Über die deutschen Rechtschreibregeln wundere ich mich immer wieder, so auch heute. Ich korrigiere zur Zeit (sollte eigentlich zusammen geschrieben werden: “zurzeit”. Ich weigere mich aber …) ein Manuskript und bin an einer Textstelle hängengeblieben. Der Autor erwähnt dort einen Dichter, der in der Schweiz lebt, also einen “Schweizer Dichter”.

Und genau darüber bin ich gestolpert – über den groß geschriebenen Schweizer. Dass man einen Menschen, der in der Schweiz lebt, als Schweizer bezeichnet, weiß ich. Einen Menschen, der in Deutschland lebt, bezeichnet man ja auch als Deutschen. Ebenso einen Franzosen (Frankreich) oder einen Italiener (Italien).

Und es heißt:
– deutscher Dichter
– französischer Dichter
– italienischer Dichter

Aber man sagt/schreibt:Schweizer Dichter

Allerdings kann man auch sagen/schreiben: schweizerischer Dichter

Aber warum sagt/schreibt man dann “Schweizer Dichter”? So lautet nämlich der allgemein übliche Begriff, wenn ein Mensch gemeint ist, der in der Schweiz lebt und Autor ist.

Ich habe im Internet gesucht und gesucht. Einige Informationen habe ich zwar gefunden, nämlich, dass man entweder “Schweizer” oder “schweizerisch” schreibt, aber eine einleuchtende Erklärung dafür blieb mir verborgen.

Nun gehöre ich ja nicht zu den Menschen, die so leicht aufgeben, wenn sie keine Antwort auf eine (wichtige) Frage finden, habe weiter gesucht, und in dem Grammatikportal der Justus-Liebig-Universität Giessen wurde ich schließlich fündig:


Hinsichtlich der Bedeutung besteht wohl kein Unterschied zwischen den beiden Adjektiven Schweizer und schweizerisch, aber es gibt grammatische Unterschiede. So geht dem Wahrig-Band „Fehlerfreies und gutes Deutsch“ zufolge das Adjektiv Schweizer auf die Bezeichnung der Einwohner der Schweiz zurück, genauer gesagt auf den Genitiv Plural. Demnach ist Schweizer Käse also im Grunde der Schweizer Käse bzw. Käse der Schweizer. Schweizer wird immer groß geschrieben und kommt nur in dieser Form vor, d. h. es ist unflektierbar (undeklinierbar). Darüber hinaus kommt es nur attributiv vor, d. h. es tritt immer zu einem Substantiv hinzu, das es näher beschreibt.

Schweizerisch ist dagegen wesentlich vielseitiger: Als „normales“ Adjektiv ist es flektierbar und kann alle adjektiv-typischen Funktionen übernehmen. Das sind neben der attributiven Funktion die adverbiale Funktion (in zwei Kursen wurde schweizerisch oder international gekocht) und die prädikative Funktion (ein großer Teil des Ufers ist schweizerisch, ein kleiner Teil gehört zu Österreich).

Eine genaue Regel, wann welches Adjektiv verwendet wird, scheint es nicht zu geben. Die These, dass Schweizer eher im Zusammenhang mit festen Institutionen oder typischen Kulturgütern verwendet wird, erscheint angesichts solcher Zusammensetzungen wie Schweizerische Post, Schweizerische Bundesbahnen oder Schweizerisches Rotes Kreuz wenig plausibel. Die allgemeine Tendenz geht zwar zu Schweizer hin, letztlich kann aber eine Suchmaschine Auskunft darüber geben, welche der beiden Varianten im konkreten Fall die gebräuchlichere ist. So zeigt Google für „Schweizer Käse“ ca. 65.500 Fundstellen an, für „schweizerischer Käse“ dagegen nur ca. 263.


So ist das also mit dem Schweizer.

Wieder was gelernt heute …

Ein Schweizer Dichter?

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