außerdem sollten Sie alle für Ihr Buch relevanten Redaktionen anrufen. Vor allem sollten Sie Kontakt zu regionalen Medien aufnehmen: Zeitungen, Rundfunk, Fernsehsender. Ein Link zu einer aussagekräftigen und professionellen Website ist dabei sehr wichtig. Denn der Journalist will auf einen Blick sehen/erkennen, mit wem er es zu tun hat, und ob ihn das Buch des Autors interessiert.

All diese Arbeit kann Ihnen niemand abnehmen – zumindest nicht ohne Honorar. Es gibt zwar auf Bücher spezialisierte PR- und Marketing-Agenturen. Die kosten meiner Erfahrung nach aber nur viel Geld und bringen relativ wenig. Die Kosten-Nutzen-Relation ist also sehr dürftig.

Fazit: Bei der Veröffentlichung eines Buches ist Public Relations enorm wichtig. Sie ist sehr zeitaufwändig, aber wichtig. Denn wenn die Öffentlichkeit, also die potenziellen Leser, nichts von Ihrem Buch wissen, werden sie es nicht kaufen.


Ein Kommentar

  1. Ich habe Anfang März 2022 gemeinsam mit Edition Blaes meinen ersten Roman »Pferde brauchen Geborgenheit« veröffentlicht. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht mit dem Thema »Buchvermarktung« beschäftige. Ich habe von Renate Blaes viele wertvolle Hinweise und Anregungen hinsichtlich PR-Arbeit bekommen, sie hat mir bei der Erstellung meiner Website geholfen, die ich mit Freude gestalte und aktualisiere, und wir tauschen uns nach wie vor regelmäßig aus.
    Ich habe nicht alle Ratschläge, die ich von Renate Blaes bekam, umgesetzt. Manches passt einfach nicht zu mir (beispielsweise eine Leserunde bei LovelyBooks), aber das muss letztendlich jeder selbst für sich entscheiden.
    Manchmal passieren auch unvorhergesehene Dinge, sein Buch bekannter zu machen: ich wurde für Ende Mai zum »Tag der offenen Tür« bei meiner Pferdetrainerin eingeladen, als Autorin eines Pferderomanes – perfekt!
    Und so sollten sich für jeden »Neuling«, der mit offenen Augen und einer gewissen Euphorie an das Thema »Buchvermarktung« herangeht, immer wieder neue Möglichkeiten eröffnen.
    Dass dieser Weg auch manchmal frustrierend sein kann, teilweise anstrengend, mühsam und sehr zeitaufwändig ist, möchte ich nicht bestreiten. Aber wenn ich dann positive Rückmeldungen erhalte – wie von einer Leserin, dass sie nach einem langen stressigen Tag ein paar Seiten in meinem Buch liest und dann entspannt einschlafen kann – dann denke ich mir: Das ist es doch wert und freue mich einfach nur!
    Gabriele Dietrich

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