Typische Anfängerfehler beim Buchsatz

Dass Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen, ist längst nicht mehr neu.

Beim Buchsatz kann man viele Fehler machen

Dass Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen, ist längst nicht mehr neu. So kam mein erstes selbst veröffentlichtes Buch vor rund 30 Jahren auf den Markt. Mittlerweile erscheinen in Deutschland mehr Bücher von Selfpublishern als von Verlagen.

Einige davon stehen Verlagsprodukten in nichts nach. Vielen davon allerdings sieht man an, dass ein Laie am Werk war.

Typisches Beispiel

Hier ein Beispiel für unprofessionellen Buchsatz.

Schriftgröße: 11 Punkt, Zeilenabstand: 18 Punkt.

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Das Beispiel ist nicht mit dem Originaltext erstellt, sondern mit einem aus dem Internet geladenen Blindtext (Blindtextgenerator). Dieser Blindtext spiegelt aber exakt den Originaltext – mit all seinen kleinen, aber ganz typischen Anfängerfehlern. Was aber nicht verwundert, denn woher soll ein unerfahrener Autor wissen, was er bei professionell gesetzten Buchsatz beachten muss. Beim Satzspiegel fängt es an.

Satzspiegel

Als Satzspiegel wird die benutzte Fläche einer Buchseite, einer Zeitung/Zeitschrift oder eines anderen Druckwerks bezeichnet.

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(zum Vergrößern aufs Bild klicken)

Ränder zu klein, Zeilenabstand zu groß

Für meinem Geschmack ist der Randabstand zu klein und der Zeilenabstand etwas zu groß. Hier mein Vorschlag (mit bereits korrigierten Fehlern): dieselbe Schriftgröße: 11 Punkt, Zeilenabstand: 15 Punkt, Ränder etwas breiter.

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Typofehler

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Nr. 1 – Unterschiedliche Anführungszeichen.
Das ist vermutlich passiert beim Tausch normaler Anführungszeichen gegen Chevrons. (Chevrons sind Anführungszeichen, die aus zwei spitzen Klammern bestehen: ») Es wurden nur die öffnenden Anführungszeichen getauscht, die schließenden Anführungszeichen ebenfalls zu tauschen, wurde ganz offensichtlich vergessen.

Nr. 2 – Kein Erstzeilen-Einzug bei den Folgeabsätzen.
Der Erstzeilen-Einzug bei Folgeabsätzen ist zwar nicht zwingend, der besseren Lesbarkeit wegen aber anzuraten.

Nr. 3 – Das schlimmste Hurenkind, das mir je unter die Augen gekommen ist.
Im Originaltext steht es genau so da wie gezeigt: zwei einsame Buchstaben und ein Punkt.

Das sind vermeintlich alles Kleinigkeiten – zumindest ist das die Meinung vieler Selbstpublizierer. Ich sehe das allerdings anders. Von einem Buch mit üblichem Marktpreis erwarte ich auch den üblichen, also professionell gesetzten Inhalt. Vom Inhalt ganz zu schweigen …

Fehler im Text

PS: Dass das Buch nicht Korrektur gelesen wurde, sollte ich auch noch erwähnen. Der Text hat viele Tippfehler, außerdem fehlen Anführungszeichen, Personen haben falsche und unterschiedlich geschriebene Namen (z. B. „Christoph” und „Christof”), und so weiter und so weiter. In dem 120 Seiten dünnen Buch habe ich weit über 300 Fehler entdeckt. Dabei habe ich es nicht lektoriert, sondern nur gelesen. Beim normalen Lesen fallen einem aber deutlich weniger Fehler auf als beim Lektorieren. Das liegt in der Natur der Sache und hat folgende Bewandtnis: Das menschliche Gehirn ist darauf ausgerichtet, Texte zu verstehen. Sobald es einen Text verstanden hat, ist es zufrieden und will mit Fehlern nichts zu tun haben.


„Ein Buch ohne Fehler ist ein Mythos”, sagte ein befreundeter Verleger vor einiger Zeit. Das stimmt wohl, aber eine derartige Menge an offensichtlichen Fehlern darf nicht sein und wirft ein schlechtes Licht auf den Autor. Der entweder keine Ahnung hat, oder dem es egal ist. Beides hinterlässt beim Leser keinen positiven Eindruck.

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