Ist die erste Zeile eines Absatzes zugleich die letzte Zeile einer Seite, so nennt man das “Schusterjunge”.

Steht die letzte Zeile eines Absatzes als erste Zeile auf einer Seite, so nennt man das “Hurenkind”.

hurenkind
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In der Typografie gelten Schusterjungen und Hurenkinder als gravierende Fehler, die unbedingt vermieden werden müssen. Sie ergeben ein unschönes Schriftbild und stören den Lesefluss. Man eliminiert sie durch Ändern der Laufweite, des Zeilendurchschusses oder des Umbruchs.

Hilft das nichts, muss der Text entweder gekürzt oder erweitert werden. Synonyme Begriffe mit mehr oder weniger Buchstaben können auch helfen.

In verschiedenen Satzprogrammen wie “Word” oder “Indesign” gibt es eine “Absatzkontrolle”, die solche unschönen Umbrüche zwar vermeidet, das führt aber oft zu leeren Zeilen am Ende oder Anfang einer Seite. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die entsprechenden Änderungen manuell vorzunehmen. Das bedeutet also, jede Seite eines Buches muss vom Setzer/Designer/Autor auf solche Umbrüche untersucht werden.

Während meines Studiums polterte unser Typografiedozent Günter Gerhard Lange, der Typopapst Deutschlands, ein Buch mit Schusterjungen und Hurenkinder sei ein Unding, ein typografisches Verbrechen! An dieses ungeschriebene Gesetz haben sich Verlage bis vor einiger Zeit gehalten. Doch mittlerweile entdecke ich zumindest die Schusterjungen (also die erste Zeile eines Absatzes am Ende einer Seite) in nahezu allen Büchern – auch in denen renommierter Verlage. Und auch ich nehme mir mittlerweile die Freiheit, nur noch die Hurenkinder auszumerzen, denn die Schusterjungen stören mein Auge nicht wirklich. Und vielleicht gehören die beiden “Typen” grundsätzlich auch ins vergangene Jahrhundert … wäre eine gute Möglichkeit, unter Typo-Experten mal eine Diskussion in Gang zu bringen zu diesem Thema.

Schusterjungen und Hurenkinder

3 Gedanken zu „Schusterjungen und Hurenkinder

  • 6. Februar 2011 um 14:00
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    Danke für die Erklärung, Renate! Jetzt weiß ich, wo ich immer nachschauen, wenn ich den Unterschied wieder mal vergessen habe. Ich kann mir das einfach nicht merken …

    Liebe Grüße von Doris

  • 6. Februar 2011 um 14:36
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    Liebe Doris,
    da gibt es eine ganz einfache Eselsbrücke:
    Die Hure ist oben (Domina), der Schusterjunge unten (armes unterdrücktes Kerlchen) 😉

    Liebe Grüße
    Renate

  • 1. April 2014 um 16:31
    Permalink

    …prägnant erklärt. Sehr gut!

    Ich bin auf Fortsetzungen gespannt.

    LG, Bildermann

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