Immer wieder staune ich, wie wenige Menschen sich in Rechtschreibung auskennen. Dass ich bei meiner Arbeit auch ständig nachschauen muss, was sich wie schreibt, ist eine andere Sache, und ich verdanke sie hauptsächlich der letzten Rechtschreibreform, der ich so gar nichts abgewinnen kann – wie ich schon öfter geschrieben habe. Aber zumindest schaue ich nach … die meisten machen das nicht.

In einer Autorengruppe bei Facebook stelle ich immer wieder fest, dass vielen Autoren Fehler völlig egal zu sein scheinen, denn sie schreiben drauf los, ohne Punkt und Komma – und mit sichtlichem Desinteresse, mit ihren Texten beim Leser einen guten (gebildeten) Eindruck zu hinterlassen. Darauf angesprochen, meinen viele, Fehler zu eliminieren, sei Sache des Lektors.

Das ist einerseits ein Irrtum, denn ein Lektor korrigiert bei seiner Arbeit zwar auch Fehler, seine Hauptarbeit besteht aber darin, die sprachliche Qualität eines Manuskriptes zu prüfen und zu verbessern. Um Fehler kümmert sich dann der Korrektor, der nach jedem Lektorat (auf keinen Fall davor!) unbedingt beauftragt werden sollte, denn der Fehlerteufel ist ein tückischer Bursche. Andererseits zeugt die Haltung “darum kümmert sich der Lektor” von mangelndem Respekt Lektoren gegenüber, die noch mehr als genug Arbeit mit einem relativ fehlerfreien Text haben. Und bevor ein Autor sein Manuskript dem Lektor übergibt, sollte es eigentlich sein ganz persönliches Anliegen sein, den Text aufmerksam nach Fehlern zu untersuchen. Dass er selbst bei aufmerksamem Lesen noch genügend Fehler übersehen wird, ist leider Fakt – ich spreche aus Erfahrung. Auch mit eigenen Texten, die ich SEHR aufmerksam lese und überarbeite.

Von Kommaregeln haben noch weniger Menschen Ahnung, deshalb hier ein paar Beispiele, die zeigen, wie wichtig korrekte Kommasetzung ist und wie grundlegend ein an die richtige Stelle gesetztes Komma den Sinn eines Satzes verändern kann. Ich habe die Beispiele im Internet zusammengeklaubt, kann deshalb keine Urheber nennen.

Ich komme, nicht erschießen!
Ich komme nicht, erschießen!

Sabine versprach ihrer Mutter, einen Brief zu schreiben.
Sabine versprach, ihrer Mutter einen Brief zu schreiben.

Herr Schmidt, der Pfarrer, und ich spielten Golf.
Herr Schmidt, der Pfarrer und ich spielten Golf.

Hängt ihn nicht, laufen lassen!
Hängt ihn, nicht laufen lassen!

Komm, wir essen Tante Erna.
Komm, wir essen, Tante Erna.

Er will, sie nicht.
Er will sie nicht.

Der redliche Mensch denkt an sich selbst zuletzt.
Der redliche Mensch denkt an sich, selbst zuletzt.

Er versprach, mir jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen.
Er versprach mir, jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen.

Du hast den schönsten Hintern weit und breit.
Du hast den schönsten Hintern, weit und breit.

Angesichts solcher Sätze überlegt vielleicht der eine oder andere, sich mal mit korrekter Kommasetzung zu beschäftigen. Denn darüber wissen erstaunlich wenige Bescheid. Ob es sich dabei um Unkenntnis oder Desinteresse handelt, ist mir nicht bekannt.

PS: Weil ich bei diesem Thema von vielen so gern missverstanden werde … ich rede nicht von Tippfehlern, die einem leicht und ständig unterlaufen, vor allem beim schnellen Tippen im Internet und bei E-Mails. Ich rede von offensichtlichen Fehlern, die zeigen, dass der Verfasser wenig bis keine Ahnung von Rechtschreibung und Grammatik hat. Das ist bei einem sogenannten Bildungsbürger wie einem Deutschen schon schlimm genug. Besonders schlimm aber finde ich es bei Autoren.

Wie ein Komma den Sinn eines Satzes verändert

6 Gedanken zu „Wie ein Komma den Sinn eines Satzes verändert

  • 8. Februar 2019 um 21:50
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    Wirklich sehr einleuchtende Beispiele, wie die Kommasetzung den Sinn eines Satzes verändern kann.

  • 11. Februar 2019 um 21:07
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    Das sind tolle Beispiele, liebe Renate, sie gefallen mir sehr gut.

    Auch für die Groß- und Kleinschreibung gibt es schöne Sachen.

    Hier ein kleines Beispiel:

    Der gefangene Floh.
    Der Gefangene floh.

    Mir machen solche Spielereien immer viel Spaß!

  • 13. Februar 2019 um 16:20
    Permalink

    Dein Beispiel gefällt mir auch gut, liebe Patricia! Und alle Beispiele zeigen, dass Grammatik und Rechtschreibung doch wichtiger sind, als viele meinen. Was ja vor allem in Internetforen täglich und sehr anschaulich zu sehen ist. Ich kann immer wieder nur den Kopf schütteln. Deutschland, das Land der Dichter und Denker? Von wegen!

  • 15. August 2019 um 14:43
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    Sehr schön ! Ich habe eben gerade google nach zweideutigen Sätzen mit veränderten Satzzeichen gefragt und bin hier gelandet. Ich will meinen WhatsApp Gruppenmitgliedern mal deutlich machen, wie wichtig das alles ist. Das werde ich mit den Beispielen jetzt tun.
    Eine Kleinigkeit kann ich auch noch beitragen: Was willst Du schon wieder? und Was, willst Du schon wieder?
    Liebe Grüße aus dem Odenwald, Angelika

  • 15. August 2019 um 14:47
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    Danke, Angelika!
    Liebe Grüße vom Ammersee zum Odenwald – Renate

  • 12. September 2019 um 22:24
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    Es gibt alleine bei der Betonung einzelner Wörter einen anderen Sinn:

    Umfahren, oder umfahren
    Weg oder weg

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