Bei Edition Blaes bezahlt der Autor Honorar für:

– Korrektorat

– Lektorat

– Buchdesign

Die Druckkosten bezahlt ebenfalls der Autor – nach Abgabe eines klar definierten Angebots einer von ihm gewählten Druckerei und einer von ihm gewünschten Auflage. Dabei gelten folgende Konditionen:

– Die gesamte Auflage gehört dem Autor.

– Der Erlös aus dem Buchverkauf gehört zu 100 % dem Autor.

– Die Rechte an Buch und eventuellen Bildern verbleiben beim Autor.

– Honorar wird erst NACH erbrachter Leistung berechnet.


So ein faires Konzept ist bei Dienstleistungsverlagen normalerweise nicht üblich. Ein Beispiel für sehr fragwürdige Verlagsverträge zeige ich nachfolgend, denn diese Woche hat mir ein Autor (mal wieder) ein erstaunliches Angebot von einem der “üblichen Verdächtigen” zukommen lassen.

“Druckkostenzuschussverlage” nennt man Dienstleister dieser Art, obwohl sie streng genommen keinen Zuschuss zu den Druckkosten in Rechnung stellen, sondern der Autor die vollen Druckkosten trägt und die Verlage sich für Dienstleistungen bezahlen lassen, deren Qualität und Gegenwert sich in den meisten Fällen nicht verifizieren lassen.

Prinzipiell lassen sich diese Verlage im Voraus bezahlen, und interessant ist dabei auch die Höhe der Kosten, denn sie sind oft ganz schön happig. So auch in dem aktuellen Fall, denn sie betragen:

13.636,03 Euro

13.636,03 Euro will der Verlag also haben. Ein schöner Batzen Geld. Aber wofür?
Den Versuch einer Antwort gibt ein Blick auf den sogenannten Marketingplan. (Zum Vergrößern aufs jeweilige Bild klicken.)

angebot zuschussverlag

angebot zuschussverlag

Gehen wir mal auf ein paar der Angebotspunkte ein. Zum Beispiel:

25. Entwicklung weiterer Marketing-Ideen gemeinsam mit Ihnen.

Das klingt auf den ersten Blick vielversprechend, sagt de facto aber gar nichts aus. Es kann alles heißen. Oder eben nichts. Genau wie die meisten der anderen Punkte. Bis auf die Präsentation auf den Buchmessen ist alles Wischiwaschi und nicht justiziabel. Wenn der Autor also später dann moniert, dass sein Vertragspartner den einen oder anderen Punkt nicht erfüllt habe, kann er den meist nicht einklagen  – weil viel zu schwammig formuliert. Denn was heißt konkret zum Beispiel:

19. Verbreitung (unabhängiger) Rezensionen

Nichts! Das ist ebenfalls eine mehr als schwammige Formulierung.

Aktive Rechtevermittlung für Hörbuch, Übersetzung, Verfilmung, auch international

Wieder so eine schwammige Formulierung.

Alles in allem besteht der Marketingplan überwiegend aus wohlklingenden, aber inhaltslosen Formulierungen, die dem Autor Qualität und Quantität vorgaukeln sollen.


Sehr konkret hingegen ist der “Vertragsgegenstand”, den wir mal genauer unter die Lupe nehmen.

Zu 1:
Der Autor hat zwar schon sehr viel Geld bezahlt, nämlich 13.636,03 Euro, bekommt aber pro verkauftem Buch nur 25 %.

Zu 2.:
Die Erstauflage beträgt 3.000 Stück. Das ist eine Menge! Aber diese Menge bekommt nicht der Autor, sondern liegt – vermutlich – beim Verlag. Was der damit macht, steht in den Sternen. Schlechtestenfalls steht die Zahl 3.000 auch einfach nur da, denn ob die Auflage in dieser Höhe tatsächlich gedruckt wird, steht ebenfalls in den Sternen. Und erfahrungsgemäß hat der Autor nicht das Recht, die Auflage in Augenschein zu nehmen.

Zu 3.:
Der Autor bekommt von der – von ihm bereits teuer bezahlten – Auflage lediglich 20 “Freiexemplare”.

Zu 4.:
Will der Autor  weitere Exemplare haben, darf er sie ein zweites Mal bezahlen. Mit einem “großzügigen” Rabatt von 30 %. Worauf der Rabatt sich bezieht, ist auch nicht klar. Ich vermute, auf den Verkaufspreis.

Zu 5.:
“Produktionsvergütung” – was heißt das denn? Unter Produktion versteht man in der Buchbranche normalerweise den Druck. Druckkosten kann man aber erst kalkulieren, wenn man

  • das Buchformat kennt
  • den Buchinhalt kennt (farbig oder s/w)
  • die Seitenzahl kennt
  • die Papierqualität kennt, u. a. Gewicht und Sorte

Von diesen – sehr relevanten – Informationen kann ich im “Veröffentlichungsangebot” aber nichts entdecken.
Alles in allem frage ich mich, wofür der Verlag den stolzen Betrag von rund 13.000 haben möchte. Denn wofür der Autor diese Menge Geld bezahlt, ist nicht definiert. Zumindest nicht so, dass Otto Normalautor, weiß/versteht, mit was für einer Gegenleistung er rechnen kann. Erfahrungsgemäß liegt die weit unter dem bezahlten Betrag. Aber das erfährt der Autor meist erst dann, wenn es zu spät ist.


Schnäppchen?

