Offsetdruck oder Digitaldruck?

Offsetdruck oder Digitaldruck, das ist hier die Frage

Als ich mich vor vielen Jahren mit einem Werbestudio selbstständig gemacht und für meine Kunden Drucksachen gestaltet habe, führte mich mein Weg sehr bald zu den Produktionspartnern, die da waren:

– Setzerei
– Lithoanstalt
– Druckerei

Dort habe ich mich intensiv informiert. Habe mit Mitarbeitern geredet, stand an Reprokameras und Druckmaschinen, habe viele Fragen gestellt und gelernt, auf welche Dinge es in den einzelnen Sparten ankommt.

Buchsatz

Herkömmliche Setzereien gibt es wohl kaum noch – weil kaum einer noch Papierabzüge braucht. Wir Designer setzen unsere Texte längst am Computer – mit professionellen Satzprogrammen.

Mit Lithoanstalten verhält es sich ähnlich. Fotobearbeitung und Druckdateien machen wir selber – mit genialen Design- und Fotobearbeitungs-Programmen, wie zum Beispiel InDesign (Buchgestaltung) und Photoshop (Bildbearbeitung).

Die fertigen Druckdateien schicken wir dann als PDF übers Internet direkt an die Druckerei, denn die gibt es nach wie vor. Und die werden wohl das Schicksal der Setzereien und Lithoanstalten nicht teilen müssen, denn bislang gibt es keinen Ersatz für sie – und wird es vermutlich auch nie geben.

Digitaldruck

Vor einigen Jahren ist eine neue Drucktechnik dazu gekommen: der Digitaldruck

digitaldruck

Für viele Autoren kommt genau dieser Digitaldruck infrage, weil er bei kleinen Auflagen deutlich wirtschaftlicher ist als der Offsetdruck.

Beim Digitaldruck gibt es zwei Verfahren: Laserdruck und Inkjetdruck. Der Unterschied wird hier erklärt. Die Technik ist ähnlich wie bei unseren kleinen Bürodruckern.


Welche Drucktechnik für welches Buch?

Laserdruck

Bei kleinen Auflagen bis zu 300 Büchern empfehle ich meinen Autoren den Laserdruck. Die Qualität ist gut.

laserdruck

Inkjetdruck

Ab 300 Büchern ist der Inkjetdruck (Tintenstrahldruck) interessant, denn ab dieser Stückzahl kostet er weniger als der Laserdruck. Die Druckqualität von Text ist ähnlich gut wie beim Laserdruck, und mit bloßem Auge kann man kaum einen Unterschied wahrnehmen. Mit einem Fadenzähler allerdings schon.

fadenzaehler

Kostenvergleich Digitaldruck/Laserdruck

Bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten und einer Auflage von 500 Stück beträgt der Stückpreis beispielsweise:

1,70 Euro (pro Stück, Laserdruck)
1,34 Euro (pro Stück, Inkjetdruck)

Bei 500 Büchern kann man also rund 180 Euro sparen.

Bei Büchern, wo es auf Fotoqualität ankommt, ist Inkjetdruck nicht unbedingt geeignet, weil die Druckqualität nicht so gut ist wie bei Laserdruck. Flauer und weniger scharf.

Wer aber qualitativ hochwertige Fotos in seinem Buch haben möchte, wählt statt Digitaldruck den Offsetdruck.

Offsetdruck

druckmaschine-offsetdruck

Beim Offsetdruck handelt es sich um ein qualitativ hochwertiges Flachdruckverfahren, bei dem Zwischenträger benötigt werden und somit nicht direkt auf das Papier gedruckt wird. Mehr zu der Technik gibt es in diesem Artikel.

Diese Drucktechnik wird bei hochwertigen Vierfarb-Buchprojekten mit höherer Auflage relevant. Bei einem Buch mit vielen Abbildungen zum Beispiel.

Hier kann der Laserdruck preislich nicht mithalten.

Rechenbeispiel bei einem Kochbuch, Format 164 x 234 mm, 160 Seiten, Auflage 1.000 Stück:

4,10 Euro (pro Stück, Laserdruck)
2,30 Euro (pro Stück, Offsetdruck)

Abgesehen davon, dass der Offsetdruck (nicht nur bei Fotos) eindeutig eine deutlich bessere Druckqualität bietet, kommt hier schon preislich der Digitaldruck nicht infrage.

Bei der Wahl des Druckverfahrens kommt es also immer auf das jeweilige Projekt an.

Dass es bezüglich der Kosten bei den einzelnen Druckereien dann wieder deutliche Preisunterschiede gibt, steht auf einem anderen Blatt. Die Angebote der verschiedenen Druckereien für das eben genannte Kochbuchprojekt pendelten zwischen 2.300 und 3.800 Euro – bei einer Auflage von 1.000 Stück.

Aber: Der billigste Anbieter ist letztendlich auch nicht immer die beste Wahl, denn was nützt es, wenn man weniger zahlt, die Qualität aber nicht stimmt.

Wenn sich beim Aufschlagen des Buches beispielsweise die Seiten lösen, weil der Buchbinder zu wenig Leim in die Maschine gefüllt hat. Wie das Ergebnis aussieht, zeige ich in diesem Blogbeitrag.

9 Kommentare

  1. Ein sehr informativer und hilfreicher Beitrag zum Digitaldruck. Wirklich zu empfehlen, diese Seite!
    Es grüßt Harald A. aus Oberhausen

  2. Vielen Dank, lieber Harald!

    Herzliche Grüße vom Ammersee nach Oberhausen – Renate

  3. Wie immer ein informativer Blogbeitrag, liebe Renate. Danke dafür!

    Viele Grüße aus der Großstadt, auch von Stella.

    Roberto

  4. Ein interessantes Thema. Der richtige Druck, und für mich vor allem die richtige Druckvorbereitung. Alles nicht so einfach, aber Gott sei Dank bin ich Amateur, der nicht das perfekte Ergebnis erwartet, und wohl auch gar nicht erkennen kann.

  5. Na ja, lieber Axel, ein mit zu wenig Leim gebundenes Buch wirst selbst du auf den ersten Blick erkennen. Dann nämlich, wenn du es aufschlägst, es da liegt – platt wie eine Flunder – und du beim Umblättern die Seiten einzeln entnehmen kannst. 😉

  6. Guten Tag,
    ich habe ein Verständnisproblem.
    Bei Offsetdruck handelt es sich um eine Drucktechnik.
    Bei Digitaldruck ist doch nur die Quelle oder Vorlage eine Digitale.
    Oder sehe ich das komplett falsch?
    LG
    Manu

  7. Liebe Manu, ja, das sehen Sie falsch. Digitaldruck ist ebenfalls eine Drucktechnik. Die Vorlage ist bei beiden Verfahren dieselbe: ein hochaufgelöstes PDF.

  8. Ich möchte ein kleines Buch zum 50. Hochzeitstag meiner Eltern gestalten, wo ich alte Fotos und Geschichten von Verwandten und Freunden sammeln möchte. Das würde ich nicht nur für meine Eltern drucken lassen, sondern auch für alle die Gäste. Gut zu wissen, dass man mit Digitaldruck auch schwarz-weiß Fotos in hohe Qualität drucken kann.

  9. Ich habe für meine Firma einige Marketingartikel designen lassen und möchte diese nun auch in den Druck geben. Das es ein Digitaldruck werden soll, steht außer Frage, mir war nur nicht bewusst, dass es dabei zwei unterschiedliche Verfahren gibt. Ich werde mal mit der Druckerei sprechen, welche Möglichkeiten bei meinen Artikeln möglich sind.

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