Meine Druckerei in Polen – wie meine Autoren Geld sparen beim Buchdruck

Aus aktuellem Anlass habe ich einen vier Jahre alten Beitrag aus der Versenkung geholt. Denn permanent werde ich aufgefordert, die Kontaktdaten meiner Druckerei rauszurücken. Also: aufmerksam lesen!


Seit über 30 Jahren bin ich Freiberuflerin, und in dieser langen Zeit habe ich sehr viel mit Druckereien zu tun gehabt. Damals hieß der Ablauf noch: Text in der Setzerei setzen lassen. Die “Papierabzüge” oder “Filme” zur “Reproanstalt” (auch Lithoanstalt genannt) bringen, wo von meinen Fotos mit der Reprokamera “Lithographien” (Bildabzüge) gemacht und mit dem Text zusammenmontiert wurden.

Mit den fertigen Filmen bin ich dann zur Druckerei marschiert, dort wurden aus den Lithographien Druckplatten für den Offsetdruck produziert. Dann wurde gedruckt.

Offsetdruck gibt es immer noch, Setzereien und Lithoanstalten allerdings sind im Aussterben begriffen (gibt es überhaupt noch welche?), weil die Druckvorlagen heutzutage am Computer produziert werden. Ich zum Beispiel gestalte Inhalt und Umschlag eines Buches mit InDesign (einem profesionellen Programm für Design jeglicher Art) und lade beide Dateien als hochaufgelöste PDFs bei der Druckerei ab. Dort wird das Buch dann digital gedruckt.


Anfangs habe ich mit deutschen Druckereien zusammengerbeitet, im Zuge der Globalisierung kam ich aber auch in Kontakt mit Druckereien in Osteuropa. Ich habe einige getestet und bin für den Druck von Taschenbüchern bei einer Druckerei in Polen* hängengeblieben. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Die Kommunikation läuft excellent über ein Büro in Deutschland, wo mir freundliche und kompetente Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dort schicke ich meine Dateien hin, die dann geprüft und an die Druckerei in Polen weitergeleitet werden. Wenige Wochen später habe ich dann die Bücher. Genau gesagt hat der Autor die Bücher, weil er sie bezahlt und sie ihm deshalb auch gehören. Was übrigens ein großer Unterschied ist zu den üblichen Zuschussverlagen, denn die verdienen doppelt: Sie lassen sich einerseits ihre Dienstleistung bezahlen, die oft minderwertig und genauso oft völlig überhöht ist. Danach muss der Autor nochmal den Geldbeutel zücken, denn obwohl er die Druckkosten bereits bezahlt hat, darf er für den Erwerb seiner Bücher nochmal blechen. Ein aufschlussreiches Rechenbeispiel gibt es hier.

Die Qualität der polnischen Druckerei ist sehr gut. Die Farben des Umschlags sehen fast 1:1 so aus wie auf meinem Bildschirm.

Druckdatei:
druckdatei

Das gedruckte Buch:
fertige buecher

Der Buchinhalt ist auch sehr gut.

buchinhalt-text

Für das Auge angenehmer zu lesen ist übrigens leicht gefärbtes, also cremefarbenes Papier. Reinweißes Papier ist beim Buchdruck nicht zu empfehlen – aber das ist Geschmackssache. Ich empfehle meinen Autoren die Creme-Variante.

papierfarbe

Bis zu einer Auflage von 300 Stück kommt der Laserdruck zum Einsatz. Inkjetdruck ist erst ab einer Auflage von 300 Stück wirtschaftlich. (Warum das so ist, weiß ich nicht … es hat technische Gründe). Bei 500 Büchern kann man je Seitenzahl 300 bis 500 Euro sparen.

Nachsatz:

Edition Blaes ist ein Verlag, keine Druckerei.

Edition Blaes vermittelt keine Druckaufträge.

Edition Blaes gibt keine Adressen ihrer Geschäftspartner weiter.


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5 Kommentare

  1. Setzerei, Lithos, Filme – ach, da kann ich mich auch noch daran erinnern. Ich komme ja nicht vom Buchdruck, sondern von Broschüren und Monatszeitschriften her. Da war alleine der nötige zeitliche Vorlauf in der Produktion immer ein großes Kopfwehthema.

  2. Meine Erfahrungen habe ich in der Werbe- und PR-Branche gesammelt, lieber Leo. Buchdruck ist dann später dazu gekommen.

  3. Liebe Renate, danke für diesen informativen Beitrag. Wir sind auch noch auf der Suche nach einer Druckerei in Polen für unseren Reiseführer und klappern gerade einige ab. Würdest du mir die im Beitrag genannte Druckerei verraten?

    Liebe Grüße aus Rostock
    Nicole

  4. Liebe Nicole, meine Geschäftspartner sind wichtiger Bestandteil meines “Betriebskapitals”. Ich bitte deshalb um Verständnis dafür, dass ich die Namen meiner in mühsamer und zeitraubender Kleinarbeit (Suchen, Testen, Erfahrungen machen, Erkenntnisse – unterschiedlicher Art – gewinnen) gefundenen Geschäftspartner nicht einfach so preisgebe. In diesen Genuss kommen meine Autoren.

    Liebe Grüße nach Rostock – vom Ammersee!
    Renate

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