Weil Verlage, die solche Verträge schließen, genau wissen, dass es Ärger geben könnte, verlangen sie ihr Geld schon mal im Voraus.
Und jeder Autor, der so ein Schnäppchen unterschreibt (und die Rechnung bezahlt), wird sich früher oder später die Haare raufen und von seinem Anwalt (den er vermutlich konsultieren wird) fragen lassen müssen:

Warum, um Gottes Willen, haben Sie mir diesen Vertrag nicht gezeigt, bevor sie ihn unterschrieben haben?


Zum Schluss noch ein Blick auf eine Vertragsseite. Dort steht unter § 4, dass der Verlag die Herstellungskosten (Druckkosten versteht man normalerweise darunter) übernimmt. Angesichts der vom Autor zu zahlenden rund 13.000 Euro ist das wirklich großzügig!

Ganz unten sieht man, was der Verlag noch so alles an Leistungen übernimmt: Korrektorat, Buchsatz und Coverdesign. Das normalerweise übliche Lektorat ist erstaunlicherweise nicht dabei!

Die Rechte am Buch hat der Verlag – für die gesamte Vertragsdauer. Im konkreten Fall: 5 Jahre.

zuschussverlag


 

Deshalb: Auf keinen Fall Vorauszahlungen leisten!


Mehr zumThema

Post vom Zuschussverlag

Zuschussverlage

Zum Thema Druckkostenzuschussverlage

Kalkulation eines Zuschussverlages

Zuschussverlage die Xte

Essay über Zuschussverlage

Zuschussverlage – der kleine Unterschiedx

Der schlechte Ruf der Zuschussverlage Nr. 1

Zuschuss verlage – das leidige Thema

Post vom Zuschussverlag

4 Gedanken zu „Post vom Zuschussverlag

  • 17. August 2018 um 12:37
    Permalink

    Liebe Renate,

    vielen Dank für diesen super interessanten Einblick. Schon unglaublich, auf was man alles achten muss und der kleinste Fehler kann da ganz fatale bzw. teure Folgen für den Autor haben.

    Ich bin bei Dir bestens aufgehoben und hätte ich nicht von Anfang an so ein gutes Gefühl bei Dir gehabt, wäre ich wohl heute noch Bloglos. Du siehst, es gibt immer wieder einen Grund Dir zu danken.

    Schön, dass es Dich gibt !!

  • 17. August 2018 um 16:19
    Permalink

    Offensichtlich funktioniert diese Masche, sonst wären solche “Verlage” längst ausgestorben. Für jeden einzelnen ist es traurig, wenn er einem solchen Bauernfänger auf den Leim geht. Es zeigt aber, dass immer noch sehr viele Menschen den ganz starken Wunsch haben, ihre Geschichte als gedrucktes Buch zu veröffentlichen. Trotz Internet, eBooks, Blogs, etc. hat das gedruckte Buch für die Menschen einen ganz großen Stellenwert.

  • 18. August 2018 um 10:34
    Permalink

    “Trotz Internet, eBooks, Blogs, etc. hat das gedruckte Buch für die Menschen einen ganz großen Stellenwert”

    Leopold, das sehe ich leider anders. Es werden immer weniger Leute, die ein gedrucktes Buch in der Hand halten wollen. Ich vergleiche das mit der Musik und, aus 30 Jahren Berufserfahrung, mit dem Film. Kaum jemand stellt sich noch ein Buch, eine CD, oder eine DVD ins Regal. Es reicht, wenn man davon eine Datei hat, die man auf sämtliche Medien überspielen kann und jederzeit griffbereit hat. Bücher, CDs und Filme zu verkaufen, ist nahezu unmöglich geworden, Neuheiten werden, außer beim Buch, gleich verramscht. Im Filmbereich ist es inzwischen so, dass ein Blockbuster, hunderte Millionen in der Produktion gekostet hat, zum Start für ca. 12 bis 14 Euro verkauft wird, nach 3 Monaten auf 10 Euro reduziert wird und nach 6 Monaten für 7 Euro auf dem Wühltisch landet. In meiner Anfangszeit, Mitte der 80-er Jahre kostete eine VHS Kassette noch bis zu 349,-DM im Einkauf. Für das Geld bekommt man heute fast schon einen 55″ Flachbild TV.

    Es ist traurig, aber ich befürchte, dass es bald nur noch absolute Spitzenprodukte schaffen, als haptisches Medium auf den Markt zu kommen.

  • 18. August 2018 um 12:54
    Permalink

    Ich habe neulich einen Bericht gesehen, in dem über genau dieses Thema geesprochen wurde. Und danach habe ich auch meine Abneigung gegen Ebooks verstanden. Es ist nämlich so, dass man bei einem gedrucktem Buch ein völlig anderes Leseerlebnis hat. Man “spürt”, wo man in dem Buch ist, vorn, hinten … Man weiß ungefähr, wo bestimmte Textstellen, die einem besonders gut gefallen haben, stehen. Etc. Und was ich oft mache: Sätze anstreichen. Geht bei einem Ebook auch nicht. Man kann zwar Lesezeichen setzen und auch Anmerkungen schreiben, aber das ist doch was anderes, als Anstreichen.
    Also ich kaufe Ebooks nur bei Fachliteratur, wo es mir lediglich auf Informationen ankommt. Lesen zur Unterhaltung – dafür kommen für mich nur gedruckte Bücher infrage. Das Buch ist meiner Meinung nach noch lange nicht dem Tod geweiht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.